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Update: 13.02.2018, 18:32 Uhr

Hausarzt

Millionen für Lehrpraxen




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Von Petra Tempfer

  • Die Finanzierung der Praxisausbildung für angehende Allgemeinmediziner ist bis 2020 gesichert.

- © Fotolia/Vectorvstocker

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Wien. Seit mehr als zweieinhalb Jahren ist die Ausbildungsreform für Mediziner, die erstmals eine verpflichtende Lehrpraxis für alle angehenden Allgemeinmediziner vorsieht, in Kraft. Deren Finanzierung war jedoch ungeklärt. Nun haben sich Bund, Sozialversicherungen, Länder und Ärzte geeinigt: Ab sofort wollen diese bis 2020 insgesamt 24,8 Millionen Euro dafür aufbringen, hieß es am Dienstag vor Journalisten. Pro Jahr liegen die Kosten damit bei 12 Millionen Euro.

Am Ende seiner Ausbildung muss jeder Allgemeinmediziner nach dem 27-monatigen Turnus in einem Krankenhaus künftig sechs Monate lang und 30 Stunden pro Woche in einer Praxis oder in einer Ambulanz mitarbeiten - und zwar verpflichtend ab Mitte 2018. Die Lehrpraxis auf freiwilliger Basis gibt es bereits seit 1996. Die neue Ausbildungsreform trat im Juni 2015 in Kraft, die ersten Ärzte, die ihre Ausbildung nach der neuen Ärzte-Ausbildungsordnung absolvieren, fallen nun unter die Lehrpraxis-Pflicht.


Diese koste pro Praktikant rund 27.000 Euro, hieß es am Dienstag, man erwarte 450 Praktikanten pro Jahr. Der Bund übernimmt 25 Prozent (gedeckelt mit vier Millionen Euro), Länder und Kassen je 32,5 Prozent, die Praxisinhaber 10 Prozent. Erste Plätze werden schon heuer finanziert, wofür rund zwei Millionen Euro vorgesehen sind.

Mit den Förderungen werden 75 Prozent des Gehalts plus Sonderzahlungen abgedeckt. Den Rest übernehmen die Spitäler, in denen die Ärzte noch drei Nachtdienste pro Monat absolvieren. Ihr Einkommen soll damit ebenso hoch sein wie zuvor im Spitalsturnus.

"Ein Meilenstein"
"Die Lehrpraxen sind ein Meilenstein, um die Allgemeinmedizin zu fördern", sagte Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). Sie würden die Qualitätssicherung gewährleisten und die Allgemeinmedizin fördern, wie es ja auch im Regierungsprogramm vereinbart sei. Alexander Biach, Chef des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, sieht in der Einigung einen Motivationsschub für den Medizinernachwuchs, in den Hausarztberuf zu starten, sagte er. Derzeit sind zwar nur 55,5 von rund 4000 Kassenstellen für Allgemeinmediziner unbesetzt, was etwas mehr als einem Prozent entspricht. Laut Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, werden jedoch in den nächsten zehn Jahren 60 Prozent der Allgemeinmediziner in Pension gehen.

Und: "Die Patienten werden immer älter, wodurch es mehr chronisch Kranke und einen steigenden Bedarf an Allgemeinmedizinern geben wird", ergänzte Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres.

Seit 1970 hat sich die Anzahl der Fachärzte doppelt so stark entwickelt wie jene der Allgemeinmediziner. Der Beruf des Allgemeinarztes scheint für viele nicht attraktiv genug zu sein, um ihn anzustreben, sagt dazu Susanne Rabady, seit 25 Jahren Landärztin in Windigsteig (966 Einwohner) in Niederösterreich. Warum das so ist, führt Rabady, die auch Präsidentin der Niederösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin ist, unter anderem darauf zurück, dass die Allgemeinmedizin bereits in der Ausbildung zu wenig wertgeschätzt werde. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist diese in Österreich noch immer nicht als Fach anerkannt. Das spiegelt sich laut Rabady freilich im späteren Einkommen wider.

"Was wir aus Studien sicher wissen ist, dass die jungen Kollegen flexible Kooperationsformen wollen und brauchen. Das reicht von Netzwerken und Gruppenpraxen über Jobsharing bis zur Möglichkeit, zumindest eine Zeit lang in einem Anstellungsverhältnis in der Praxis zu arbeiten", sagt Rabady zur "Wiener Zeitung". Die geplanten Primärversorgungseinheiten seien nur dann Teil einer Lösung, wenn sie sich in ein Gesamtkonzept mit unterschiedlichen, regional angepassten Organisationsformen einfügten.

Lehrpraxen zu spät?
Die verpflichtenden Lehrpraxen seien ein wichtiger Schritt. Rabadys künftiger Nachfolger habe ihre Ordination als Famulant kennengelernt. Kontakte mit der Allgemeinmedizin müssten aber schon während des Studiums einsetzen, damit die Entscheidung für die Allgemeinmedizin überhaupt fällt. Auf jeden Fall müssten Studierende das Schöne, "diese unglaubliche Breite" des Hausarzt-Berufes kennenlernen, so Rabady. "Wir kümmern uns um die kranken Menschen. Und nicht nur um eine Krankheit."




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Dokument erstellt am 2018-02-13 18:14:22
Letzte nderung am 2018-02-13 18:32:12



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