• vom 10.06.2013, 10:05 Uhr

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Update: 10.06.2013, 14:03 Uhr

Konjunktur

Die Wirtschaft tritt auf der Stelle




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  • Heimisches BIP stagniert
  • Rezession im Euroraum macht Exportsektor zu schaffen.

Österreichs Exportwirtschaft spürt die Flaute in wichtigen Absatzmärkten.

Österreichs Exportwirtschaft spürt die Flaute in wichtigen Absatzmärkten.© dpa / Boris Rössler Österreichs Exportwirtschaft spürt die Flaute in wichtigen Absatzmärkten.© dpa / Boris Rössler

Wien.  Die Konjunkturflaute in Österreich dürfte in den nächsten Monaten anhalten. Diese wenig erfreuliche Entwicklung lässt der aktuelle Wifo-Konjunkturtest erwarten, wie das Wirtschaftsforschungsinstitut am Montag in einer Aussendung erklärte.

Das heimische Bruttoinlandsprodukt hat heuer im ersten Quartal zum vierten Mal hintereinander stagniert. Wie schon bei der Erstschätzung Mitte Mai von den Wirtschaftsexperten angenommen, bewegte sich der BIP-Zuwachs im Quartalsabstand auf der Nulllinie. Das letzte nennenswerte Quartalsplus gab es Anfang 2012 mit 0,5 Prozent.


Weder vom Exportsektor noch von der Inlandsnachfrage seien zum Jahresauftakt nennenswerte Impulse gekommen, begründete das Wifo am Montag im BIP-Bericht für das erste Vierteljahr 2013 die bereits vierte Stagnation der heimischen Wirtschaft in Folge. Konjunkturdämpfend habe in Österreich im Zeitraum Jänner bis März vor allem die Schwäche der Transportwirtschaft und der Warenproduktion gewirkt.

Von der anhaltenden Rezession in vielen europäischen Ländern - darunter wichtigen Absatzmärkten Österreichs - würden ebenfalls negative Impulse ausgehen. Im Euro-Raum hält laut Wifo die Rezession weiter an - ausgehend von Ländern an der Peripherie wie Spanien, Italien, Portugal, Griechenland und Zypern.

Weltweit bleibt die Konjunktur den Experten zufolge "sehr unterschiedlich" und "fragmentiert". In Japan etwa sehen sie die Wirtschaft derzeit am deutlichsten anziehen - jedoch nur dank massiver geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen. In den USA halte die Erholung an, obgleich dem Rückgang der Arbeitslosigkeit eine Abnahme der Erwerbsquote gegenüberstehe. Nicht zuletzt die gezielten Maßnahmen der Zentralbank erlaubten dort eine Kreditausweitung und eine Erholung des Immobilienmarktes und begünstigten die Bautätigkeit.

EcoAustria reduziert Prognose
Österreichs Wirtschaft wird heuer im Gesamtjahr real höchstens ein halbes Prozent wachsen können, nimmt Ulrich Schuh an, Leiter des von der Industriellenvereinigung gegründeten Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria. Deshalb seien die letzten Prognosen von Wifo und IHS von März, die noch von 1,0 bzw. 0,8 Prozent BIP-Anstieg für 2013 ausgegangen sind, nicht mehr haltbar und müssten nach unten revidiert werden, sagte Schuh am Montag im Gespräch mit der APA. Die nächsten Prognosen der Institute sind für 27. Juni angekündigt.

Besser sehe es - rein mathematisch betrachtet - dann für das Jahr 2014 aus. Durch einen statistischen Überhang aufgrund des schwächeren heurigen Jahres gäbe es 2014 selbst bei einem Nullwachstum den Ausweis eines Plus von 0,7 Prozent.

Mitterlehner gegen Konjunkturpaket
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat sich trotz aktuell enttäuschender Konjunkturdaten gegen eine Konjunkturspritze für die heimische Volkswirtschaft ausgesprochen. Ein Konjunkturpaket sei derzeit "sehr problematisch", weil die Staatsverschuldung Österreichs im nächsten Jahr bereits bei rund 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen werde, sagte Mitterlehner am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Präsident Georg Kapsch. Mitterlehner und Kapsch plädierten für flexiblere Arbeitszeiten und eine Entlastung der heimischen Firmen, um den Wirtschaftsstandort abzusichern.

Der Präsident der Industriellenvereinigung warnte vor Forderungen der Gewerkschaft, etwa die Verteuerung der Überstunden, eine "Fachkräftemilliarde" oder Vermögenssteuern zur Entlastung des Faktor Arbeit. Letztlich würden derartige Maßnahmen Arbeitsplätze kosten und dem Wirtschaftsstandort schaden. Kapsch erinnerte, dass die Staatsverschuldung Österreichs inklusive der ausgelagerten Schulden bereits bei über 90 Prozent des BIP liege. "Wir sparen uns sicher nicht kaputt. Eher machen wir uns kaputt, wenn wir das Budgetdefizit erhöhen", betonte der IV-Chef.

Mitterlehner forderte flexiblere Arbeitszeitmodelle, aber keine Verlängerung der Arbeitszeit, um Unternehmen mehr wirtschaftlichen Handlungsspielraum zu geben. Die Höchstarbeitszeit sollte von derzeit 10 auf 12 Stunden erhöht werden und ein möglicher Durchrechnungszeitraum auf zwei Jahre ausgedehnt werden. In Österreich seien die "arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen aus den 1950er bis 1970er Jahren", kritisierte Kapsch.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2013-06-10 10:06:51
Letzte Änderung am 2013-06-10 14:03:08


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