• vom 17.01.2017, 17:19 Uhr

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Update: 17.01.2017, 17:57 Uhr

Obdachlosigkeit

Ein Büro auf der Straße




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Von Margot Landl

  • Das Café "Zwischenschritt" bietet Wohnungslosen freien Internetzugang. Es ist das einzige dieser Art in Österreich.

Der "Digital Gap", also die Lücke beim Zugang zu modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, wird verringert. - © Diva Shukoor

Der "Digital Gap", also die Lücke beim Zugang zu modernen Informations- und Kommunikationstechnologien, wird verringert. © Diva Shukoor

Wien. Wie fast immer ist das Café "Zwischenschritt" auch an diesem Mittwoch um die Mittagszeit wieder voll belegt. Hin und wieder kommt ein neuer Besucher zur Tür herein und wirft gleich einen Blick in den Computerraum, um zu prüfen, ob vielleicht noch irgendwo ein Rechner frei ist. Doch die neun Arbeitsplätze sind alle besetzt und da es kein Zeitlimit gibt, wird auch vermutlich keiner so schnell frei werden. Auf den Tischen liegen Jausenboxen, Bananen und Packungen mit Kartoffelchips, daneben stehen Fruchtsäfte und Wasserflaschen. Denn das Angebot im Café, das außer dem Computerraum noch aus einigen einfachen Tischen und Stühlen besteht, beschränkt sich auf billigen Kaffee, Tee und Softdrinks. Jeder kann etwas bestellen, niemand muss.

Die Kluft verringern
"Die Nachfrage ist definitiv gegeben", erklärt die Leiterin des "Zwischenschritts" Petra Underasinger. Das Internetcafé in Simmering ist das einzige, das es in dieser Art in Österreich gibt. Nirgends sonst wird wohnungslosen Personen so niederschwellig Zugang zu Computern mit Internetanschluss ermöglicht - und was vielleicht noch wichtiger ist: kostenlose Beratung. Bei der Wohnungs- oder Jobsuche zum Beispiel. Was oft grundlegende Fragen aufwirft: Wie erstelle ich einen Mailaccount? Wie kann ich über soziale Medien Kontakt zu anderen aufnehmen? Und warum hat mein Handy schon wieder einen Virus? Dinge, die völlig alltäglich erscheinen mögen. Die allerdings längst nicht selbstverständlich sind, zum Beispiel, weil Menschen für längere Zeit vom Zugang zu Internet und Computer abgeschnitten waren. Oder weil sie, sei es aufgrund von Alter, Herkunft oder sozialem Hintergrund, überhaupt noch nie eine Ausbildung in diesem Bereich genossen haben.


"Digital Gap" nennen Wissenschafter es, wenn den einen der Zugang zu modernen Informations- und Kommunikationstechnologien und damit im weiteren Sinn auch zu gesellschaftlicher Partizipation ermöglicht wird - und den anderen eben nicht. Einigen davon soll, wie Petra Underasinger sagt, zumindest dieses "Büro auf der Straße" zur Verfügung gestellt werden. Zum Beispiel Sándor Csuka, der vor einem halben Jahr aus der Ukraine nach Wien geflohen ist. Er ist einer der Stammkunden, die etwa die Hälfte der Kundschaft ausmachen. In Lemberg hat der 23-Jährige Schnitzerei und Restauration studiert, doch dann sollte er als Soldat eingezogen werden. Jetzt sucht er mithilfe des AMS in Wien nach einer Arbeit als Tischler, aber am liebsten würde er mit einem Kumpel eine eigene kleine Werkstatt gründen.

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Dokument erstellt am 2017-01-17 17:24:12
Letzte Änderung am 2017-01-17 17:57:51


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