• vom 08.12.2015, 14:38 Uhr

Top News

Update: 08.12.2015, 18:27 Uhr

UN-Klimakonferenz

Verhandlungen in kritischer Phase




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Die Teilnehmer sprechen von "sehr komplexen Gesprächen", der Druck soll stetig wachsen.

Le Bourget/Paris. Wenige Tage vor dem geplanten Abschluss der UN-Klimakonferenz stecken die Verhandlungen in einer kritischen Phase. Unterhändler sprachen am Dienstag von "sehr komplexen Gesprächen", bei denen "alles mit allem zusammenhängt". Aus österreichischen Verhandlungskreisen hieß am Dienstag in Le Bourget bei Paris, der Druck auf die Verhandler in den vier Untergruppen steige stetig.

Bis spätestens Donnerstag sollten die informellen Gespräche, die am Mittwoch enden sollten, in einen fertigen Text münden, der dann für die Schlussverhandlungen dient. Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) ist dabei in der Gruppe "Klimaschutz bis 2020" tätig. Insgesamt bleiben die Schlüsselfragen die Finanzierung, aber auch der Überprüfungsmechanismus ist eine der heiklen und noch ungelösten Fragen. Rupprechter betonte gestern, Montag, dass bei der Staatengruppe G77, der 134 Entwicklungs- und Schwellenländer angehören, noch wenig Bewegung zu erkennen sei.

Verlängerung der Verhandlungen möglich


Die deutsche Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) äußerte sich am Rande insgesamt optimistisch, sie rechnet jedoch mit einer Verlängerung der Verhandlungen. "Es gibt genügend Gründe, dass alle ein Interesse haben, hier zu einem guten Ende zu kommen", sagte Hendricks. Auch sie sprach aber von einem schwierigen "Austarieren" bei den zentralen Streitfragen. Eine wichtige Rolle spielten dabei weiterhin finanzielle Fragen. Auf der Ebene von Arbeitsgruppen werde versucht, einzelne offene Punkte im Vertragstext "abzuräumen", hieß es aus Verhandlungskreisen.

Die entscheidende Frage, wie ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Unterstützung ärmerer Länder bei Klimaschutz und Klimafolgen zusammenkommen sollen, dürfte aber erst ganz am Schluss geklärt werden. "Das gehört dann in das große Paket", hieß es.

Treibhausgasemissionen müssen reduziert werden

Als sicher gilt, dass das geplante Abkommen einen Mechanismus enthalten wird, um die nationalen Angebote zur Senkung der Treibhausgasemissionen nachzubessern. Bisher reichen diese nicht aus, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Sie würden eher auf eine Erwärmung um 2,7 Grad oder mehr hinauslaufen. Umstritten war aber weiterhin der Starttermin für den Überprüfungsprozess. Während die EU spätestens 2021 damit beginnen möchte und Umweltverbände auf einen Start vor 2020 dringen, wollen andere Staaten erst 2024 mit der Überprüfung beginnen.

Für Mittwoch wird ein neuer, überarbeiteter Vertragstext der französischen Präsidentschaft der Konferenz erwartet. Dieser dürfte auch neue Formulierungsvorschläge zu den gleichfalls umstrittenen Langfristzielen enthalten. Viele besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten fordern weiterhin ein Ziel von 1,5 statt zwei Grad als Obergrenze für die Erwärmung. Hendricks äußerte sich zudem optimistisch, dass auch das Ziel einer Dekarbonisierung, also der Abkehr von fossilen Energieträgern, in dem Text berücksichtigt werde.

"Wir sind besorgt"

Zurückhaltend kommentierten die großen Umweltverbände den Verhandlungsverlauf. "Es ist nicht alles verloren, aber wir sind besorgt", sagte Ruth Davis von Greenpeace im Namen des Dachverbands Climate Action Network (CAN). Weder zeichne sich bisher ein wirksamer Überprüfungsmechanismus für die Emissionsziele vor 2020 ab noch seien Lösungen für die Forderung von Entwicklungsländern nach Schadenersatz für bereits eingetretene Klimafolgen in Sicht. "Es geht hier um Leben und Tod", sagte Harjeet Singh von CAN mit Blick auf schon heute zahlreiche Opfer der Erwärmung.

Hendricks gab am Rande der Verhandlungen bekannt, dass Deutschland seinen Beitrag für den internationalen Anpassungsfonds um 50 Millionen Euro auf 140 Millionen Euro aufstockt. Damit sollen Finanzierungslücken geschlossen werden, die durch den Preisverfall für den CO2-Zertifikatehandel entstanden sind, dessen Einnahmen eigentlich den Finanzbedarf des Fonds decken sollten.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-12-08 14:42:53
Letzte Änderung am 2015-12-08 18:27:10


Werbung




Werbung