• vom 28.05.2018, 17:00 Uhr

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Bescheidenheit ist eine Zier

Zurückhaltung kommt an




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  • Bescheidenheit, nicht Auffälligkeit, ist ein Erfolgsrezept der Evolution.

- © getty/anadolu agency

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Klosterneuburg/Wien. (est) Obwohl die Eigenwerbung zahlreicher Menschen in Sozialen Medien anderes vermuten lässt, belegt die Wissenschaft: Bescheidenheit ist eine Zier - und ein Erfolgsrezept der Evolution. Wer sich zurückhält, kommt auf die Dauer besser an und erreicht eher und präziser seine Ziele. Das berichtet ein österreichisch-amerikanisches Forschungsteam im Fachmagazin "Nature Human Behaviour".

Die Forschenden haben Verhalten analysiert, die auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Etwa wollten sie wissen, warum Menschen anonym für gute Zwecke spenden und andere im Speziellen die Tatsache bewundern, dass die Spender auf Anerkennung verzichten. Auch hinterfragten sie, warum manche Menschen ihr Interesse an potenziellen Partnern herunterspielen, obwohl dieses Verhalten das Risiko birgt, dass die Angebeteten die Bewunderung dann gar nicht mitbekommen. Auch für subtile Ästhetik in Kunst und Mode interessierte sich das Team des Institute of Science and Technology (IST) Austria und der Universität Harvard. "Wir wollten verstehen, welche Strategien sich entwickeln und stabil sind", erklärt Studienleiter Christian Hilbe vom IST Austria in einer Aussendung. Er und seine Kollegen fanden heraus, dass es kein Widerspruch ist, wenn Menschen darauf verzichten, ihre guten Taten, Errungenschaften oder positive Eigenschaften in alle Welt zu posaunen, obwohl sie kurzfristig genau damit ihre Reputation verbessern könnten und es oftmals auch aufwendiger ist, Botschaften zu verschleiern.


Antworten aus der Spieltheorie
Mit dem "Signalverschleierungsspiel" wählte das Team einen spieltheoretischen Ansatz. Es ermöglicht Strategien, die auf bestimmte Empfänger abzielen und im Gegenzug in Kauf nehmen, andere Menschen nicht zu erreichen. Das Spiel berücksichtigt die Idee, dass versteckte Signale wertvolle Zusatzinformationen über den Absender liefern, sobald sie entdeckt werden - etwa, dass ein Künstler den Massengeschmack verachtet oder er sich darauf verlässt, dass sein Ruf ohnehin so gut ist, dass Kenner die versteckten Botschaften finden. Anonyme Spender wiederum wollen vielleicht von lästigen Bittstellern verschont bleiben und nur gezielt einen "inneren Kreis" beeindrucken. Bei jenen steigt der Wert der Tat, denn zu der zugeschriebenen Großzügigkeit wird die ebenfalls hoch angesehene Bescheidenheit addiert.

Spielt jemand das Interesse an einem potenziellen Partner herunter, erhöht er dadurch die eigene "Verhandlungskraft", erklären Hilbe und seine Kollegen Martin Novak und Moshe Hoffmann von der Universität Harvard. Übereifer zeige einen niedrigen "Marktwert" und einen Menschen, der Partnerschaft dringend benötigt. Interesse würde besser mit subtilen Signalen vermittelt, die aufwendiger sind und gezielter eingesetzt werden müssen. Wenn man ein Signal verschleiert, tut man dies immer in der Annahme, dass es von den Zielpersonen entdeckt wird. Das Verdecken ist somit eine Botschaft an sich. Sie kommt dann zwar bei weniger Personen an, beeindruckt diese aber umso mehr.




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Dokument erstellt am 2018-05-28 16:37:04


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