• vom 25.11.2013, 16:45 Uhr

Top News


Klimawandel

Gefährliches Methan




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Aufgetauter Meeresboden setzt große Mengen Treibhausgas frei
  • Innerhalb von 14 Jahren stieg die Wassertemperatur um ein halbes Grad.

An der Küste Sibiriens taut der Permafrost des Schelfs auf - mit bedrohlichen Folgen. - © R. Tidman/corbis

An der Küste Sibiriens taut der Permafrost des Schelfs auf - mit bedrohlichen Folgen. © R. Tidman/corbis

Fairbanks/Wien. (ski) Steigende Temperaturen und Stürme machen es möglich: Aus dem auftauenden Meeresboden der arktischen Gewässer entweicht offenbar weit mehr Methan in die Atmosphäre, als man bisher angenommen hat. Allein von ostsibirischen Permafrostböden - etwa ein Viertel des gesamten arktischen Schelfs - werden pro Jahr schätzungsweise 17 Millionen Tonnen dieses Treibhausgases, das rund 20 Mal stärker wirkt als Kohlendioxid, freigesetzt, was die Erderwärmung beschleunigt.

Diese Erkenntnisse gewannen Forscher durch Messungen im ostsibirischen Schelfmeer. Das Team um Natalia Shakhova von der University of Alaska in Fairbanks hat nun darüber im Fachblatt "Nature Geoscience" berichtet. Shakhova hatte im Jahr 2010 errechnet, dass rund 500 Milliarden organischen Kohlenstoffs in den Permafrostböden am Meeresgrund gebunden sein könnten, dazu noch im Ozean 1000 Milliarden Tonnen Gas als Methanhydrat sowie 700 Milliarden Tonnen freien Methans, die unter dem Permafrost gefangen sind.


Nun analysierten die Forscher den Methanaustritt in der südlichen Laptewsee im ostsibirischen Schelfmeer. Die Region gilt als sehr methanreich, die Wassertiefe liegt unter 50 Metern. Mit akustischen Messungen wurden die aufsteigenden Gasblasen im Wasser erfasst, weiters die Methanwerte im Meer und über dessen Oberfläche gemessen. An bis zu 70 Tagen pro Jahr treten hier auch Stürme auf, deren Einfluss nicht zu vernachlässigen ist. Gerade nach Stürmen, so die Forscher, gelangen vermehrt Blasen an die Wasseroberfläche. Je schneller sie das tun, desto weniger Methan wird im Meer abgebaut.

Die Wissenschafter bohrten bis 57 Meter tief in die Sedimente unter dem Meeresboden. Die Temperaturen reichten von 0 Grad in der Tiefe bis -1,8 Grad in Oberflächennähe, aber selbst dort, in der kältesten Schicht, waren die Sedimente wegen des Salzgehalts komplett aufgetaut. Die Forscher nehmen an, dass die Erwärmung des Wassers, das Schwinden der Eisdecke und zunehmende Stürme den Methan-Ausstoß aus dem Schelfmeer noch beschleunigen werden. In Küstennähe stiegen die Temperaturen der unteren Wasserschicht in den vergangenen 14 Jahren um 0,5 Grad Celsius, im Sommer sogar um mehr als ein Grad.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2013-11-25 16:50:06



Werbung




Werbung