• vom 17.05.2018, 17:07 Uhr

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Update: 17.05.2018, 18:07 Uhr

Gaza

In der Eskalationsspirale




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  • Der Wille zum Kompromiss im Nahost-Konflikt ist auf dem Nullpunkt.

Mit seiner Luftwaffe versuchte Israel im Gazastreifen Stärke zu zeigen. - © afp/Jack Guez

Mit seiner Luftwaffe versuchte Israel im Gazastreifen Stärke zu zeigen. © afp/Jack Guez

Gaza/Jerusalem. (leg/apa) An Benjamin Netanjahu scheiden sich die Geister. Den einen gilt der konservative israelische Premier, der den Tag der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem einen "großartigen Tag für den Frieden" genannt hat, allein schon wegen dieser Aussage als kalter Machtpolitiker und Zyniker. Die anderen halten "Bibi", wie Netanjahu in Israel genannt wird, einfach für einen Realisten, der sich keine Illusionen über die fortwährend feindselige Einstellung der Araber zu Israel mache und sein Land bestmöglich zu schützen suche. Ein solch kalter Friede, meinen Letztere, wäre immer noch besser als ein falscher Friede, als ein Eingehen auf Versprechungen, die nicht gehalten werden.

Stimmung des Misstrauens
Solch ein Pessimismus wundert in Nahost niemanden mehr: Das gegenseitige Vertrauen, die Grundbasis jedes Zusammenlebens, war im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern immer schon schwach ausgeprägt. Jetzt, nach dem blutigen Montag mit 60 Todesopfern, dem blutigsten Tag in Nahost seit dem Gazakrieg 2014, scheint es auf den Nullpunkt abgesunken. In der Region dreht sich wieder einmal die berüchtigte Spirale der Gewalt: In der Nacht zum Donnerstag flog Israels Militär mehrere Luftangriffe auf den Gazastreifen. Ziel seien Einrichtungen der dort regierenden radikalislamischen Hamas gewesen, etwa ein Waffenwerk und ein Militärkomplex, hieß es seitens der Streitkräfte. Die Luftangriffe sollen Vergeltungsschläge gewesen sein wegen eines schweren Maschinengewehrfeuers auf die israelische Ortschaft Sderot an der Grenze zum Gazastreifen. Und dieses Feuer soll eine Reaktion auf den Beschuss einer Hamas-Einrichtung durch einen israelischen Panzer.

Die Ereignisse vom Montag bewegen immer noch die Gemüter: Salah Bardawil, ein Vertreter der Hamas, gab bekannt, dass 50 der 60 am Montag getöteten Palästinenser Mitglieder der Hamas gewesen seien. Die übrigen Toten seien "aus dem Volk" gewesen. Israel wertet diese Angaben als Beleg dafür, dass es sich bei den Protesten vom Montag nicht um friedliche Kundgebungen gehandelt haben kann. "Das war keine friedliche Demonstration, sondern ein Einsatz der Hamas", sagte Israels Regierungssprecher Ofir Gendelman. Und Israels Parlamentspräsident Joli-Joel Edelstein beurteilte die Ereignisse vom Montag als "eine wohlüberlegte Aktion der Hamas, die die Bevölkerung, darunter Frauen, Kinder und Jugendliche, als menschliche Schutzschilde einsetzt." Die Proteste hätten nur wenig mit der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem zu tun gehabt.

"Nicht in die Türkei fahren"
Ägypten rief am Mittwoch beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte, sein Land sei mit beiden Seiten im Gespräch, "damit dieses Blutvergießen aufhört". Auch Russlands Präsident Wladimir Putin rief nach einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan zu einem Ende der Gewalt auf.

Erdogan selbst profilierte sich auch in den vergangenen Tagen wieder als Kritiker Israels. Er nannte Israels Vorgehen in Gaza einen "Genozid" an den Palästinensern. Israels Tourismusminister Yariv Levin reagierte darauf mit einer Aufforderung an seine Landsleute, nicht mehr in die Türkei zu reisen. Israelische Medien hatten berichtet, dass am Mittwoch in Istanbul ein israelisches Fernsehteam attackiert worden sei.

Das österreichische Außenministerium hat am Donnerstag auf die Entscheidung Palästinas, den Botschafter in Wien auf unbestimmte Zeit zu Konsultationen zurückzuberufen, reagiert. Man nahm die Entscheidung "mit Bedauern" zur Kenntnis.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 17:13:01
Letzte Änderung am 2018-05-17 18:07:02




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