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Update: 13.02.2018, 17:46 Uhr

Ausstellung

Die Aura inhaltsloser Kunst




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • Das Kunstforum Wien präsentiert den Dadaisten Man Ray als Spieler in allen Kunstmedien.



Performative Übertragung auf den Körper: Man Rays berühmte Fotografie "Violon d’Ingres", 1924 (1990).

Performative Übertragung auf den Körper: Man Rays berühmte Fotografie "Violon d’Ingres", 1924 (1990).© Man Ray Trust/Wien, 2017/18 Performative Übertragung auf den Körper: Man Rays berühmte Fotografie "Violon d’Ingres", 1924 (1990).© Man Ray Trust/Wien, 2017/18

Als das Kunstforum 2016 eine Besucherumfrage machte, welchen Künstler das Haus zeigen solle, fiel die Wahl auf Man Ray. Dabei hatten wir den schon einmal zu Gast als Fotograf im Kunst Haus Wien 1996/97, aber nicht als Universalkünstler. Denn der 1890 in Philadelphia geborene Emmanuel Radnitzky wollte zuerst als Maler anerkannt werden, trug jedoch maßgeblich zur Anerkennung der Fotografie als Kunst bei.

Seit 2012 beschäftigt sich Kuratorin Lisa Ortner-Kreil mit dem Konzept einer Ausstellung, die Besucheranfrage spielte ihr dann den Ball zu. Wobei Bälle in Man Rays "Objects of My Affection" eher Glaskugeln sind, die als silberne Säule im Glas New York beschreiben, kombiniert mit einer Pfeife zu "Ce qui manque à nous tous" 1927 (nur in der Neuauflage von 1973 überliefert) aber eher den Vanitascharakter einer gehärteten Seifenblase haben.

Information

Ausstellung
Man Ray
Lisa Ortner-Kreil (Kuratorin)
Kunstforum bis 24. Juni

Die Welt als Rätsel

Sein "Geschenk" ist nicht gerade freundlich: Das Bügeleisen hat Nägel statt einer heißen Fläche. Die Vorlieben der Surrealisten für das Rätselhafte und den Traum konnte der von Marcel Duchamp und Francis Picabia zum einzigen Dadaisten aus Amerika ernannte Avantgardist mit seinem Objekt "Das Rätsel des Isidore Ducasse" am besten vorzeigen.

1971 hat er das von 1920 nur als Fotografie überlieferte Geheimnis unter einem Wollstoff wiederholt. Dabei ist die mit Paketschnur gebundene Nähmaschine darunter zu erahnen. Neben diesen Ikonen der dadaistischen kunstlosen Eingriffe in ihre unmittelbare Umgebung haben die 1915 in Ridgefield in New Jersey erstmals aufeinander getroffenen Künstler auch mit Staub und einer Sterntonsur auf Duchamps Kopf massive Debatten über das Ende der Kunst in Gang gesetzt. Das Verlassen der Malerei blieb dann auch die Devise einer 50 Jahre andauernden Freundschaft.

Ihre radikale Veränderung, die vor allem von 1945 bis heute eine große Rolle spielt, lässt sich nicht nur in den Verpackungen Christos finden. Nachspiele in dieser Schau sind in verschiedenen Medien zu finden - von Bruce Nauman über Hans Kupelwieser bis James Welling. Man könnte den Nachhall allerdings auf mehrere Kunsthallen aufblasen.

Ideenaustausch

Doch auch seine eigene "Piraterie" bei anderen ist legendär: In der mit Airbrush begonnenen, immer wieder aufgenommenen Malerei sind Picabia, Rene Magritte und Giorgio de Chirico zu spüren.

Die Vorliebe für den "Primitivismus" übernahm er von Pablo Picasso und den Kubisten. Selbst die von ihm fotografierte Meret Oppenheim dürfte mit ihren Objekten einen Ideenaustausch ausgelöst haben, mit seiner Assistentin Lee Miller erfand er 1927 gemeinsam die Solarisation in der Fotografie.




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Schlagwörter

Ausstellung, Man Ray, Kunstforum

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-13 16:20:23
Letzte Änderung am 2018-02-13 17:46:10


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