Wien. Krise? Welche Krise? Betrachtet man die nackten Zahlen, kommen einem unweigerlich jene mittlerweile geflügelten Worte in den Sinn, die in der Wirtschaft, aber eben auch im Fußball schon des Öfteren gebraucht worden sind. Beides hängt schließlich unmittelbar zusammen. Und geht’s denn dem Fußball wirklich schlecht? Der druckfrisch herausgekommene Global Sports Salaries Survey der Agentur sporting-intelligence für das Jahr 2015 lässt anderes vermuten, wenn auch freilich nur auf den ersten Blick.

Demnach stiegen die durchschnittlichen Jahresgehälter in den Topklubs - herangezogen wurden Fußball, Football, Basketball, Baseball und Eishockey - verglichen mit der vorangegangenen Saison weiter an, wobei vor allem die Kicker weiter auf dem Vormarsch sind: Paris Saint Germain führt die Rangliste vor Real Madrid, Manchester City und dem FC Barcelona an, als einzige Nicht-Fußball-Teams haben es die Baseballer der Los Angeles Dodgers als Fünfte und jene der New York Yankees als Neunte in die Top Ten geschafft. 2014 hatten sie noch die Positionen drei und zwei hinter Manchester City belegt.


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Salaries Survey 2015
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Freilich sind die Zahlen schwierig zu vergleichen, herrschen doch in den bedeutenden US-Sportligen generell striktere Finanzregeln wie die Gehaltsobergrenzen; dazu kommt, dass die reinen Gehälter, nicht aber Prämien und Zusatzvergünstigungen, etwa durch Werbeeinnahmen, betrachtet wurden. Und dennoch scheint der Fußball tatsächlich jenes Paradies zu sein, in dem neben Milch und Honig auch die Millionen fließen - und vor allem das Öl. Denn der Trend, dass jene Teams, die am meisten Geld für ihre Spieler ausgeben können, von Ölmilliarden aus den Golfstaaten gespeist werden, setzte sich dieses Jahr ungemindert fort.

Als Paradebeispiel geht eben Paris Saint-Germain voran: Rund 7,4 Millionen Euro - und damit um neun Millionen mehr als der Vorjahresspitzenreiter Manchester City - zahlten die katarischen Klub-Eigentümer ihren Stars wie Zlatan Ibrahimovic durchschnittlich pro Jahr, das sind mehr als 142.000 Euro pro Woche. Die Petrodollars haben Mannschaft und Klub ein gänzlich neues Gesicht gegeben, oder besser, erkauft als noch vor dem Einstieg von Qatar Sports Investments im Jahr 2011. Damals wurden 70 Prozent der Klubanteile übernommen, im Jahr darauf der Rest. Seitdem haben die Eigentümer hunderte Millionen Euro in Transfers gesteckt und drei Meisterschaften geholt; um eine mehr als in der gesamten, seit 1970 andauernden, Vereinsgeschichte davor.

Neben den Eigentümern, die allesamt durch Öl zu Reichtum gekommen sind, und der katarischen Tourismusbehörde tritt Emirates bei dem französischen Spitzenklub als Trikotsponsor auf; dieselbe Fluglinie also, die auch Real Madrid und Arsenal London großzügig unterstützt. Real indessen wird außerdem von der International Petroleum Investment Company aus Abu Dhabi gesponsert. Barcelona setzt auf einen lukrativen Vertrag mit Qatar Airways und andere Sponsoren aus dem arabischen Raum; und Manchester City verdankt seine Millionen den 2009 eingestiegenen Eigentümern aus Abu Dhabi und weiteren Sponsoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Liste ließe sich beliebig fortführen, der kleine Auszug illustriert aber auch so gut den Hang der Fußball-Top-Klubs, sich aus der Golfregion bedienen zu lassen, wo reiche Scheichs und Oligarchen den Sport als Prestigeobjekt für sich entdeckt und das Geld scheinbar abgeschafft haben. Doch wird das auch so bleiben können? Irgendwann könnte auch diese Blase platzen, und dann ist guter Rat teuer. Denn abgesehen von den gigantischen Summen, die die Investoren aus dem Osten in den Sport pumpen, fußen die Budgets teilweise auf fragwürdigen Geschäftsmodellen, für die sich bisweilen auch schon die EU-Wettbewerbsbehörde interessiert hat; auf Krediten und Subventionen und im Wesentlichen auf Pump. Die meisten der Spitzenteams sind heillos überschuldet, von den Kleineren ganz zu schweigen.

Genau dieser Entwicklung wollte der europäische Fußballverband Uefa vor einigen Jahren mit der Installierung des Financial Fairplay Programms entgegenwirken, das im Wesentlichen besagt, dass die Klubs nicht mehr ausgeben dürfen, als sie einnehmen. In einer Übergangsphase kann ein Loch von bis zu 45 Millionen Euro durch Gönner gestopft werden. Doch obwohl viele Klubs die Marke dieses erlaubten Minus in den vergangenen Jahren spielend überboten haben, kamen die meisten mit verschmerzbaren Sanktionen davon. Und die Uefa selbst befindet sich in der Zwickmühle: Zum einen ist die Kritik nicht unberechtigt, dass die Finanzregeln die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgehen lassen. Denn ohne potenten Investor haben die kleineren Klubs kaum eine Chance, zu jenen aufzuschließen, die ohnehin Jahr für Jahr von ihrem Status und den daraus entstehenden enormen Einnahmen aus der Champions League profitieren können. Zum anderen ist der Wille der europäischen Fußballhüter, die Bestseller aus ihrem einträglichsten Bewerb, der Champions League, auszuschließen, endenwollend - und wohl auch juristisch schwierig durchzusetzen.