Wien. Der gelernte Österreicher soll ja bekanntlich seine Rituale lieben. Das sanfte Einschlummern als Erholung vom sonntägigen Familienessen samt Berieselung durch das Summen der Formel-1-Motoren und die Erzählungen der ORF-Kommentatoren gehörte lange Jahre für viele ebenso dazu wie der nahtlose Übergang in den Fußball-Nachmittag inklusive Bier und Chips.

Soweit das Klischee. Doch dass mehr als ein Fünkchen Wahrheit darin versteckt sein könnte, davon zeugte der Aufschrei, der durch Teile der Fan-Szene ging, als bekannt wurde, dass auch die tipico-Bundesliga ab der kommenden Saison, die mit umfassenden Reformen einhergeht, bis auf wenige Ausnahmen nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sein wird. Sky sicherte sich die Exklusivrechte bis 2022, über eine Sublizenz für einige wenige Spiele im frei empfangbaren TV wird schon seit Monaten bisher ergebnislos verhandelt. In den Worten von Holger Enßlin, Geschäftsführer der Sky Österreich GmbH, klingt das so: "Wir wollen eine breite Kooperation mit unseren Partnern schmieden und werden in den nächsten Wochen Details bekannt geben."

Bei der deutschen Bundesliga, für die Sky ebenfalls die Erstrechte hält, hat eine Kooperation mit einem österreichischen Free-TV-Sender allerdings nicht wirklich gut funktioniert: Hatten Sky und ServusTV Anfang des Jahres noch angekündigt, dass sechs Spiele auch auf dem Didi-Mateschitz-Sender gezeigt werden würden, ertönte nach bereits zwei Partien der Schlusspfiff - Differenzen über die Spielauswahl hatten den Übertragungen ein jähes Ende gesetzt.

Österreich hinkt bei TV-Geld hinterher

Mit der fast vollständigen Abwanderung ins Bezahlfernsehen vollzieht die tipico-Bundesliga - die neue, auf 16 Vereine ausgeweitete zweite Liga wird indessen auf dem Online-Portal Laola1.at sowie auf ORF Sport+ zu sehen sein - jedenfalls einen Paradigmenwechsel, der allerdings nur in Österreich einem Tabubruch gleichkommt. International ist es seit längerem Trend, für Top-Fußball zur Kassa gebeten zu werden.

Ob deutsche oder englische Liga sowie bald auch die Champions League - wer mehr sehen will, muss zahlen; sei es im TV oder über Online-Streamingdienste. Angst, dass dies die Konsumenten vergraulen könnte, haben die Beteiligten nicht: "Man sieht, dass die Begeisterung in den Ländern, die diesen Schritt schon früher gegangen sind, nicht nachgelassen hat", sagte Christine Scheil, Geschäftsführerin von Sky Österreich, jüngst beim Kongress "Sport und Marke" in Wien. Für die Liga, die international gesehen bei den TV-Geldern nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch in Relation zu den Umsätzen bisher weit hinterherhinkte - nicht nur hinter den starken Marken Premier League und Bundesliga, sondern etwa auch hinter vergleichbaren Verbänden wie dem dänischen oder dem schottischen -, bedeutet das freilich auf den ersten Blick mehr Geld: Knapp 35 Millionen Euro pro Saison soll Sky für die Erstrechte zahlen, die Bundesliga spricht von einer Erlössteigerung von 40 Prozent.