• vom 26.11.2013, 16:57 Uhr

Sportpolitik


Fußball

Vergangenheit spielt mit




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Von WZ-Korrespondent Thomas Roser

  • Josip Simunic’ Ustascha-Gruß sorgt für Kritik, aber auch für Beifall
  • Debatte über faschistische Tendenzen in Kroatiens Fußball neu entfacht.

Josip Simunic (l.) ist sich keiner Schuld bewusst: "Ich wollte das schon immer machen."

Josip Simunic (l.) ist sich keiner Schuld bewusst: "Ich wollte das schon immer machen."© ap/Bandic Josip Simunic (l.) ist sich keiner Schuld bewusst: "Ich wollte das schon immer machen."© ap/Bandic

Zagreb/Belgrad. (ce) Notfalls wird Geschichte auch von Kroatiens Rumpelpatrioten eben ausgeblendet. Ausgerechnet die Fans von Hajduk Split, dessen Fußballer sich im Zweiten Weltkrieg geschlossen der Widerstandsbewegung der Partisanen angeschlossen hatten, stimmten am Wochenende für einen bedrängten Gesinnungsgenossen des Erzrivalen Dynamo Zagreb den Schlachtruf der faschistischen Ustascha an. "Für die Heimat - bereit!", schallte es aus tausenden Kehlen beim Spiel gegen Osijek im Poljud-Stadion: "Auf geht’s, Ustaschas!"

Der Sangesgruß war Kroatiens Nationalspieler Josip Simunic gewidmet. Mehr als 100 Länderspiele hat der hochgewachsene Fußballer auf dem Buckel. Doch nach der erfolgreichen Weltmeisterschaftsqualifikation gegen Island vor einer Woche in Zagreb verspürte der 35-jährige Routinier ein ganz persönliches Jubel-Bedürfnis. Seine Mitspieler waren schon in der Kabine entschwunden, als der populäre "Joe" noch einmal auf das Feld des Maksimir-Stadions eilte und sich das Mikrofon des Sprechers schnappte. "Za dom spremni - für die Heimat bereit!", schrie der einstige Spieler von Hertha BSC Berlin ins Mikrophon und skandierte im Wechselgesang mit dem johlenden Publikum fünf Mal den berüchtigten Ustascha-Gruß während des Zweiten Weltkriegs.


"Wärme, Liebe, Kampf"
Der bizarre Solo-Jubel des im australischen Canberra geborenen Simunic löste beim EU-Neuling anhaltenden Wirbel aus. Seit der Nationalkicker dem in heimischen Stadien seit den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre regelmäßig zelebrierten Ustascha-Gruß zu weltweiten Schlagzeilen verhalf, wogt in dem Adria-Staat eine heftige Debatte über den Umgang mit dem dunkelsten Kapitel der eigenen Geschichte. Simunic zeigt sich derweil keinerlei Schuld bewusst. Und von den Fans wird der Ustascha-Gruß erst recht skandiert: Knapp 160.000 Fans zählt bereits die Facebook-Seite, die zur Unterstützung des beliebten Joe aufruft. Er habe dies schon sein ganzes Leben machen wollen und "nichts Schlimmes getan", offenbart sich Simunic als Überzeugungstäter: "Ich verbinde mit Heimat eben Wärme, Liebe und einen positiven Kampf." Seit Staatsgründer Franjo Tudjman im Kriegsjahrzehnt der 90er Jahre den Geist der Verharmlosung und Verherrlichung der Ustascha "aus der Flasche gelassen habe", sei ein Teil Kroatiens von deren Ideologie vergiftet, konstatiert betrübt die liberale Zeitung "Novi List": "Darum stoßen wir immer wieder auf das Problem, das uns der Welt als Liebhaber von Adolf Hitler präsentiert." In Deutschland käme es keinem Spieler in den Sinn, seine Fans mit "Sieg Heil" zu begrüßen: "Das wäre sein letztes Spiel - für immer."

Tatsächlich wurde im März der griechische Profi Giorgos Katidis von seinem Verband für alle nationalen Auswahlmannschaften auf Lebenszeit gesperrt, nachdem er ein Tor für seinen damaligen Klub AEK Athen mit dem Hitlergruß gefeiert hatte. Eine derartige Sanktion hat Simunic nicht zu befürchten. Die kroatische Justiz belegte ihn mit einer Strafe von rund 3000 Euro, der Weltfußballverband leitete ein Disziplinarverfahren ein, doch der kroatische Verband HNS sieht keinen weitergehenden Handlungsbedarf. Seine Geste sei "unangebracht", doch Irren menschlich, so HNS-Vorstandsmitglied Damir Vrbanovic: "Er war nicht der Erste, der das skandiert hatte." Für das auffällige Schweigen von HNS-Chef Davor Suker hat das Online-Portal Index nun einen guten Grund aus dem Foto-Archiv gegraben: Als Kicker von Real Madrid hatte Suker 1996 stolz vor dem spanischen Grab von Ustascha-Gründer Ante Pavlevic posiert - einem beliebten Wallfahrtsort kroatischer Nationalisten.




Schlagwörter

Fußball, Josip Simunic, Ustascha

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Dokument erstellt am 2013-11-26 17:02:06


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