Die WM zieht aus Sotschi weiter. - © Pavel Golovkin/ap
Die WM zieht aus Sotschi weiter. - © Pavel Golovkin/ap

Sotschi. Der verwandelte Elfmeter von Ivan Rakitić beendete am vergangenen Samstag nicht nur die Titelträume des russischen Nationalteams. Es war auch die letzte Amtshandlung im Fischt-Stadion von Sotschi im Rahmen der WM: Nach den Winterspielen 2014, dem Confederations Cup 2017, den Weltfestspielen im selben Jahr und nun der WM wird es eine Zeit lang dauern, bis wieder ein Großereignis im Ort an der Schwarzmeerküste, unweit der georgischen Grenze, stattfindet. Er ist ohnehin längst zu einem Lieblingsprojekt der russischen Machthaber geworden.

Sotschi ist dabei nicht gleich Sotschi. Das Gebiet der Stadt zieht sich auf 145 Kilometern entlang des Schwarzen Meeres, es ist Europas längste Stadt. Das historische Zentrum, die Stadt Sotschi selbst, entstand im 19. Jahrhundert als militärische Befestigungsanlage. Historische Bauten gibt es, wenn überhaupt, hier. In der Nachkriegszeit erlangte dann der Stadtteil Adler, knappe 20 Kilometer östlich von Sotschi-Stadt, touristische Bedeutung. Adler war einer der wichtigsten Bade- und Kurorte der Sowjetunion. Hier prägen Hotels und Ferienappartments das Stadtbild, Souvenirstände säumen die Straßen.

Überquert man die Brücke über den Msymta-Fluss, erkennt man bald die Vielzahl an Sportstätten, die für Olympia errichtet wurden. "Bis vor 15 Jahren war hier Sumpfgebiet", sagt Michail Tiguschkin, der für das Tourismusbüro in Sotschi arbeitet. "Heute ist davon ja nichts mehr zu erkennen, aber es war ein enormer Aufwand, dieses Land zu bebauen." Entlang der Uferpromenade reiht sich hier ein Restaurant an das nächste, Hotels sind auf das gesamte olympische Dorf verteilt. Vom Fischt-Stadion muss man nur die Straße überqueren, und schon ist man mitten am Strand, auf dem Liegen stehen, soweit das Auge reicht.

Ausgetrocknet


Dieser massive Eingriff in die Umwelt zieht aber auch Kritik nach sich. "Das Imeriti-Feuchtgebiet, wo heute die Stadien stehen, war einzigartig", sagt Andrei Rudomakha, der die Arbeit einer Umwelt-NGO in Südrussland koordiniert. "Viele Zugvögel machten hier am Weg nach Süden Halt, die Tierwelt war eine spezielle." Teile der Olympischen Spiele fanden tatsächlich in einem Nationalpark statt, dem zweitältesten Russlands. Das Sumpfgebiet wurde ausgetrocknet und mittels Aufschüttung von Felsen bebaubar gemacht. 3000 Hektar an Wäldern wurden abgeholzt, viele Zugvögel gibt es hier heute nicht mehr, sagt Rudomakha. Als Entschädigung versprach die Regierung, für jeden gerodeten Baum in der Umgebung drei neue zu pflanzen. "Aber so funktioniert doch die Umwelt nicht", sagt Rudomakha. "Das ist ein sensibles Ökosystem, kein Legobausatz."