• vom 28.03.2016, 15:41 Uhr

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Selbständigkeit

Allein gegen die Arbeitslosigkeit




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  • Immer mehr Menschen machen sich selbständig. Gerade bei Migranten ist das auch eine Reaktion auf geringe Jobchancen.



Wien. (del) Der Trend ist zu einer stabilien Entwicklung geworden: Immer mehr Menschen arbeiten in Österreich selbständig. Aktuell zählt die Statistik Austria 472.400 Selbständige, was einem Anteil von 11,4 Prozent aller Erwerbstätigen entspricht. Vor allem Ein-Personen-Unternehmen (EPU) haben in den vergangenen Jahren stark zugelegt. Der Weg in die Selbständigkeit ist allerdings nicht immer ein freiwilliger. Denn zunehmend häufiger müssen sich Menschen selbständig machen, weil sie keinen Job finden.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl der Selbständigen fast verdoppelt. Allein im Vorjahr wurden laut Wirtschaftskammer 29.561 neue Unternehmen gegründet. Das ist ein Plus von fast fünf Prozent gegenüber dem Jahr davor. Mehr als 40 Prozent der Neugründungen erfolgten in der Sparte Gewerbe und Handel. "Wir haben jedes Jahr einen ordentlichen Zuwachs", sagt Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer. Es sei zu beobachten, dass die Bereitschaft auch bei jungen Menschen steige, sich selbständig zu machen und auf eigene Rechnung zu arbeiten. Unternehmerische Freiheit und Kreativität seien dabei starke Motive.


Mehr Migranten selbständig
Eine Statistik der Wirtschaftskammer Wien zeigt, dass fast jeder dritte Unternehmensgründer nicht in Österreich geboren wurde. Das hat mehrerlei Gründe. Zum einen hat das Unternehmertum in einem Großteil der Herkunftsländer, etwa in der Türkei, Tradition. Zum anderen liegt das allerdings auch an den mangelnden Jobchanchen für Migranten auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Migranten sind hierzulande doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen wie Österreicher. Eine eigene Imbissbude, eine Änderungsschneiderei oder ein eigenes Geschäft sind oft der schnellste und einzige Ausweg aus der Joblosigkeit.

Auch Frauen entscheiden sich immer häufiger für eine eigene Firma. Laut WKO wurden 43 Prozent der Unternehmen im vergangenen Jahr von einer Frau gegründet. Laut Gleitsmann sind die Gründe dafür die manchmal bessere Vereinbarung von Beruf und Familie, weil man von zu Hause aus oder zu flexibleren Zeiten arbeiten könne.

Vor allem Ein-Personen-Unternehmen boomen. 58 Prozent der WKO-Mitglieder sind mittlerweile EPU. In der Sparte Gewerbe und Handwerk beträgt deren Anteil knapp 65 Prozent. Auch im Bereich Pflege und Personenbetreuung arbeiten immer mehr Menschen, vor allem Frauen, als sogenannte neue Selbständige. 10.177 Personen haben sich 2015 als Pflegekräfte oder Personenbetreuer selbständig gemacht.

Niedrige Entlohnung
Knapp die Hälfte der Selbständigen verdienen weniger als 1000 Euro pro Monat. Nach Angaben der Gewerkschaft gelten zwölf Prozent von ihnen als armutsgefährdet. Das liegt unter anderem daran, dass sich manche unselbständigen Arbeitnehmer nebenher mit einem eigenen Geschäft ein Zubrot verdienen. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass für Selbständige keine kollektivvertraglichen Mindestlöhne gelten und zum Beispiel in der Kreativbranche jene den Auftrag bekommen, die am billigsten ausführen.

Ein relativ konstantes Phänomen ist das Mithelfen von Verwandten in Familienbetrieben. Vor allem in der Land- und Forstwirtschaft sei das weit verbreitet, erklärt Cornelia Moser von der Statistik Austria.

66.800 Personen wurden im vergangenen Jahr als Mithelfende registriert. Dabei handle es sich vor allem um Familienmitglieder wie etwa Großeltern oder studierende Kinder, die bei der Ernte mitgeholfen oder kurzfristige Aufgaben im Familienbetrieb übernommen haben. Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr allerdings stark.




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Dokument erstellt am 2016-03-28 15:44:08



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