• vom 19.06.2018, 08:00 Uhr

Sportpolitik


Fußball-WM

"Ramsan, hart wie Parmesan"




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Von WZ-Korrespondentin Simone Bunner

  • Wie der tschetschenische Diktator Ramsan Kadyrow die Fußball-WM für seine politischen Zwecke nutzt.

Bilder von Ramsan Kadyrow (l.) und Mo Salah sorgten für Wirbel. - © ap

Bilder von Ramsan Kadyrow (l.) und Mo Salah sorgten für Wirbel. © ap

St. Petersburg/Grosny. Vor Ramsan Kadyrow gibt es kein Entrinnen. Auch nicht für einen Fußball-Star wie Mohamed Salah. Als vorige Woche die ägyptischen Nationalspieler beim Training im Fußballstadion in Grosny die ersten Bälle kicken, will sich Salah, der Torjäger des FC Liverpool, eigentlich noch ein paar Stunden in seinem Hotelzimmer ausruhen. Er hat sich zuletzt beim Champions-Leage-Finale die Schulter verletzt. Doch Salah wird aus seinem Hotelzimmer geklingelt, in das Stadion kutschiert und vor die Fernsehkameras geschleift - vom tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow persönlich.

So ist das in Kadyrows Reich. Einen Diktator wie den tschetschenischen Präsidenten lässt man nicht warten, egal, aus welchem Grund. Salah, der später beim Auftaktspiel gegen Uruguay auf der Bank wird bleiben müssen, schüttelt nun mit gequältem Lächeln Hände, gibt Interviews, winkt den Fans zu. Doch Kadyrow, Arm in Arm mit Salah, bekommt die Bilder, die er wollte. "Unser Volk hat furchtbare Tage durchgemacht", spricht Kadyrow, im Jogginganzug des lokalen FC Achmat Grosny, in die Fernsehkameras. "Aber mit dem Training haben wir gezeigt, dass unsere Republik alle Bedingungen erfüllt, um Sportveranstaltungen auf internationalem Niveau auszutragen."


Tschetschenien. Von zwei blutigen Bürgerkriegen wurde die Republik im Nordkaukasus erschüttert. Seit dem Tod des Vaters Achmat Kadyrow, der zuerst für den Dschihad gegen Moskau aufrief und sich schließlich doch mit Wladimir Putin verbündete, führt Ramsan Kadyrow die Republik wie eine Diktatur. Aktivisten, Menschenrechtler und Journalisten werden verfolgt, gefoltert, ermordet. Erst zuletzt haben die Schilderungen über die brutale Verfolgung Homosexueller weltweit Schlagzeilen gemacht. Im Februar ist der bekannte Menschenrechtler und Leiter des Memorial-Büros in Tschetschenien, Ojub Titijew, verhaftet worden. Die Menschenrechtslage ist selbst für russische Verhältnisse skandalös, Experten sprechen von einem rechtsfreien Raum. Doch die Fußball-WM findet auch hier statt. Wenn nicht als Austragungsstätte, so doch zumindest als Trainingslager für die ägyptische Mannschaft. Und egal, wer am 15. Juli im Moskauer Luschniki-Stadion zum Fußball-Weltmeister 2018 gekürt wird - dass die ägyptische Mannschaft in Grosny gastiert, ist für Kadyrow schon jetzt ein Triumph. Und Salah ist seine Trophäe.

Zwischen Inszenierung
und Imagepflege

Dass ausgerechnet das ägyptische Team in Grosny gastiert, ist Kadyrows Ambitionen in der muslimischen Welt geschuldet. Kadyrow, selbst ein gläubiger Sunnit, versucht, engere Bande zu Ländern von Kairo bis Abu Dhabi zu knüpfen. Längst ist er zum "inoffiziellen Botschafter des Kreml im Nahen und Mittleren Osten" geworden, sagt Grigorij Schwedow, Chefredakteur der kritischen Online-Agentur Caucasian Knot, zur "Wiener Zeitung". "Außerdem wollen sowohl Kadyrow als auch Putin mit der WM in Tschetschenien zeigen: Die Region ist wieder ruhig und befriedet."

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Dokument erstellt am 2018-06-18 16:34:29
Letzte Änderung am 2018-06-19 07:22:25


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