• vom 27.02.2017, 17:43 Uhr

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Update: 13.04.2017, 16:02 Uhr

Nordkorea

Hinweise auf Brudermord verdichten sich




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  • Steckt Nordkoreas Diktator Kim Jong-un hinter der Ermordung seines Bruders? Die Indizien sprechen immer mehr dafür.

Kim Jong-nam (l.) war eine Bedrohung für den Machtanspruch von Kim Jong-un.

Kim Jong-nam (l.) war eine Bedrohung für den Machtanspruch von Kim Jong-un.© reuters Kim Jong-nam (l.) war eine Bedrohung für den Machtanspruch von Kim Jong-un.© reuters

Kuala Lumpur/Wien. (klh) "Er ist nicht paranoid gewesen, aber hat sich Sorgen gemacht", sagte ein Freund von Kim Jong-nam nun der "Washington Post". Auf Reisen sei Kim Jong-nam sehr vorsichtig gewesen, habe es speziell vermieden, mit Asiaten zu sprechen, weil er fürchtete, dass es sich um Agenten handeln könnte.

Diese Vorsichtsmaßnahmen haben Kim Jong-nam aber nichts genützt. Am 13. Februar wurde der Sprössling der nordkoreanischen Kim-Dynastie, der schon lange im Ausland gelebt hat, am internationalen Flughafen in Kuala Lumpur ermordet. Den zwei Asiatinnen, die ihn getötet haben, konnte er nicht aus dem Weg gehen. Sie hatten sich hinter seinem Rücken angeschlichen, eine der beiden Frauen drückte ihm ein mit Gift präpariertes Tuch ins Gesicht. Seitdem ranken sich alle möglichen Spekulationen um den spektakulären Mordfall, die auch am Montag nicht abrissen.



Gesichert ist lediglich, dass Kim Jong-nam schnell gestorben ist. 15 bis 20 Minuten habe er nach dem Attentat noch gelebt, aber es habe keine Chance gegeben, ihn zu retten, teilten die Behörden in Malaysia nun mit. Er wurde demnach durch das Nervengift VX getötet. Das ist ein chemischer Kampfstoff, wie es kaum einen effektiveren gibt. Es reicht schon eine ganz kleine Dosis, um einen Menschen qualvoll sterben zu lassen.


Zunächst war von zwei möglichen Tätergruppen ausgegangen worden: Erstens kriminelle Gangs, die der windige Geschäftsmann und Spieler Kim Jong-nam verärgert hat. Zweitens war schnell spekuliert worden, dass Kim Jong-nam einem staatlichen Auftragsmord zum Opfer fiel, der von seinem Halbbruder, dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un, in Auftrag gegeben worden war.

Für den südkoreanischen Geheimdienst steht fest, dass Nordkorea hinter dem Angriff steckt. Die jüngsten Erkenntnisse teilten südkoreanische Abgeordnete am Montag in Seoul mit. Demnach waren Ministeriumsangestellte Teil einer verschwörerischen Operation. Es gebe acht Verdächtige, von denen sechs Mitarbeiter in nordkoreanischen Ministerien seien. Diese wären dafür zuständig gewesen, die beiden Frauen für den Mord zu rekrutieren oder die Operation auf sonstigen Wegen zu unterstützen.

Südkorea hat freilich Interesse daran, dass Nordkorea möglichst schlecht dasteht und der internationale Druck auf den bedrohlichen Nachbarn erhöht wird. Doch tatsächlich sprechen fast alle Indizien dafür, dass Nordkorea hinter dem Attentat steckt.

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Dokument erstellt am 2017-02-27 17:48:08
Letzte Änderung am 2017-04-13 16:02:52


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