• vom 21.09.2016, 17:27 Uhr

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Update: 21.09.2016, 18:23 Uhr

Kassenhebammen

Zu wenige Kassenhebammen in Wien




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Von Ina Weber

  • Ähnliche Situation wie bei den Kinderärzten - das Österreichische Hebammengremium schlägt Alarm.

Wer eine Kassenhebamme bekommt, hat Glück.

Wer eine Kassenhebamme bekommt, hat Glück.© Hebammengremium Wer eine Kassenhebamme bekommt, hat Glück.© Hebammengremium

Wien. Gleich vorweg: Es geht um die Betreuung von frischgebackenen Müttern nach der Geburt zuhause durch eine Hebamme. Hier liegt der Schlüssel bei 1:1172 in Wien. Eine Hebamme kommt damit rein theoretisch auf 1172 Geburten. Was zur Folge hat, dass lediglich 12 Prozent der Frauen in Wien die 17 Kassenhebammen in Anspruch nehmen können.

"Im Vergleich zu den anderen Bundesländern sind die Frauen in Wien stark unterversorgt", sagt Marianne Mayer, Leiterin der Landesgeschäftsstelle Wien des Österreichischen Hebammengremiums, am Mittwoch. "Wir fordern mehr Kassenhebammen in Wien - konkret für die Bezirke 1 bis 9, 13 und 23, denn dort gibt es gar keine", so Mayer.


Früher blieben Frauen fünf bis sieben Tage im Krankenhaus, sagt Johanna Sengschmid, stellvertretende Leiterin des Hebammengremiums, heute würden Frauen oft nach dem zweiten Tag entlassen. Umso dringender bräuchten sie eine Überwachung von Hebammen zuhause. Bis zu 20 Prozent der Mütter würden in eine Wochenbettdepression rutschen. Die Hebammen seien Teil der Gesundheitsförderung, sagt Sengschmid.

Unterstützung bekamen sie am Mittwoch von Peter Husslein, Vorstand der Universitätsklinik für Frauenheilkunde Wien und Leiter der Abteilung für Geburtshilfe am AKH Wien. "Es gibt kaum ein Land, wo es so viele Spitäler gibt und wo die Menschen so gerne so lang drinnen sind", sagt Husslein. Er folgte der Devise "wer weniger Betten hat, hat gewonnen". "Die Patientinnen auf unserer Station werden alle vorzeitig entlassen." Das sei auch gut, denn eine Mutter mit einem gesunden Kind sei im Spital "am falschen Platz". Es sei aber ein Problem, wenn es die Strukturen draußen nicht gibt.

"Derzeit machen wir eine Fülle von Dingen, die mit dem Spital gar nichts zu tun haben. Wir machen es aber, weil es draußen nicht funktioniert", sagt Husslein zur "Wiener Zeitung". Als Beispiel nennt er die bei einem Säugling notwendigen Hörscreenings. Das sei in den ersten Tagen nicht notwendig, dürfe aber nicht übersehen werden. Diese Untersuchung könnte ein HNO- oder Kinderarzt durchführen, wenn er dafür geschult wäre. "Wir machen das im AKH, weil uns die Kinder und die Mütter leidtun, aber nicht, weil es ins Spital gehört". Viele Mütter bräuchten wenig Spital, aber eine gute Nachbetreuung.

Für Peter Husslein ist klar: Die Forderung der Ärztekammer, dass der niedergelassene Bereich gestärkt werden muss, sei zu 100 Prozent zu unterstützen. "Darin sind sich ja alle einig." Man brauche sich ja nur ansehen, dass etwa am Freitagnachmittag und am Wochenende keine Strukturen im niedergelassenen Bereich vorhanden sind.

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Dokument erstellt am 2016-09-21 17:32:05
Letzte Änderung am 2016-09-21 18:23:03



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