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Update: 03.08.2018, 16:24 Uhr

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Von Tamara Arthofer

  • Gazprom mischt im internationalen Fußball kräftig mit. Die Geschäfte sind nicht unumstritten.

Beflügelt von der Eröffnung des Stadions (Bild) stellt sich die Austria neu auf. - © apa/Hans Punz

Beflügelt von der Eröffnung des Stadions (Bild) stellt sich die Austria neu auf. © apa/Hans Punz

Wien. Lange wurde darüber gemunkelt, am Freitag ließ Austria-Wien-Präsident Wolfgang Katzian die Katze aus dem Sack. Ihr Name ist Gazprom, und der wiederum wird künftig auf allen Trikots der Nachwuchsmannschaften - von der U7 bis zu den in der zweiten Liga engagierten Young Violets - als Brustsponsor prangen. Zudem sind Kooperationen bei Turnier- und ähnlichen Reisen geplant. Wie viel Geld die Austria, die sich finanziell im Sog der Eröffnung der rundumerneuerten Generali Arena neu aufstellt, erst vor kurzem etwa die Firma Harreither und das oberösterreichische Wassertechnologieunternehmen BWT als Partner präsentierte, aus dem für fünf Jahre anberaumten Geschäft lukriert, ist freilich gemäß der Branchenusancen ein gut gehütetes Geheimnis. Klar sei aber, "dass eine Kooperation, die mehr sein soll als ein oberflächliches Beflaggen, auch Sinn haben muss", sagte Katzian.

Eine über den Nachwuchs hinausführende Zusammenarbeit sei vorerst nicht geplant, erklärte Alexander Medvedev, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Gazprom Export, der für den Fokus auf die Jugendmannschaften sowie auf die Akademie ein Bild bemühte: "Man kann die Sterne am Himmel anschauen oder die Sterne selbst anzünden." Auch mit dem Programm Football for Friendship, das als Sozialprojekt für Kinder organisiert wird, verfolge man dieses Ziel.


Abmontierte Banner in Kiew
Freilich ist Gazprom darüber hinaus im Elitefußball stark aufgestellt. Seit vielen Jahren alimentiert das Erdgasunternehmen Schalke 04 als Hauptsponsor mit rund 15 Millionen Euro jährlich - was die Gelsenkirchener Ende 2006 vor einer drohenden Pleite bewahrte -, der russische Spitzenklub Zenit St. Petersburg ist in der Hand von Gazprom, das auch den serbischen Verein Roter Stern Belgrad und einige weitere kleinere sponsert. Daneben ist man offizieller Partner des Weltverbandes Fifa und der Uefa-Champions-League.

Unumstritten sind diese Geschäfte Gazproms freilich nicht. Schalke wurde von den eigenen Fans kritisiert, man habe sich an Russland verkauft, damit die Manager dort gute Geschäfte machen könnten; vor dem Champions-League-Finale dieses Jahres mussten die Banner am Schauplatz Kiew wegen des dortigen Protests gegen Wladimir Putins Ukraine-Politik kurzerhand entfernt werden. Zähneknirschend musste die Uefa, die sonst bekanntlich akribisch darauf bedacht ist, ihre Partner ins beste Licht zu rücken, einwilligen.

Denn Gazprom ist nicht irgendein Unternehmen. Es ist im Mehrheitsbesitz des russischen Staates, der dadurch - so die Kritik - indirekt befähigt ist, andere Länder unter Druck zu setzen, und hat über sein Firmengeflecht auch Einfluss auf einen riesigen Medienkonzern. In Österreich unterhält die OMV, deren Vorstand Johann Pleininger im Aufsichtsrat der Austria sitzt, eine Partnerschaft mit Gazprom. Im Vorjahr floss die Rekordsumme von 9,1 Milliarden Kubikmetern nach Österreich.

Guter Saisonstart
Dass die jetzige Kooperation mit dem Fußballklub freilich nicht nur aus reinem Altruismus zustande kam, legten auch die Worte von Medvedev nahe: Es gehe auch um die Zusammenarbeit zwischen Russland und Österreich in der Erdgaslieferung, zudem habe die eben erst in Russland ausgerichtete erfolgreiche WM gezeigt, "dass solche Ereignisse eine große Rolle im Zusammenleben der Menschen, im Geschäft, in der Kultur und in der Politik spielen", wie er sagte. Die Austria will sich davon freilich nicht beeinflussen lassen, schließlich werfen auch die internationalen Geschäfte anderer, größerer, Fußballklubs so manche Fragen auf.

In Favoriten setzt man indessen darauf, dass sich das Budget durch die neue Arena und neue Partnerschaften insgesamt trotz der diesmal ausbleibenden Europacup-Einnahmen vergrößert, und auf eine solide Basis durch den Nachwuchs, um an der Spitze langfristig erfolgreich zu bleiben - respektive, es wieder zu werden. Die Vorsaison mit dem siebenten Platz ist abgehakt, die heurige mit einem Sieg gegen Innsbruck gut angelaufen. So soll es nach dem Wunsch von Trainer Thomas Letsch auch am Sonntag beim WAC weitergehen. "Wir wollen jetzt jede Woche eine Schippe drauflegen", sagt der Deutsche. Schließlich gilt es nicht nur wirtschaftlich, sondern auch auf dem Rasen aufzuzeigen. Und geht’s den Ergebnissen gut, geht’s den Sponsoren gut - ein bisschen wie bei der Katze, die sich in den Schwanz beißt.




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Dokument erstellt am 2018-08-03 15:59:21
Letzte Änderung am 2018-08-03 16:24:26


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