• vom 05.12.2018, 07:30 Uhr

Sportpolitik


Olympia

Die Olympia-Bewegung stockt, das Geld fließt




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Tamara Arthofer

  • Das Internationale Olympische Komitee steckt in einer Glaubwürdigkeitskrise. Auf die Finanzen hat das - noch - keinen Einfluss, wie die jüngste Vertragsverlängerung mit Samsung zeigt.

Ober-Olympier Thomas Bach geht frohgemut in die Zukunft.

Ober-Olympier Thomas Bach geht frohgemut in die Zukunft.© Reuters/Kai Pfaffenbach Ober-Olympier Thomas Bach geht frohgemut in die Zukunft.© Reuters/Kai Pfaffenbach

Lausanne. Die Worte fielen ausgerechnet in einer Phase der olympischen Bewegung, in der diese zunehmend ins Stocken geraten ist: "Wir genießen eine Stabilität, um die uns andere Organisationen, Branchen und Nicht-Regierungsorganisationen beneiden", sprach also Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), vor wenigen Tagen bei der Versammlung der Nationalen Olympischen Komitees in Tokio. Und ganz so, als habe es die Entwicklungen um den einflussreichen Sportpolitiker Scheich Ahmed Al-Sabah nicht gegeben, dem in der Schweiz Fälschung eines Videos vorgeworfen wird und der sich deswegen von allen seinen Ämtern zurückziehen musste; als stünde nicht der Ausschluss des umstrittenen Amateurboxverbandes im Raum; ja ganz so, als würden sich Länder auf der ganzen Welt geradezu darum reißen, die Spiele veranstalten zu dürfen - was nach diversen Volksentscheidungen nachweislich nicht der Fall ist -, fügte der Deutsche noch hinzu: "In dieser Welt ist Stabilität die härteste Währung, die wir haben können."

Doch freilich bemisst sich die Währung, die Bach tatsächlich meint, nicht nur in abstrakten Werten, sondern allen voran in nackten Zahlen. Und ein Blick darauf lässt den Ober-Olympier nicht zu Unrecht frohlocken. Denn während diverse Skandale in den vergangenen Jahren beispielsweise Löcher in das (ansonsten auch recht prall gefüllte) Börsel des Weltfußballverbandes Fifa gerissen haben, die dessen Chef Gianni Infantino derzeit auf recht kreative Weise zu stopfen versucht, scheinen die Probleme am IOC abzuprallen. Am Dienstag konnte Bach die Verlängerung des Vertrages mit dem südkoreanischen Samsung-Konzern verkünden, eines der wichtigsten Partner des IOC. Nicht nur, dass Samsung seit 1998 zu den Top-Sponsoren zählt, die jährlich je rund 50 Millionen Dollar einzahlen, um bei den Spielen gewisse Exklusivrechte zu genießen, will man neue Technologien auch nützen, um Olympia, dem noch immer oftmals ein verstaubtes Image anheftet, zukunftsfit zu machen. In Bachs Worten klingt das so: "Gemeinsam können wir olympische Athleten und Fans auf der ganzen Welt zusammenbringen und inspirieren, und wir freuen uns darauf, mit Samsung die digitale Zukunft der Olympischen Spiele aufzubauen."


Einen Vorgeschmack gab es schon bei den Winterspielen in Pyeongchang Anfang dieses Jahres, die als "Samsung-Spiele" in die Geschichte eingingen und bei denen es, angefangen von riesigen Flatscreens über elektronisches Sportzubehör bis hin zu Virtual-Reality-Brillen, über die das Wettkampfgeschehen maßgeschneidert zu verfolgen war, kein Vorbeikommen gab. Für Samsung, das in nahezu allen Sportarten in Südkorea als Großsponsor auftritt und auch international höchst präsent ist, war es die ideale Gelegenheit, von eigenen internen Problemen abzulenken.

Insgesamt umfasst das Top-Sponsoren-Programm 14 Partner, als neuester kam im September dieses Jahres die Allianz-Versicherung dazu. Von ihnen lukrierte das IOC während des jüngsten Vierjahreszyklus von 2013 bis 2016 rund eine Milliarde Dollar. 70 Prozent der Gesamteinnahmen, die in diesem Zeitrahmen 5,7 Milliarden Dollar betrugen, kamen indessen aus den TV-Verträgen - Tendenz steigend. Discovery lässt sich mit dem Sender Eurosport die Übertragungsrechte für den europäischen Raum 1,5 Milliarden Dollar kosten; die US-Rechte wurden bis 2032 für satte 7,56 Milliarden Dollar vergeben.

In dieser Hinsicht kommt Bachs Euphorie nicht von ungefähr. Dass sich noch kein Ausrichter für die Winterspiele 2026 gefunden hat - jene 2022 finden in Peking statt, die nächsten drei Sommerspiele in Tokio, Paris und Los Angeles -, nachdem nach Innsbruck und zahlreichen anderen möglichen Bewerbern aus dem europäischen Kernmarkt auch Calgary abgewunken hat, mag ein Wermutstropfen sein. "Aber mit Stockholm und Mailand/Cortina d’Ampezzo haben wir noch zwei starke Kandidaten", betont der IOC-Präsident immer wieder. Eine Krise ist für ihn also nicht in Sicht. Zumindest nicht beim Blick auf die Finanzen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-04 17:19:44


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Liverpool und PSG im Champions-League-Achtelfinale
  2. Barça will nicht in Miami kicken
  3. Ein letzter Platz ist frei
  4. Schöpf-Tor für Schalke zum Champions-League-Abschluss
  5. Zwei Große müssen gehen
Meistkommentiert
  1. Shiffrin schreibt Ski-Geschichte
  2. Mattersburg dreht Parie gegen Austria

Werbung




Werbung