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Update: 13.03.2018, 10:37 Uhr

Digitalisierung

"Wir alle werden zu Getriebenen"




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Von Michael Schmölzer

  • Die Digitalisierung kommt mit rasender Geschwindigkeit, und sie trifft uns mit voller Wucht, sagt der Schweizer Ökonom Binswanger.

- © afp/Tsuno

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"Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen", lautete das Thema eines hochkarätig besetzten Symposions im niederösterreichischen Dürnstein. Es ging um Arbeit, ihre Notwendigkeit, ihre Zukunft. Die "Wiener Zeitung" hat mit dem Schweizer Ökonomen Mathias Binswanger über die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt und Gesellschaft gesprochen. Sein Befund ist verstörend.

"Wiener Zeitung": Viele Wissenschafter gehen davon aus, dass uns durch die Digitalisierung die Arbeit abhandenkommt. Die Arbeitslosigkeit, heißt es, wird sprunghaft ansteigen. Sie haben dazu eine andere Meinung?

Information

Zur Person

Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, Privatdozent an der Universität St. Gallen und Publizist.

Mathias Binswanger: Man weiß nicht wirklich, wie diese Entwicklung verlaufen wird, verschiedene Studien kommen da zu verschiedenen Ergebnissen. Wenn wir davon ausgehen, dass es in Zukunft 25 bis 30 Prozent Arbeitslosigkeit gäbe, würde der Wirtschaft die Nachfrage fehlen. Wenn die Nachfrage fehlt, dann hören auch die Investitionen in diese neuen Technologien auf. Die lohnen sich nur, wenn man nachher auch etwas verkaufen kann. 30 Prozent Arbeitslosigkeit käme der Zeit der großen Depression in den USA gleich. Da investiert niemand mehr. Aber: In der Produktion fallen die Jobs weg. Die Fabrikshallen, die Produktionshallen werden weitgehend menschenleer sein. Die neuen Systeme sind selbstlernend. Das heißt, die Jobs im Büro fallen weitgehend weg. Und im Transport. Da sind wesentliche Teile der Wirtschaft betroffen.

Wo werden denn neue Jobs geschaffen?

Durch Digitalisierung wird die Wirtschaft immer komplexer, man schafft neue Probleme. Dadurch entstehen neue Jobs. Das ist schon heute so in der Schweiz. Neue Jobs werden im Bereich Gesundheitswesen, Unterricht und Bildung geschaffen. Bereiche, wo nicht direkt produziert wird. Man muss die Menschen für die neuen Herausforderungen ausbilden. Es handelt sich im Gesundheitsbereich nicht um zusätzliche Ärzte oder Krankenschwestern, sondern Leute in der Verwaltung, Manager. Das schafft in erheblicher Zahl neue Jobs, das kann man in der Schweiz schon jetzt sehen.

Welche Berufe werden entstehen?

Human-Machine Interaction Management wäre so ein Beispiel. Das wird sich durchsetzen. Man kann Menschen nicht mehr getrennt von den Robotern und Algorithmen managen. Ein neues Berufsfeld ist auch Machine-Ethics. Man muss sich fragen, wie sich Roboter ethisch verhalten.

Im unqualifizierten Bereich bleiben die Jobs aber bestehen, sagen Sie. Warum ist das eigentlich so?

Zwei Dinge sind durch Digitalisierung schwierig zu ersetzen: ganz kreative Tätigkeiten und Tätigkeiten etwa eines Friseurs oder Gartenarbeit. Einzelne Funktionen des Gärtners kann man natürlich schon auf Roboter auslagern. Aber dass man alle Tätigkeiten an einen Roboter delegiert, das ist ziemlich schwierig.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-03-12 17:53:47
Letzte Änderung am 2018-03-13 10:37:47


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