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Update: 06.06.2018, 07:44 Uhr

Wladimir Putin

Ein Annäherungsversuch nach Programm




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Von Gerhard Lechner

  • Der russische Präsident lobt bei seinem Besuch die gute Gesprächsbasis und die wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Sebastian Kurz am Dienstag im Kunsthistorischen Museum in Wien.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Sebastian Kurz am Dienstag im Kunsthistorischen Museum in Wien.© APAweb / Georg Hochmuth Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Sebastian Kurz am Dienstag im Kunsthistorischen Museum in Wien.© APAweb / Georg Hochmuth

Wien. Seinem Image als notorisch unpünktlicher Politiker blieb Wladimir Putin auch in Wien treu: Verspätet landete die Maschine mit dem russischen Präsidenten an Bord am Flughafen Schwechat, und auch die Journalisten, die an der Pressekonferenz Putins mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen teilnahmen, mussten sich in der drückenden, schwülen Hitze am Dienstag in der Hofburg rund eine halbe Stunde gedulden.

Dann ging die Tür auf, und er war da: Mit dem bei Putin nicht gerade unüblichen sachlich-unbewegten Gesichtsausdruck spulte der Kreml-Chef, der vom "Forbes"-Magazin mehrfach zum mächtigsten Mann der Welt gekürt worden war, die Pressekonferenz mit seinem österreichischen Amtskollegen ab. Er betonte die Rolle Österreichs als Schlüsselland für Gasexport, lobte die wirtschaftliche Zusammenarbeit und zeigte sich mit der Arbeit der gemeinsamen österreichisch-russischen Historikerkommission zufrieden, die Versuchen, Geschichte zu verzerren, entgegenwirke.


Van der Bellen verzichtete in seinem Statement auf Unfreundlichkeiten Richtung Putin und betonte im Gegenteil die familiären Wurzeln, die ihn mit Russland verbänden. Dass Österreichs Präsident erklärte, Wien werde in der Frage der Sanktionen gegen Russland im Einklang mit der EU handeln, dürfte Putin nicht sonderlich schockiert haben. Die Sanktionen seien schädlich für alle, "sie hindern Russland aber nicht daran, die Beziehungen zu Österreich zu entwickeln", erklärte der Kreml-Chef. Überraschend war vielleicht, dass Van der Bellen ankündigte, dass eine gemeinsame Plattform mit Russland für zivilgesellschaftlichen Dialog eingerichtet werde. Van der Bellen sagte auch, dass er "keine grundsätzliche Vertrauenskrise" mit Russland sehe. "Glaubwürdigkeitsfragen treten in der Politik immer wieder auf."

Mit einer Spitze gegen die Politik der USA bekannte sich Van der Bellen außerdem zur Energiepartnerschaft mit Russland: "In letzter Zeit gibt es Vorhalte mancher US-Politiker, dass die Abhängigkeit der EU in dieser Beziehung von Russland zu groß ist. Es wird dabei übersehen, dass der Preis für amerikanisches Flüssiggas zwei- oder dreimal höher ist." Aus ökonomischer Sicht mache ein Wechsel des Gaslieferanten "wenig Sinn".

"Supermacht" Russland
Neben der Unterredung mit Van der Bellen traf Putin noch Kanzler Sebastian Kurz und Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Was Kurz in seinem Statement nach dem Gespräch von sich gab, dürfte dem Kreml-Chef geschmeichelt haben: Der Kanzler bezeichnete Russland als "Supermacht" - ein Terminus, der auf die untergegangene UdSSR angewendet worden war. Ex-US-Präsident Barack Obama hatte Putin einst mit der Bemerkung gekränkt, dass Russland nur eine "Regionalmacht"sei.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-05 19:52:25
Letzte Änderung am 2018-06-06 07:44:19


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