• vom 27.04.2018, 16:22 Uhr

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Update: 27.04.2018, 16:50 Uhr

Vor Gericht

Der Elfenbeinsammler




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"Mein Vater ist mit mir 1957 aus Ägypten nach Österreich gekommen", sagt B. Gemeinsam mit einem anderen Ägypter habe sein Vater hier studiert. "Dieser Ägypter war ein Spieler", sagt B. Immer wieder habe sich der Mann von ihm Geld ausgeborgt. Im Gegenzug habe er von dem Ägypter 1979 die Stoßzähne bekommen, erklärt B. Staatsanwalt Mascha glaubt ihm nicht. Es sei gelungen, die Tochter und den Hausarzt des - mittlerweile verstorbenen - Ägypters ausfindig zu machen. Beide würden angeben, dass dieser mit Elfenbein nichts zu tun gehabt habe. "Auf mehreren Stoßzähnen haben sich auch Euro-Preisschilder befunden - und 1979 gab es den Euro nicht."

"Dass er ein chronischer Sammler war, darüber brauchen wir gar nicht reden", sagte Verteidiger Peter Philipp. "Sie konnten aber in dem ganzen Ermittlungsverfahren nicht nachweisen, dass er die Zähne verkauft oder von jemanden gekauft hat. Fest steht nur, dass er sie hat", so Philipp in Richtung des Staatsanwalts.

Weltmeister und "Buschelefant"
Für Verwirrung sorgen am Freitag gleich mehrere Aussagen von B. So gibt der 67-Jährige an, er habe 1975 in Kairo in der Mittelgewichtsklasse den Box-Weltmeister-Titel erkämpft. Den Namen seines Gegners weiß er aber nicht mehr genau. "Das ist schon so lange her", erklärt er. Die Richterin will das überprüfen lassen.

Unklarheit herrscht auch über die "Buschelefanten": B. behauptet, dass rund ein Drittel der Zähne von Walrössern, Mammuts und Buschelefanten stammt. "Ich habe viel gelesen, meine Familie hat in Ägypten mit Elfenbein gehandelt", sagt B., der sich selbst als Elfenbeinexperte bezeichnet. "Buschelefanten? Es darf bezweifelt werden, dass diese Spezies existiert", sagt Mascha dazu.

Auch ein Sachverständiger, der die Zähne auf Tierart und geografische Herkunft untersucht hat und sein Gutachten präsentiert, kommt zu einem anderen Ergebnis. Es sei in hohem Ausmaß plausibel, dass sie von afrikanischen Elefanten stammen. "Ich kann aber nicht ausschließen, dass es auch asiatische Elefanten waren", so der Gutachter. "Das akzeptiere ich nicht", empört sich B. Ein Teil der Zähne stamme definitiv von Walrössern und "Buschelefanten": "Die sind unten viel zu klein für einen Elefanten!"

Am nächsten Mittwoch wird die Verhandlung fortgesetzt.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-27 16:27:41
Letzte Änderung am 2018-04-27 16:50:26


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