• vom 27.07.2011, 16:36 Uhr

Sportpolitik


Tschetschenien

Ein Despot hält Xamax in Atem




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  • Bulat Tschagajew stürzt Schweizer Fußball ins Chaos.
  • Harte Kritik am tschetschenischen Klubeigentümer.

Neuchâtel.

Xamax-Chef Tschagajew stellt die Schweizer Liga auf den Kopf.

Xamax-Chef Tschagajew stellt die Schweizer Liga auf den Kopf.© REUTERS Xamax-Chef Tschagajew stellt die Schweizer Liga auf den Kopf.© REUTERS

(dd) "Es gibt keinen Grund, Angst vor mir zu haben." Das sagt Bulat Tschagajew, Besitzer des Schweizer Fußballklubs Xamax Neuchâtel, wenn man ihn auf seine tschetschenische Herkunft anspricht. Das sagt ein Mann, der seinen Spielern nach schlechten Leistungen mit dem Tod droht. Es ist aber nicht das einzig Verstörende am milliardenschweren Mogul, der den tschetschenischen Klub Terek Grosny bereits für Propagandazwecke missbraucht. Tschagajew hat es binnen weniger Monate geschafft, mittels dubioser Maßnahmen Xamax in einen Chaosklub zu verwandeln, der dem Ruf der Schweizer Liga schadet.


Ein geduldiger Mensch scheint Tschagajew nicht gerade zu sein. Seit der reiche Tschetschene Anfang Mai den an Finanzproblemen leidenden Verein Xamax übernommen hat, verließen drei Trainer und zehn Spieler den Klub. Ein kürzlich verpflichteter brasilianischer Goalie wurde bereits nach der ersten Runde gefeuert, ein Argentinier musste ebenfalls gehen, obwohl beide eben erst einen Vertrag bis 2014 unterschrieben hatten. Nach einer neuerlichen Niederlage gegen den regierenden Meister FC Basel hatte Tschagajew auch von seinem Trainerstab genug und entließ diesen. Dazu entmachtete der Xamax-Besitzer seinen Marionetten-Präsidenten Andrei Rudakow und ersetzte ihn durch Landsmann Islam Satuyew. Mit der am Mittwoch erfolgten Verpflichtung des spanischen Trainers Joaquin Caparras erreichte das skurrile Personalkarussell seinen Höhepunkt.

Doch Tschagajew ist nicht nur ein großer Fan von "Hire and Fire", sondern versteht es auch, die Identität und Tradition von Xamax Neuchâtel mit Füßen zu treten. Beim Heimspiel gegen Luzern ließ er kyrillische Schrift und tschetschenische Volkstänze auf die Leinwand projizieren, dazu stiegen Ballone in russischen Farben auf. Der Mogul vergraulte sämtliche lokale Sponsoren, ließ historische Bilder aus den Vereinsräumen entfernen und veränderte sogar das Klublogo. Tradition und Kultur von Xamax sind ihm fremd, Tschagajew verfährt mit seinem Spielzeug, wie es ihm beliebt. Mit 30 Millionen (25,8 Millionen Euro) investierten Franken kann er sich das auch erlauben. Die Xamax-Fans scheinen seine Maßnahmen nicht sonderlich zu stören, kamen sie doch zahlreich zum Spiel gegen Luzern.

Viel kritischer verfahren da schon andere mit dem Tschetschenen. Die seriöse "Basler Zeitung" bezeichnete ihn gar als "Xamax-Despot". Andere Schweizer Medien rückten Tschagajew, der sein Geld mit Rohstoff- und Immobilienfirmen verdient, in die Nähe der russischen Mafia. Zudem ist der Mogul mit dem tschetschenischen Despoten Ramsan Kadyrow verbandelt, dem Morde, Entführungen und Erpressungen nachgesagt werden. All das wirft ein schlechtes Licht auf Tschagajew und hat die Schweizer Politik auf den Plan gerufen, die seinen Rücktritt fordert. Der Zürcher Nationalrat Toni Bortoluzzi von der Schweizer Volkspartei nannte ihn im Boulevardblatt "Blick" eine "Schande für den Fußball und die Schweiz". Starker Tobak für einen Mann, der seinen Klub Xamax in den Abgrund zu reißen droht.




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Dokument erstellt am 2011-07-27 16:41:12


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