• vom 13.02.2018, 06:58 Uhr

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Update: 13.02.2018, 07:57 Uhr

Parteiengeschichte

Die Machtprobe der Freiheitlichen




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  • Die FPÖ präsentiert ihr Konzept zur Aufarbeitung der blauen Historie. Ein schwieriges Terrain.

Für FPÖ-Obmann Strache und seine Partei geht es jetzt um Glaubwürdigkeit.

Für FPÖ-Obmann Strache und seine Partei geht es jetzt um Glaubwürdigkeit.

Wien. (jm) Dass die Freiheitlichen am Montagabend im Bundesparteivorstand nun offiziell eine Historikerkommission eingesetzt haben, um ihre NS-Vergangenheit aufzuarbeiten und die deutschnationalen Burschenschaften in ihrem Dunstkreis unter die Lupe zu nehmen, ist in erster Linie das Einlösen einer Notwehrmaßnahme ihres Parteichefs Heinz-Christian Strache. Anstoß dafür war die Naziliederbuchaffäre der Burschenschaft Germania. Die antisemitischen Texte haben zum einstweiligen Rückzug des niederösterreichischen Spitzenkandidaten Udo Landbauer geführt, der Vizechef der Verbindung war.

Strache ist in einer Regierung mit der ÖVP, die vorgibt, das Land positiv verändern zu wollen. Antisemitische oder rassistische Traditionen mancher Burschenschaften im blauen Umfeld stören die Eintracht der Koalition. Deshalb ist Strache zum Handeln gezwungen. Ein Sprecher der FPÖ wollte dem Parteivorstand nicht vorgreifen. Bis Redaktionsschluss war über den Ausgang der Gespräche nichts bekannt. Heute, Dienstag, will die Partei die Beschlüsse zur "Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit" präsentieren.


Strache sagte am Montag vor Beginn der Gespräche, er könne sich für die Kommission auch kritische Experten von außen vorstellen. Er sei überzeugt, "dass jeder seinen Beitrag leisten kann und sich einbringen kann", sagte der FPÖ-Chef auf die Frage, ob auch das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands zur Mitarbeit eingeladen wird.

Eskapaden schaden
"Wir haben Verantwortung für den Holocaust", hatte Strache kürzlich bei seiner Eröffnungsrede am Akademikerball in die Menge gerufen. "Antisemitismus, Rassismus und totalitäres Denken" hätten in der freiheitlichen Partei keinen Platz und jeder "anständige Bürger, jeder Coleurstudent und jeder Waffenstudent" sei aufgerufen, dem entgegenzutreten. "Wer das nicht teilt", so Strache weiter, "der ist bei uns nicht willkommen. Wem das nicht passt, der kann aufstehen und gehen."

Diese Rede hatte Strache zum Verdruss seiner Bundesbrüder gehalten, die sich seit dem Aufstieg der FPÖ in die Regierung zuhauf im Parlament, in den Ministerien und in staatsnahen Betrieben tummeln. Sich gegen die eigenen Leute zu stellen, damit begibt sich Strache auf ein schwieriges Terrain. Innerhalb der Burschenschaften würde ihm das auch als Schwäche ausgelegt werden, sagte sein Intimfeind und ehemaliger Freiheitlicher Ewald Stadler und prophezeite ihm vor einer Woche in der ORF-Sendung "Im Zentrum" ein neues Knittelfeld. Stadler hatte federführend den Sonderparteitag der FPÖ 2002 in Knittelfeld organisiert, der die Haider-FPÖ zur Implosion brachte und zu vorgezogenen Neuwahlen führte. Die FPÖ sei fest in der Hand der Burschenschaften, so Stadler.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-12 17:14:21
Letzte Änderung am 2018-02-13 07:57:06


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