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Update: 08.02.2019, 18:42 Uhr

Putschversuch

Wusste Erdogan doch vom Putschversuch?




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Von WZ-Korrespondent Frank Nordhausen

  • Ein Dokument erhärtet den Verdacht, dass der türkische Präsident vorab informiert war.

Erdogan-Anhänger feiern im Juli 2016 auf einem Panzer ausgelassen die Niederlage der Putschisten.

Erdogan-Anhänger feiern im Juli 2016 auf einem Panzer ausgelassen die Niederlage der Putschisten.© afp/picturedesk/Bulent Kilic Erdogan-Anhänger feiern im Juli 2016 auf einem Panzer ausgelassen die Niederlage der Putschisten.© afp/picturedesk/Bulent Kilic

Nikosia. Der Putschversuch vom 15. Juli 2016 besiegelte das Schicksal der Demokratie in der Türkei. Mit harter Hand ging Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan anschließend gegen Kritiker vor und ließ sich in einem Referendum autokratische Vollmachten übertragen. Doch bis heute sind die Stimmen nicht verstummt, die in dem Umsturzversuch eine gelenkte Operation sehen, die Erdogan zu dieser Machtfülle verhelfen sollte; die größte türkische Oppositionspartei CHP spricht von einem "kontrollierten Putsch". Jetzt hat ein exiltürkischer Journalist ein offizielles Protokoll des leitenden Staatsanwaltes in Ankara aus der Putschnacht veröffentlicht, das den Verdacht nährt, die Regierung habe von dem Staatsstreich gewusst und ihn für ihre Selbstermächtigung genutzt.

Während die türkischen Medien die Enthüllung fast komplett ignorierten, wurde sie in den sozialen Medien sofort zum Zankapfel der bis aufs Blut verfeindeten politischen Gruppen; denn der freie Journalist Ahmet Dönmez, der das brisante Papier am Montag auf seiner Webseite publizierte, schrieb früher für eine Zeitung der Gülen-Bewegung, die Erdogan für den Putschversuch verantwortlich macht. Obwohl es eindeutige Belege gibt, bestreitet die Gülen-Sekte jede Beteiligung an dem misslungenen Staatsstreich.


Das Dokument ist ein offizielles Protokoll der Putschnacht, das der damalige Staatsanwalt Serdar Coskun verfasste und unterzeichnete. Als Teil der Gerichtsakten steht die Echtheit des Papiers außer Frage; sie wurde inzwischen auch durch den bekannten Istanbuler Journalisten Nedim Sener bestätigt.

Coskun, der letztes Jahr in den obersten türkischen Berufungsgerichtshof Yargitay befördert wurde, hat sein Protokoll auf den 16. Juli ein Uhr nachts datiert, rund drei Stunden nach Beginn des Putschversuchs. Um diese Zeit wurde unter anderem auf Basis dieses Papiers damit begonnen, rund 2700 Richter und Staatsanwälte vom Dienst zu suspendieren oder festzunehmen. Diese Auswirkung sowie Datum und Uhrzeit begründen die besondere Brisanz des Protokolls. Denn Coskun listet darin neben authentischen Ereignissen andere auf, die um ein Uhr nachts noch nicht stattgefunden hatten, und weitere, die überhaupt nicht eintraten.

Beispielsweise beschreibt der Staatsanwalt die Bombardierung des Parlaments in Ankara, die um 2.35 Uhr und 3.24 Uhr morgens stattfand, also frühestens anderthalb Stunden nach Abfassung des Protokolls; und es gab dort auch keine Toten, wie Coskun fälschlich darlegt. Ohne Zeitangabe schreibt er: "Soldaten umzingelten das Hauptquartier des Nationalen Geheimdienstes in Ankara" und: "Die Geheimdienstabteilung der Polizei wurde bombardiert."

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-08 18:32:06
Letzte Änderung am 2019-02-08 18:42:10



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