• vom 12.04.2018, 21:32 Uhr

Sportpolitik


Doping

Finanzielle Grüße aus Moskau




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  • Biathlon-Weltverbandschef Anders Besseberg wird beschuldigt, Dopingproben vertuscht zu haben.

Im Zwielicht: Biathlon-Chef Anders Besseberg. - © apa/expa/JFK

Im Zwielicht: Biathlon-Chef Anders Besseberg. © apa/expa/JFK

Salzburg/Moskau/Wien. (art) Die Causa steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Fußball-WM, dem nächsten Sportgroßereignis in Russland. Und doch bringt sie dem russischen Sportsystem, das wegen mutmaßlichen Staatsdopings unter Beobachtung steht, ziemlich genau zwei Monate vor Anpfiff die nächsten Negativschlagzeilen - und sie haben nun auch Salzburg erreicht, wo am Dienstagabend im Hauptquartier des Welt-Biathlon-Verbandes IBU auf Betreiben der Wiener Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen und Korruption eine Razzia stattgefunden hat. Die Vorwürfe gegen IBU-Funktionäre sowie russische Sportler und Betreuer: Die Anwendung von verbotenen Substanzen und Methoden im Zusammenhang mit Doping, schwerer Betrug und Geschenkannahme. Das verlautete die Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Rund 240.000 Euro Bestechungsgeld soll geflossen sein, um bis ins Jahr 2012 reichende Dopingfälle zu verschleiern. Auf Namen wollte die Behörde nicht eingehen. Konkreter wurden allerdings norwegische Medien: Demnach wird Verbandspräsident Anders Besseberg vorgeworfen, 65 Dopingfälle russischer Athleten vertuscht zu haben. Die französische Zeitung "Le Monde" bezieht sich indessen auf einen unveröffentlichten Report der Welt-Anti-Doping-Agentur, worin es heiße, die IBU hätte "alles unternommen, um Ermittlungen gegen Russland zu verhindern". Besseberg selbst beteuerte, er habe nichts zu verbergen - legte sein Amt aber vorläufig nieder. Interimistisch wird es nun der Österreicher Klaus Leistner, der für Finanzen zuständige IBU-Vizepräsident, übernehmen. Generalsekretärin Nicole Resch, gegen die ebenfalls ermittelt werden soll, wurde bis zur Klärung der Vorfälle suspendiert.

So schockierend die Enthüllungen auch sein mögen, so wenig überraschen sie Beobachter. Die IBU war schon oftmals für ihre lasche Vorgehensweise kritisiert worden. Im März ließ sie etwa das Weltcup-Finale im sibirischen Tjumen austragen - gegen den Widerstand der Athleten und warnende Stimmen aus den eigenen Reihen. "Ich weiß ganz sicher, dass weitere russische Dopingfälle auftauchen werden", sagte damals der für medizinische Belange zuständige Vizepräsident James E. Carrabre. Der 72-jährige Besseberg, der dem Verband seit 1992 vorsteht, wäre indessen nicht der erste prominente Sportfunktionär, der über Verbindungen zum russischen Dopingskandal stolpern würde: 2015 wurde gegen den langjährigen Leichtathletik-Chef Lamine Diack Anklage erhoben. Auch er soll Doping bei russischen Athleten verschleiert und dafür finanzielle Liebesgrüße aus Moskau erhalten haben.





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Dokument erstellt am 2018-04-12 16:33:11


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