• vom 14.04.2014, 17:51 Uhr

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Update: 14.04.2014, 17:54 Uhr

Lohengrin

Blut und Loden




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Von Christoph Irrgeher

  • Wagners "Lohengrin" als Dorfdrama an der Staatsoper: Musikalisch achtbar, szenisch gewöhnungsbedürftig.

Mein lieber Schwan: Klaus Florian Vogt als lodengrüner Lohengrin auf der Staatsopernbühne.

Mein lieber Schwan: Klaus Florian Vogt als lodengrüner Lohengrin auf der Staatsopernbühne.© apa/Wiener Staatsoper/Michael Pöhn Mein lieber Schwan: Klaus Florian Vogt als lodengrüner Lohengrin auf der Staatsopernbühne.© apa/Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

"Er ist Holzfäller und ihm geht’s gut / am Tag packt ihn die Arbeitswut." Nein, diese Zeilen stammen natürlich nicht von Richard Wagners. Sie sind erstmals im Jahr 1969 erklungen, und zwar im britischen Fernsehen. Der Komikertrupp Monty Python sang damals, in zünftige Kostüme gepackt, seinen markig-skurrilen "Lumberjack-Song".

Seltsam, aber: Dieses Lied kann einem nun auch bei Wagners "Lohengrin" einfallen. Jedenfalls bei der Neuinszenierung der Wiener Staatsoper. Andreas Homoki, Regisseur und als Chef der Zürcher Oper zugleich Koproduktionspartner, hat das Epos vom hehren Gralsritter nämlich in eine zünftige Dorfschenke verlegt und dort unter einer veritablen Trachtenpracht begraben: Ausgestattet mit einem Großaufgebot von Dirndln, Jankern, Lederhosen und Gamsbart-bestandenen Hüten knallt das Volk hier die Bierkrüge auf den Tisch, jubelt inbrünstig und singt entsprechend. Die Inbrunstspitze ist dann erreicht, wenn die Mannen mit Notenblättern in der Hand Lohengrins "hehre Wunder" besingen: Der Chor sieht dabei aus wie ein vor Frohlocken aus dem Leder platzender Herrengesangsverein.

Information

Oper
Lohengrin
Wiener Staatsoper
Von Richard Wagner
Mikko Franck (Dirigent)
Wh.: 16., 20., 25., 28. April


Keine Ironie
Da keimt dann natürlich ein Verdacht auf: Ironie? An sich wäre das kein Verbrechen, strotzt diese Wagner-Oper doch nur so vor Kadavergehorsam: Das Säbelrasseln des Königs Heinrich, die Verzückung seines Volkes für alles Hehre, Heile und Deutsche, kurz: diesen ganzen Nationalismus könnte ein polemischer Regisseur durchaus ins Bierzelt packen. Homoki allerdings, das überrascht, ist der Ironie abhold. "Nichts liegt mir ferner", schreibt er im Programmheft. Sein Kunstgriff soll das ältliche Drama vor allem greifbar, emotional nahbar machen. Das Brabant des zehnten Jahrhunderts, so argumentiert der Regisseur, sei dem heutigen Opernfan fremd.

Was natürlich wahr ist. Andrerseits: Wie vertraut kann einem Zeitgenossen nun dieses, na ja, Bad Klein Lohengrin sein? Gewiss, man kennt solche Bilder aus der Tourismuswerbung. Empathie regt sich darum noch lange nicht. Im Gegenteil: Im Lichte eines hölzernen, vor Klischees strotzenden Einheitsbühnenbilds geraten Einfühlungsversuche des Publikums eher zur Schwerarbeit. Wobei dann noch groteske Momente hinzukommen, etwa am Ende: Da verabschiedet sich Lohengrin, lodengrün anzusehen, librettogemäß von seinem Schwan. Gewiss: Man kann für diese Szene kaum Naturalismus fordern. Aber auch nicht ein solches Schwänlein: Bei Homoki ist das Tier unwesentlich größer als eine Badeente und wohl auch aus Plastik gemacht. Die Publikumsreaktion überraschte danach kaum: Zuletzt donnerte ein Buhorkan gegen den Regisseur und seinen Ausstatter Wolfgang Gussmann.

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Dokument erstellt am 2014-04-14 17:41:05
Letzte Änderung am 2014-04-14 17:54:05



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