• vom 21.03.2016, 18:06 Uhr

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Update: 21.03.2016, 19:33 Uhr

Kuba

Ein US-Amerikaner in Havanna




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  • US-Präsident Barack Obama trifft bei seiner historischen Staatsvisite Kubas Präsident Castro.

Der Rundgang der First Family der USA durch die Altstadt Havannas war von Regen geprägt. Die Kleidung verrät, dass mit einem karibischeren Wetter gerechnet worden ist. - © reuters/Carlos Barria

Der Rundgang der First Family der USA durch die Altstadt Havannas war von Regen geprägt. Die Kleidung verrät, dass mit einem karibischeren Wetter gerechnet worden ist. © reuters/Carlos Barria

Endlich formell begrüßt: Raúl Castro (l.) geht am Montag mit Obama die Ehrengarde im Palast der Revolution ab.

Endlich formell begrüßt: Raúl Castro (l.) geht am Montag mit Obama die Ehrengarde im Palast der Revolution ab.© reuters/Carlos Barria Endlich formell begrüßt: Raúl Castro (l.) geht am Montag mit Obama die Ehrengarde im Palast der Revolution ab.© reuters/Carlos Barria

Havanna. (wak) Beim Begräbnis der südafrikanischen Anti-Apartheids-Legende Nelson Mandela sind sich Barack Obama und Raúl Castro zum ersten Mal begegnet. Das war im Dezember 2013. Ein Zusammentreffen konnten beide trotz der historischen Eiszeit zwischen ihren beiden Ländern, den USA und Kuba, nicht umgehen, zu wichtig war die letzte Ehrung des südafrikanischen Präsidenten. Doch der Bann schien damit gebrochen. Nach dem Begräbnis folgte eine halbstündiges Besprechung, eineinhalb Jahre später bei einem regionalen Gipfel in Panama und auch im September 2015 anlässlich einer Generalversammlung der Vereinten Nationen hat man sich kurz gesehen.

Am Montag kam es schließlich zum vierten, aber wichtigsten Aufeinandertreffen zwischen Obama und Castro. Der US-Präsident traf Kubas Staatschef erstmals in dessen Heimat, und das gleich im Regierungssitz, im bedeutungsschwer genannten "Palast der Revolution", in Havanna.


Dem US-Präsidenten sind während des Besuches wahrlich keine Rosen gestreut worden. Während Raúl Castro normalerweise Staatsoberhäupter gleich am Flughafen ehrenhalber in Empfang nimmt (wie etwa den französischen Präsidenten François Hollande), glänzte er diesmal mit betonter Abwesenheit. Dafür begrüßte karibischer Schnürlregen die Obama-Familie, anstandshalber nahm der kubanische Außenminister Bruno Rodriguez die vierköpfige Obama-Familie in Empfang. Die Blicke der Teenager-Töchter, Malia und Sasha, sprechen Bände, sie haben sich Kuba zumindest ohne Regen vorgestellt. Während der US-Präsident sicherlich die Botschaft der Abwesenheit von Castro verstanden hat, gab er sich betont gutgelaunt. Schließlich ist er der erste amtierende US-Präsident auf der Karibikinsel seit Calvin Coolridge im Jahr 1928.

Facebook, Google und Airbnb

"Que bola, Cuba?" (Wie geht’s, Kuba?), grüßte Obama auf Twitter im kubanischen Slang. Er freue sich, die Kubaner zu treffen. Bei seinem Rundgang durch die Altstadt von Havanna bekam er jedoch kaum Kubaner zu Gesicht, da heftiger Regen niederging und ein großes Sicherheitsaufgebot die Bürger auf Abstand hielt.

Dafür gab sich Obama volksnahe bei der Kommunikation: Per Facebook schilderte er am Montag seine ersten Eindrücke: "Hola desde Cuba! (Hallo aus Kuba!). Es ist eine große Ehre, als erster US-Präsident seit fast 90 Jahren ein Land und sein Volk zu besuchen, das nur 90 Meilen vor unserer Küste liegt."

Er sei hier, "um das letzte Überbleibsel des Kalten Krieges in Amerika zu begraben", schreibt Obama. Es gebe zwar immer noch Meinungsverschiedenheiten. "Aber es gibt so viel, was die Amerikaner und Kubaner teilen - unsere Kulturen und Leidenschaften, unsere Zukunftshoffnungen, ganz zu schweigen von unserer Liebe für Baseball."

Dass Obama Facebook verwendet, kommt nicht von ungefähr: Teil eines US-Kuba-Deals, der von Obama im Vorfeld schon angekündigt worden war, ist, dass der US-Gigant Google mehr WLAN und Breitband-Verbindungen, sprich mehr Internet nach Kuba bringen wird. Kurz vor Obamas Kuba-Besuch hat die US-Regierung zudem dem US-stämmigen Online-Unterkunft-Vermittler Airbnb die Erlaubnis erteilt, private Unterkünfte auf der Karibikinsel an Touristen aus aller Welt zu vermitteln.

Damit setzt Obama seine Strategie fort, am Kongress vorbei das US-Handelsembargo gegen Kuba aus eigener Vollmacht schrittweise zu lockern.

Vollständig beenden kann Obama das Embargo nur mit Zustimmung des Kongresses. Dort halten jedoch die Republikaner die Mehrheit, die gegen eine Aufhebung der Sanktionen sind.

Unter Obamas Amtszeit wurde die historische Annäherung an Kuba erreicht. Mit dem dreitägigen Besuch hofft Obama, die Annäherung so weit zu festigen, dass sie auch sein Nachfolger nicht mehr umkehren kann.

"Die Zeit war reif", sagte Obama dem Fernsehsender ABC zu seiner Reise. "Unsere Absicht war immer, eine Dynamik zu schaffen, ohne zu vergessen, dass der Wandel nicht von einem Tag auf den anderen kommt." Trotz der Wiedereröffnung der Botschaften sei aber klar, dass es "weiter tiefe Differenzen hinsichtlich der Menschenrechte und individuellen Freiheiten in Kuba" gebe.

Obama wollte bei seinem Vier-Augen-Treffen mit Castro die Menschenrechtslage ansprechen und am Dienstag in der US-Botschaft auch mehrere Dissidenten treffen. Wie schwierig die Situation weiterhin ist, zeigte eine Demonstration der Bürgerrechtsbewegung "Damen in Weiß" wenige Stunden vor Obamas Ankunft, bei der zahlreiche Teilnehmerinnen festgenommen wurden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-03-21 18:11:06
Letzte Änderung am 2016-03-21 19:33:19


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