• vom 13.08.2018, 20:00 Uhr

Sportpolitik

Update: 13.08.2018, 20:03 Uhr

Sportpolitik

Die Schere im Sport




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  • Mehr als zwei Millionen Österreicher sind im Vereinssport aktiv - aber weit weniger Frauen als Männer. Zudem ist die Dropout-Rate groß.

Kinder beim Sport zu halten, ist eine der Aufgaben von Vereinen.

Kinder beim Sport zu halten, ist eine der Aufgaben von Vereinen.© apa/Herbert Pfarrhofer Kinder beim Sport zu halten, ist eine der Aufgaben von Vereinen.© apa/Herbert Pfarrhofer

Wien. (art) Wie halten Sie’s mit dem (Vereins-)Sport? Diese beziehungsweise ähnliche Fragen wurden einer repräsentativen Stichprobe im Vorjahr im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria gestellt. Die Ergebnisse präsentierte die österreichische Bundessportorganisation BSO am Montag in Wien. Sie zeigen einerseits, dass 2,103 Millionen Österreicher zumindest in einem Sportverein Mitglied sind - egal ob aktiv oder als Betreuer, Schiedsrichter oder Funktionär -, womit nur die katholische Kirche mit 5,1 Millionen und die Arbeiterkammer mit 3,7 Millionen mehr Mitglieder hat, dass aber in einigen Punkten Aufholbedarf besteht, sollen die Angebote der rund 15.000 Sportvereine allen gleichermaßen zugänglich sein. Denn in Bezug auf deren Nutzung gibt es massive Unterschiede zwischen den Geschlechtern, den Altersgruppen sowie zwischen Österreichern ohne und mit Migrationshintergrund.

Insgesamt betreiben laut der Studie 1,6 Millionen Österreicher im Rahmen ihrer Mitgliedschaft Freizeitsport, rund 500.000 sind ehrenamtlich tätig. BSO-Präsident Rudolf Hundstorfer strich dieses Engagement daher besonders hervor: "Sportvereine nehmen den ersten Platz bei der Freiwilligentätigkeit in diesem Land ein. Diese Menschen leisten fast 2,2 Millionen Stunden pro Woche. Ohne diese Personen würde es den ganzen Sportbetrieb in diesem Land nicht geben", meinte Hundstorfer. Ein Ländervergleich zeigt, dass Tirol bei den Sportverein-Mitgliedern mit 35 Prozent die Nummer eins, die Landeshauptstadt Wien mit 14 Prozent Schlusslicht ist. Es wäre aber ein Trugschluss, daraus abzuleiten, dass etwa Tiroler viel sportlicher seien als Wiener, erklärte BSO-Geschäftsführer Rainer Rößl-huber, da "im ländlichen Bereich das Dazugehören zu einem Verein" eine viel wichtigere Rolle spiele als im urbanen Bereich.


© M. Hirsch © M. Hirsch

Doch schon das Dabeisein und die entstehenden sozialen Kontakte hätten - auch im Vergleich zum selbstorganisierten Sport - positive Folgen für die psychosoziale Gesundheit, wie Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien untersucht hat. Demnach trägt das Vereinsleben zur Eingliederung in die Gesellschaft (und damit zur Integration) und speziell bei Mädchen und Frauen zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins bei. Doch gerade in diesen Bereichen gibt es noch einiges zu tun. Nur 14 Prozent der (freilich hauptsächlich im urbanen Bereich lebenden) Menschen mit Migrationshintergrund - 19 Prozent bei den Männern, acht bei den Frauen - sind Mitglieder in einem Sportverein. Dafür ist der Anteil derer, die den Sport intensiver betreiben und sich als Trainer engagieren, deutlich höher als bei anderen.


Insgesamt nützen mit 31 Prozent mehr Männer als Frauen die Angebote, altersmäßig sind die Zahlen im Nachwuchsbereich am höchsten: Fast jedes zweite Kind zwischen zehn und 16 Jahren ist in einem Verein registriert. Zurücklehnen sollte man sich aber nicht, betonte Rößlhuber. Zum einen gelte es, dem Dropout entgegenzuwirken, zum anderen sind Zahlen etwa aus skandinavischen Ländern noch höher. Um auch hier eine stärkere Durchdringung zu erreichen, müssten allerdings infrastrukturelle Maßnahmen gesetzt werden, da "ferienbedingt 180 Tage im Jahr die Schulsport-Infrastruktur geschlossen ist", betont Rößlhuber.




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Dokument erstellt am 2018-08-13 16:41:38
Letzte Änderung am 2018-08-13 20:03:35


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