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Update: 22.12.2017, 09:52 Uhr

Analyse

Der Verlierer wird Finanzstadtrat




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Von Christian Rösner

  • Die SPÖ-Wien wählt ihren neuen Parteichef - wer das Nachsehen hat, wird trotzdem versorgt.

An die Spitze des Rathauses kann es nur einer schaffen. - © apa/Neubauer

An die Spitze des Rathauses kann es nur einer schaffen. © apa/Neubauer

Wien. Während sich die Wiener Oppositionsparteien in die Weihnachtsferien verabschieden und auch die Grünen über die Feiertage ihre Büros schließen, müssen sich die Sozialdemokraten auf ihren internen Wahlkampf vorbereiten: Zwar finden in nächster Zeit keine Sitzungen statt, aber wie am Donnerstag bekannt wurde, präsentieren sich Michael Häupls Nachfolgekandidaten Michael Ludwig und Andreas Schieder am 16. und 20. Jänner im Odeon-Theater in zwei Hearings. Und das gilt es vorzubereiten.

Spricht man beim linken Flügel der Partei von einem spannenden Kopf an Kopf-Rennen mit intakten Chancen für Schieder, sind die sogenannten Realos überzeugt davon, dass Ludwig das Rennen machen wird. "Seit dem Einstieg Schieders in das Rennen umso mehr", heißt es. Eine Meinung, die man übrigens auch in weiten Teilen der Opposition teilt. Und ebenso bei den Grünen - hier vor allem aus eigennützig motivierten Gründen. Denn: Mit Ludwig an der SPÖ-Spitze könnten die Grünen als Koalitionspartner die SPÖ am linken Rand ergänzen. Mit Schieder drohen sie themenmäßig auf der Strecke zu bleiben.

Wenn jedoch der Sieg von Ludwig so klar erscheint, wieso geht dann Schieder das Risiko ein, am Ende als Verlierer dazustehen? "So etwas macht Schieder nur mit einem gesicherten Exit", sind Insider überzeugt. Wie dieser Exit aussehen könnte, darüber gibt es allerdings nur Spekulationen. "Ich habe gehört, die beiden haben sich ausgemacht, dass der Verlierer Finanzstadtrat wird", heißt es etwa aus ÖVP-Kreisen.

SPÖ-Spitzenkandidat für EU-Wahl 2019

Bei den "Realos" der SPÖ meint man wiederum, dass Schieder im Fall einer Niederlage wieder als Klubobmann ins Parlament zurückkehren wird, um sich für 2019 als Spitzenkandidat für das Europaparlament vorzubereiten.

Es gibt aber noch ein weiteres Gerücht: Christian Kern tritt nach den Weihnachtsfeiertagen vor die Medien und erklärt, dass er als glühender Sozialdemokrat eine weitere Spaltung der Partei in Wien - "Österreichs Hochburg der Sozialdemokratie" - nicht zulassen kann, weshalb er sich als einzig wirklich einender Kandidat zur Verfügung stellt. Daraufhin würde Schieder seine Kandidatur zurückziehen und wäre aus dem Schneider.

Was gegen diese Variante spricht, ist allerdings das Bemühen von Ludwig und Schieder, nach außen hin Harmonie zu signalisieren. Und nur wenn beide Fraktionen wild aufeinander losgehen, könnte Kern die Wiener SPÖ auch glaubwürdig "retten".

Wenn Kern Wien rettet, wer rettet dann die Bundespartei?

"Wenn Kern einen Funken Selbstachtung hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass er nach dem Bundeskanzler auch noch den Bürgermeister versemmeln will", heißt es dazu auch aus der Wiener FPÖ. Abgesehen davon hätte Kern in Wien die Basis nicht hinter sich. Außerdem: Wenn Kern Wien rettet, wer rettet dann die Bundes-SPÖ? Schließlich wurde der Ex-Bundeskanzler Ende Oktober einstimmig vom Präsidium hoffnungsvoll zum Bundesparteivorsitzenden gewählt. Und Kern selbst hat mehrmals betont, dass er für Wien nicht antreten wolle.

Sicher ist, dass es nach der Weihnachtsruhe nachhaltige Veränderungen geben wird: Am 25. Jänner stellt sich die Opposition neu auf und am 27. Jänner wählt die SPÖ ihren neuen Parteichef.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-12-21 17:02:07
Letzte Änderung am 2017-12-22 09:52:02


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