• vom 07.10.2015, 18:02 Uhr

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Update: 07.10.2015, 18:57 Uhr

Deutsch

Deutsch als ideologisches Schlachtfeld




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Von Nedad Memic

  • Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache stehen seit langem im Mittelpunkt der Integrationsdebatte.

Deutschunterricht in einer Klasse in Wien für Kinder mit Migrationshintergrund.

Deutschunterricht in einer Klasse in Wien für Kinder mit Migrationshintergrund.© Andreas Pessenlehner Deutschunterricht in einer Klasse in Wien für Kinder mit Migrationshintergrund.© Andreas Pessenlehner

Wien. Mehr Deutschkurse, separate Klassen für Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache oder Lernen im Klassenverband? Die Parteien sind sich uneins. Dass Österreich mittlerweile eine multiethnische und mehrsprachige Gesellschaft ist, leugnet jedoch niemand mehr und zeigt nicht zuletzt ein Blick in die Schulklassen. Stetig steigt die Anzahl der Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache im Schulsystem Österreichs. Im vergangenen Schuljahr hatten rund 234.000 österreichische Schüler eine andere Erstsprache als Deutsch. Das sind laut Medienservicestelle Neue Österreicher/innen 21 Prozent aller österreichischen Schüler.

In Wien: jeder Zweite
In Wien ist der Anteil von Schülern mit einer anderen Erstsprache noch wesentlich höher: 46 Prozent. In der Bundeshauptstadt sprechen mittlerweile zwei Drittel aller Haupt- und Mittelschüler sowie Schüler an polytechnischen Schulen eine andere Erstsprache als Deutsch.


Kein Wunder also, dass dieses Thema hohe Wellen in der Integrationsdebatte schlägt. Seit Jahren kommt vor allem von der FPÖ die Forderung, für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache separate Klassen zu errichten beziehungsweise ihre Anzahl pro Klasse zu beschränken.

Ein Rückblick
Wieder einmal Bewegung in die Diskussion über den Spracherwerb von Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache brachte im Sommer Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP). Er appellierte an die SPÖ, den "ideologischen Widerstand" aufzugeben und sich seinen Plänen anzuschließen. Konkret sollen laut Minister Kinder mit Sprachdefiziten im Zeitraum von einigen Monaten bis zu einem Jahr in gesonderten Klassen unterrichtet werden. Dies betrifft insbesondere Kinder, die während des Schuljahres nach Österreich zuwandern und über keine beziehungsweise kaum Deutschkenntnisse verfügen.

"Sie sollen zuerst in eigenen Vorbereitungsklassen die Unterrichtssprache Deutsch lernen", so Kurz. Damit würde man ihre Integration fördern. Die Dauer koppelt Kurz dabei an die Deutschkenntnisse der Schüler. Er schlägt vor, dass Kinder gleichzeitig bestimmte Unterrichtsfächer wie Turnunterricht oder Bildnerische Erziehung im regulären Klassenverband besuchen.

"Erstsprache wird ignoriert"
Die Pläne des Integrationsministers stießen aber bei der SPÖ auf Widerstand. Die Präsidentin des Wiener Stadtschulrates, Susanne Brandsteidl, steht den separaten Deutschklassen kritisch gegenüber: "Die Unterrichtssprache wird nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Alltagskommunikation mit Gleichaltrigen, die die Unterrichtssprache beherrschen, erworben. Allein deshalb kann es nicht darum gehen, isolierte Klassen für Migrantenkinder mit Sprachdefiziten zu bilden", sagte Brandsteidl zur "Wiener Zeitung". Sie betonte, dass ein gemeinsamer Klassenunterricht die soziale Integration der Schüler begünstige. Auch der Wiener Bildungsstadtrat erteilte in einem Interview den Plänen Kurz’ eine Abfuhr: "Sprache lernt man durch zusätzliche Förderung, aber vor allem im Dialog und im Klassenzimmer. Mir ist bei dieser Frage immer ein gemeinsames Miteinander wichtig", so Christian Oxonitsch zu "Kosmo".

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Dokument erstellt am 2015-10-07 18:05:05
Letzte Änderung am 2015-10-07 18:57:28


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