• vom 11.07.2018, 16:58 Uhr

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Von Tamara Arthofer

  • Die Hochzeit Ronaldos mit der alten Dame ist nicht nur eine Liebesheirat. Sie soll vor allem den Umsatz für den Klub, die Liga und die Region ankurbeln.

Fallrückzieher gegen Juventus. - © afp

Fallrückzieher gegen Juventus. © afp


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Turin/Wien. Man hat es fast vergessen, so omnipräsent war Cristiano Ronaldo in den vergangenen Jahren bei Real Madrid, wo er öfter ins Tor traf, als spielte, aber es hat eine Zeit gegeben, da war der Portugiese noch nicht der Fußball-König von Madrid. Bis 2009 war das der Fall, Ronaldo damals schon Champions-League-Sieger mit Manchester United (2008). Dann wechselte der Portugiese für die damalige Rekordsumme von 94 Millionen Euro in die spanische Hauptstadt. Seit Dienstagabend ist er offiziell Spieler von Juventus - und damit wohl der erste, der seinen eigenen Ablöserekord nach neun Jahren und im gesetzteren Fußball-Alter von 33 noch einmal übertroffen hat. 100 Millionen Euro überweisen die Turiner nach Madrid, laut Klubangaben kommen dazu noch einmal zwölf Millionen an Solidaritäts- und Bonuszahlungen.

Absurd oder eh ein Schnäppchen? Darüber scheiden sich die Geister. Seit der 220-Millionen-Euro-Zahlung von Paris Saint-Germain für den Brasilianer Neymar, der bei dieser WM vor allem durch seine Schauspielereien aufgefallen ist, haben sich die Dimensionen verschoben. Und Real scheint Berichten zufolge bereit zu sein, für den brasilianischen Stürmer die 300-Millionen-Euro-Grenze zu sprengen. Doch Neymar ist immerhin auch sieben Jahre jünger als Ronaldo, der zwar mittlerweile fünf Champions-League-Siege hat, aber seinen Zenit bald überschritten haben könnte. Ihn mit einem Vierjahresvertrag und einem kolportierten Gehalt von insgesamt 120 Millionen Euro netto auszustatten, erscheint vor diesem Hintergrund doch für viele bedenklich. Das sehen zumindest die Mitarbeiter von Sponsor Fiat so, der das Geschäft mitfinanzieren und Ronaldo dafür als Testimonial bekommen soll: In einer Mitteilung der Vertreter der Arbeiter des Werks, die seit Jahren mit eingefrorenen Gehältern auskommen müssen, werden Protestmaßnahmen angekündigt. "Ist es normal, dass eine einzelne Person Millionen verdient und tausende von Familien mit ihrem Geld nicht bis Mitte des Monats auskommen?", fragte die zuständige Gewerkschaft. In der italienischen Presse kommentiert man das Geschäft freilich anders. "Fiat lux", titelte der "Corriere dello Sport", in "Il Giornale" heißt es: "Ronaldo heiratet die alte Dame und lässt die Signora auf eine Stufe mit anderen Größen in Europa springen." Während Real nun neue Kassenmagneten suchen wird, erhoffen sich die Gazetten in Italien einen Aufschwung der Serie A, die sich sportlich langsam von einer Dürrephase erholt, wirtschaftlich den Topligen aus England, Spanien und Deutschland aber hinterherhinkt.


Schließlich kann man sportlichen Erfolg zwar nicht zwingend erkaufen - zumal noch nicht absehbar ist, wie Ronaldo in einem völlig neuen Ensemble funktionieren wird und welche Spieler im Zuge des nun angeworfenen Transfer-Karussells den italienischen Rekordmeister verlassen -, wirtschaftlich gerät aber schon jetzt einiges in Bewegung. Noch während Ronaldo in Griechenland auf Urlaub weilt, wurden die ersten Trikots im Juventus-Store verkauft. Chiara Appendino, die Bürgermeisterin Turins, freute sich schon vorige Woche nach den ersten Gerüchten über eine möglicherweise bevorstehende Ankunft des Superstars über "einzigartige Werbung" und zusätzliche Einnahmen für die Gastronomie und den Tourismus, TV-Stationen und Sponsoren schielen auf die Quote. Und zu guter Letzt kann der Klub durch Ronaldo seine weltweite Reichweite steigern. Denn CR7 ist nicht nur ein hervorragender Spieler, sondern auch und vielleicht noch mehr eine globale Marke. Auch vor dem Hintergrund, dass die Social-Media-Präsenz einzelner Spieler für Vereine immer wichtiger werden (die Rechnung ist so banal wie logisch: Auch Nicht-Fans eines gewissen Klubs folgen den Stars und kommen über deren Aktivitäten unweigerlich mit dem Klub in Berührung), ist die Bedeutung Ronaldos für Juve erklärbar. Und in dieser Hinsicht kann sich Ronaldo trösten: Wenn schon für Neymar noch mehr bezahlt wird, so übertrifft er diesen abgesehen von seinen bisher größeren Erfolgen auch in der virtuellen Welt. Alleine auf Twitter hat er 74,8 Millionen Follower; Neymar 40,8. Auf Instagram steht es 134,6:99,6.




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Dokument erstellt am 2018-07-11 17:05:01


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