Rio de Janeiro. (apa/dpa) Brasilien droht ein Phänomen: Nach der WM könnte es dort bald weiße Elefanten geben. Wie in Südafrika vor vier Jahren stehen nämlich einige Arenen vor einer ungewissen Zukunft. Vor allem die teils neu, teils aufwendig umgebauten Stadien in Manaus, Cuiabá und Natal könnten künftig weitgehend ungenutzt bleiben. Nach der Gruppenphase ist dort ohne nationalen Top-Klub erst einmal Schluss mit Spitzenfußball.

Spätestens dann, wenn die Euphorie über das Fußball-Festival verflogen ist, dürfte sich die Diskussion über diese Milliarden Reais verschlingenden Dickhäuter aus Beton wieder verschärfen. Die vor dem Turnier massiven Proteste gegen eine derartige Geldverschwendung angesichts wachsender sozialer Gegensätze und weitverbreiteter extremer Armut dürften wieder anschwellen.

Die politisch Verantwortlichen versuchen daher gegenzusteuern. Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff hatte schon bei der Eröffnung des Mané-Garrincha-Stadions 2013 in Brasília beruhigt: "Das ist ein Ort für verschiedenste Anlässe - kulturelle und Bildungsveranstaltungen. Es gibt die Möglichkeit, diese Arena kommerziell zu nutzen." Das Stadion ist mit 1,4 Milliarden Reais (462,57 Millionen Euro) das teuerste der zwölf WM-Stadien. Aber in der Hauptstadt gibt es zumindest noch drei Matches zu sehen.

Sportminister Aldo Rebelo wiegelte Bedenken ab, die Stadien in Manaus oder Cuiabá könnten nach der WM leer stehen. Sie seien als Multifunktionsstätten konzipiert. Dazu hatte Richter Sabino Marques angesichts überfüllter Haftanstalten im Vorfeld einen zynischen Vorschlag gemacht: "Wir sollten das Stadion künftig als Zwischenlösung nutzen, um von hier aus Straftäter in Gefängnisse zu verteilen." Fifa-Funktionäre, Kommunen und Bauträger wiesen auch auf die angeblich vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten hin und betonten die Bedeutung der Nachhaltigkeit der Konstruktionen.

Größtes Unverständnis hat weltweit die Wahl der Dschungel-Metropole Manaus als Austragungsort ausgelöst. Die Einwohner waren zwar froh, beim Spektakel live dabei zu sein und ein neues Stadion zu haben. Andererseits wäre den meisten lieber gewesen, der dreistellige Euro-Millionenbetrag wäre in Schulen, Krankenhäuser oder andere soziale Einrichtungen geflossen. Zudem es in der Amazonasregion weder einen Profiverein noch eine prominente Regionalmeisterschaft gibt.

Das gilt auch für Brasília, Natal und Cuiabá. Bekanntester Verein in Cuiabá ist der Mixto Esporte Clube. Der Viertligist, immerhin 24 Mal Meister des Bundesstaates Mato Grosso, soll das 41.112 Fans fassende Stadion Pantanal nun nützen. Die 178 Millionen Euro teure Arena wurde unter ökologischen Aspekten neu gebaut und soll nun auch für Messen und Konzerte dienen. Aber die Infrastruktur ist mangelhaft: Von der 22 Kilometer langen Straßenbahn mit 33 Haltestellen, die unter anderem vom Flughafen ins Stadtzentrum führen soll, sind erst ein paar 100 Meter fertig. Das trifft auch auf die Ringstraße Avenida Miguel Sutil zu.

Viele Provisorien gibt es auch rund um die Arena das Dunas in Natal: Brücken im Rohbau oder Schilder an einer Zufahrtsstraße, die Fußgänger vor deren Benutzung warnen. Und einen national konkurrenzfähigen Verein gibt es auch nicht.