• vom 24.02.2012, 17:25 Uhr

Sportpolitik

Update: 24.02.2012, 17:51 Uhr

ÖFB

Ausschluss nach dem "Anschluss"




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Von Alexander Juraske

  • Fast ein Viertel aller Schiedsrichter erhielt im März 1939 Berufsverbot, viele wurden verfolgt und ermordet
  • Über die Auswirkungen der Verfolgung jüdischer Schiedsrichter auf den Fußball.

Wien.

Fußball gespielt wurde in Österreich fast bis Kriegsende, wie etwa zwischen Wacker und dem FAC 1944. Der Ausschluss der jüdischen Schiedsrichter hatte aber Auswirkungen auf den Ligabetrieb.

Fußball gespielt wurde in Österreich fast bis Kriegsende, wie etwa zwischen Wacker und dem FAC 1944. Der Ausschluss der jüdischen Schiedsrichter hatte aber Auswirkungen auf den Ligabetrieb.© Votava Fußball gespielt wurde in Österreich fast bis Kriegsende, wie etwa zwischen Wacker und dem FAC 1944. Der Ausschluss der jüdischen Schiedsrichter hatte aber Auswirkungen auf den Ligabetrieb.© Votava

"Von den 380 Schiedsrichtern des Fußballverbandes für Wien und Niederösterreich mussten 90 aus Wien und acht aus Niederösterreich ausgeschieden werden." Diese trockene Vollzugsmeldung brachte das "Kleine Blatt" am 16. März 1938, vier Tage nach dem "Anschluss", unter der Schlagzeile "Reinemachen im Wiener Fußballverband". Durch die Eliminierung von 98 jüdischen Aktiven wurde das Wiener Schiedsrichterkollegium mit einem Schlag eines Viertels seiner Mitglieder beraubt.

1905 gegründet, verstand sich das Kollegium als Interessenverband und Organisationseinheit der Schiedsrichter innerhalb des Österreichischen Fußball-Bundes. Die Schiedsrichtervereinigung rekrutierte ihre Mitglieder vor allem aus ehemaligen Spielern. So amtierte auch der legendäre österreichische Verbandskapitän Hugo Meisl als internationaler Schiedsrichter und leistete mit seiner 1913 veröffentlichten Übersetzung eines englischen Regelbuchs wichtige Aufbauarbeit.


Das "Linienrichterübel"
Von der Ausgrenzung waren in den beiden obersten Spielklassen je sechs Aktive betroffen. Darunter befanden sich die beiden internationalen Schiedsrichter Hans Walter Frankenstein und Adolf Rosenberger aus der Nationalliga. Um den Substanzverlust an arrivierten Kräften auszugleichen, mussten nun Angehörige der Vereine als Linienrichter fungieren. Sie konnten an die Leistungen ihrer Vorgänger aber nicht anschließen, die Wiener Zeitungen von damals beschwerten sich sogar über das "Linienrichterübel".

Information

Der Text ist auch in der aktuellen Ausgabe des "ballesterer" erschienen. Er ist Teil der Serie "Fußball unterm Hakenkreuz", die seit 2003 im "ballesterer" erscheint.

Mit ganz anderen Problemen konfrontiert sahen sich jene, auf deren Dienste im Zuge der Neugestaltung des Fußballsports in der "Ostmark" verzichtet wurde. Für den Schiedsrichter und Ledergalanteriemeister Hans Walter Frankenstein, der eine eigene Werkstatt in Wien-Neubau betrieb, bedeutete der "Anschluss" das abrupte Ende seiner überaus erfolgreichen internationalen Karriere.

Zusammen mit seiner Frau Alma und den beiden Töchtern Dorit und Lizzy blieb Frankenstein noch bis 1940 unter schwierigen Umständen in Wien, dann wurden er und seine Familie aus der Heimat vertrieben, vermutlich nach Bolivien, das nach 1938 eines der wenigen Länder weltweit war, das noch jüdische Flüchtlinge aufnahm.

Schiedsrichter im KZ
Seinem Schiedsrichterkollegen Adolf Rosenberger blieb die Flucht aus Österreich versagt. Am 25. Februar 1943 wurden er, Ehefrau Salka und Tochter Herma ins KZ Theresienstadt deportiert, wo das fünfjährige Mädchen im Juli 1943 starb. Selbst unter den extremen Bedingungen des KZ konnte Rosenberger noch in Theresienstadt als Schiedsrichter amtieren; als Mitglied der Schiedsrichterkommission innerhalb der Fachgruppe Fußball leitete er Ligaspiele zwischen Insassenmannschaften, ehe er am 31. März 1945 in Ebensee, einem Nebenlager des KZ Mauthausen, ermordet wurde.

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Dokument erstellt am 2012-02-24 17:05:08
Letzte Änderung am 2012-02-24 17:51:37


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