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Update: 22.11.2017, 09:35 Uhr

Syrien

In Putins Händen




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Von Michael Schmölzer

  • Der Kremlchef will die Nachkriegsordnung für Syrien festlegen. Seine Pläne scheinen aufzugehen.

Innige Umarmung. Assad (r.) bei Kremlchef Putin in Sotschi.

Innige Umarmung. Assad (r.) bei Kremlchef Putin in Sotschi.© APAweb / AP Photo, Sputnik, Mikhail Klimentyev Innige Umarmung. Assad (r.) bei Kremlchef Putin in Sotschi.© APAweb / AP Photo, Sputnik, Mikhail Klimentyev

Sotschi/Wien. Das Treffen zwischen Syriens Machthaber Bashar al-Assad und Russlands Präsident Wladimir Putin fand im Geheimen statt. Als die Neuigkeit am Dienstag weltweit über die Bildschirme flimmerte, saß Assad nicht mehr in Putins Landhaus, sondern längst wieder in Damaskus. Der Syrer verlässt sein Land so gut wie nie, zuletzt war er im Oktober 2015 in Moskau - kurz, nachdem Russland mit seinem umfassenden militärischen Engagement in Syrien begonnen hatte. Ein Eingreifen, das letztendlich die entscheidende Wende zugunsten Assads brachte.

Das Treffen in Sotschi war der Vorgeschmack auf einen Gipfel, der heute, Mittwoch, über die Bühne geht. Russland, der Iran und die Türkei wollen dabei eine politische Friedenslösung für Syrien ausarbeiten.


Assad sitzt fest im Sattel
Assad, so Putins Botschaft, sitzt fest im Sattel. Und als hätte die Einladung nach Sotschi allein noch nicht gereicht, umarmten Putin und Assad einander demonstrativ. Der Kampf gegen die Terroristen in Syrien laufe hervorragend, so Putin zufrieden. Der "finale, unvermeidbare Sieg" stehe bevor. Nun gehe es darum, politische Prozesse einzuleiten und an einer Friedensordung zu arbeiten. Assad, meinte Putin im Namen seines Schützlings, sei jedenfalls bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, der bereit sei, Frieden aufzubauen.



Putin will eine Art Konvent schaffen, zu dem sich die verschiedenen verfeindeten Gruppen Syriens zusammenfinden. Derzeit ist es noch völlig undenkbar, dass sich Rebellen mit Vertretern Assads an einen Tisch setzen. Und es ist unklar, wie eine politische Lösung aussehen könnte.

Die Rede ist immer wieder von einer Aufteilung Syriens in Interessensgebiete - doch das ist für Sherin Gharib vom Österreichischen Institut für internationale Politik kein realistisches Szenario. "Assad und seine Verbündeten werden so lange kämpfen, bis sie das gesamte syrische Territorium kontrollieren", so Gharib im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Assad habe zwar einen Dialog mit den oppositionellen Rebellen angekündigt, doch das hält die Forscherin nicht für realistisch: Die syrische Opposition werde künftig genauso unterdrückt werden wie vor dem Beginn des Bürgerkrieges 2011.

Im Endeffekt, so Gharib, laufe alles darauf hinaus, das Assad Herr über ein völlig zerstörtes Land werde.

Trump nicht interessiert
Im Verlauf des gestrigen Dienstags wollte Putin jedenfalls mit US-Präsident Donald Trump und der saudischen Führung telefonieren, um sie über die Gespräche mit Assad zu unterrichten. Saudi-Arabien, das die syrische Opposition unterstützt, sieht Gharib im Ringen mit dem Iran um die regionale Vorreiterrolle auf der Verliererstraße. Die mit dem Iran verbündete und Seite an Seite mit Assad kämpfende Hisbollah sei klar erstarkt, die Opposition werde von der syrischen Armee überrannt.

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Schlagwörter

Syrien, Astana, Treffen, Frieden, Lösung

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-21 17:41:08
Letzte Änderung am 2017-11-22 09:35:24


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