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Update: 15.04.2018, 11:33 Uhr

Kongo

Kongos Regierung will keine Hilfe




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  • Millionen Kongolesen sind laut UNO im eigenen Land vertrieben und benötigen Lebensmittelhilfe.

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Szene einer Essensverteilung in einem Camp für Flüchtlinge.

Szene einer Essensverteilung in einem Camp für Flüchtlinge.© reuters/Goran Tomasevic Szene einer Essensverteilung in einem Camp für Flüchtlinge.© reuters/Goran Tomasevic

Kinshasa. (klh/apa) Das 17 Monate alte Baby schreit sich die Lunge aus dem Leib. Eine Krankenschwester hebt den kleinen unterernährten Jean in eine Schlinge, die von einem Baum hängt, um ihn zu wiegen. Seine dünnen Arme sehen aus, als könnten sie jeden Moment brechen, sein Bauch ist aufgebläht, seine Augen gläsern. "Wir sind aus unserem Dorf geflohen und zwei Tage gelaufen, um hierher zu kommen", sagt Jeans Großmutter, Marguerite Bialuse. Im Ort Kananga mitten in der kongolesischen Krisenregion Kasai hat das Baby dank Nahrungsmitteln der UNO gute Überlebenschancen. Doch die Unterernährung wird Jean - und Millionen andere - wohl ein Leben lang zeichnen.

Das Baby ist Opfer einer der schlimmsten humanitären Krisen. Im zentralafrikanischen Kongo sind nach UNO-Angaben mehr als 13 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Mehr als zwei Millionen Kinder unter fünf Jahren sind nach Angaben des UNO-Nothilfebüros lebensbedrohlich unterernährt. Und fast fünf Millionen Kongolesen sind derzeit auf der Flucht, knapp 800.000 davon haben sich in Nachbarländer gerettet.


Kaum beachtete Krise
Deshalb versucht die UNO, über Geberkonferenzen Geld für den Kongo einzusammeln, und hat am Freitag in Genf die internationale Gemeinschaft zu einem Treffen versammelt. Der Chef des UN-Nothilfebüros, Mark Lowcock, geht davon aus, dass der Bedarf für humanitäre Einsätze in diesem Jahr bei 1,7 Milliarden Dollar liegt. Doch vorerst waren davon erst 13 Prozent zugesagt.

Es ist nicht einfach, Aufmerksamkeit für den Kongo zu erlangen. Die internationale Gemeinschaft blickt derzeit vor allem auf andere Konflikte, etwa den in Syrien. Zudem sind kongolesische Flüchtlinge meistens im eigenen Land vertrieben oder schaffen es gerade einmal in die Nachbarländer - was sich ebenfalls in geringerer Aufmerksamkeit für diese Krise in wohlhabenderen Ländern niederschlägt.

Und dann haben die internationalen Helfer noch mit einem weiteren Gegner zu kämpfen: der Regierung des Kongo. Diese will nämlich die Konferenz boykottieren. Sie streitet die Angaben der UNO ab, spricht davon, dass nur rund 231.000 Kongolesen im eigenen Land vertrieben wurden - diese Zahl ist 20 Mal geringer als die von der UNO genannte. Und vor allem sehen die Machthaber in Kinshasa in der von der UNO einberufenen Konferenz ein Image-Desaster, das potenzielle Investoren abschreckt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-13 17:51:13
Letzte Änderung am 2018-04-15 11:33:46


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