• vom 14.04.2018, 09:00 Uhr

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Von Rolf Steininger

  • Ein einzigartiges Land mit einzigartigen Problemen: Vor 70 Jahren wurde der Staat Israel gegründet.

Israels Flagge und ein Chanukkaleuchter in Jerusalem. - © T. Stankiewicz/Lookphotos/picturedesk.com

Israels Flagge und ein Chanukkaleuchter in Jerusalem. © T. Stankiewicz/Lookphotos/picturedesk.com

In diesem Jahr feiert Israel seinen 70. Geburtstag. Vor 70 Jahren, am Nachmittag des 19. April 1948 (das ist das Datum nach dem jüdischen Kalender; nach gregorianischer Zeitrechnung ist dies der 14. Mai), verkündete der Führer der Zionisten, David Ben-Gurion, die Unabhängigkeit Israels.

Damals gab es nicht wenige, die nicht einmal im Traum an einen 70. Geburtstag dieses Staates geglaubt haben. Als am 20. April/ 15. Mai 1948 - am ersten Tag der Existenz des neuen Staates - die Armeen aus Ägypten, Jordanien, Syrien, dem Libanon und dem Irak Israel angriffen und der Generalsekretär der Arabischen Liga verkündete, es werde ein Ausrottungskrieg und ein Massaker sein, von dem man wie von dem mongolischen Massaker und den Kreuzzügen sprechen werde, da gab es so manchen, der keinen Pfifferling auf Israel gab. Der britische Außenminister Ernest Bevin war davon überzeugt, wie er dem österreichischen Botschafter Schmidt Ende Mai 1948 anvertraute, dass sich der jüdische Staat nicht halten könne, und dass, so wörtlich "der zionistische Traum ausgeträumt sei".

Information

Buch-/Hörtipp:
Rolf Steininger: Der Nahostkonflikt. Fischer, Frankfurt/M. 2014, 128 Seiten. Die Ö1-Sendung: "Betrifft Geschichte" (5.–9.2.2018) über die Vorgeschichte Israels ist abrufbar unter www.rolfsteininger.at

Rolf Steininger ist em. O. Univ.-Prof. und war von 1984 bis zu seiner Emeritierung 2010 Leiter des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck.

Ähnlich sah das auch der erste diplomatische Vertreter Österreichs in Tel Aviv, Karl Hartl. Der Wiener, überzeugter Sozialist, mit einer Jüdin verheiratet, der nur mit viel Glück einer Exekution durch die SS in Frankreich entkommen war, war besonders kritisch. Für ihn war Israel ein "kleines, sehr armes" Land, eine "Früh- und vielleicht Fehlgeburt", es sei, "ob es will oder nicht, doch ein Spritzer des von Hitler zertrümmerten Europas, der an den Küsten Kleinasiens kleben geblieben ist". 1954 meinte er, es dürfe "als erwiesen betrachtet werden, dass die Aufpfropfung Europas auf den uralten vorderasiatischen Ast misslungen ist - dieses Reis hat nie den Saft der Wurzel geholt und wird ohne raumfremde Hilfe verdorren". Er sollte sich irren.

Herzls Judenstaat

Die Gründung Israels war der Endpunkt einer Entwicklung, die Jahrzehnte vorher begonnen hatte: Mit jenem im 19. Jahrhundert in Europa entstandenen Phänomen und dem Mann, der daraus die Konsequenzen gezogen hatte. Das Phänomen war der Antisemitismus, der Mann war Theodor Herzl.

Herzl war 1860 in Budapest geboren, wuchs aber in Wien auf und wurde ein vollständig assimilierter Jude. 1884 promovierte er zum Doktor jur. und hatte die Absicht, Schriftsteller zu werden. Er wurde eine Art Kaffeehausliterat und mittelmäßiger Theaterautor. 1891 wurde er dann aber als Journalist für die "Neue Freie Presse" nach Paris geschickt. Der Aufenthalt dort wurde zur entscheidenden Station in seinem Leben.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-13 10:21:17
Letzte nderung am 2018-04-13 11:12:58



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