• vom 12.06.2018, 22:10 Uhr

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Update: 12.06.2018, 22:12 Uhr

KAV

Engpass in der Kinderintensivmedizin




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Von Christian Rösner

  • Immer wieder müssen Abteilungen wegen Personalmangels kurzfristig geschlossen werden. Der KAV bestreitet das.

"Die neonatologische Versorgung im Wiener Krankenanstaltenverbund ist gegeben", heißt es seitens des KAV. - © Keystone/Gaetan Bally

"Die neonatologische Versorgung im Wiener Krankenanstaltenverbund ist gegeben", heißt es seitens des KAV. © Keystone/Gaetan Bally

Wien. Eklatanter Personalmangel, Managementfehler, geschlossene Abteilungen und drohende Engpässe: "Der Zustand der Kinder-Intensiv-Medizin in Wien ist mehr als besorgniserregend", heißt es aus internen Quellen des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV).

Der Personalmangel habe sich durch Fehler bei der Erstellung der Dienstpläne verschlimmert. Betroffen seien die drei Spitäler in Wien, die Kinderintensivmedizin anbieten: das AKH, das Donauspital und das Kaiser-Franz-Josef-Spital. In allen drei mussten bereits tageweise diese Abteilungen schließen, so die Insider-Information. Erst vergangenen Mittwoch soll die Station für Kinderintensivmedizin im Kaiser-Franz-Josef-Spital gesperrt worden sein, gefährliche Engpässe werden auch künftig befürchtet.

Die Behandlung auf einer normalen Intensivstation ist für Kinder oft nicht möglich, weshalb die spezialisierte Behandlung auf der Kinderintensivstation nötig ist. "Die Stadt Wien und der KAV sind gefordert hier sofort zu handeln, um nicht bei den Kleinsten zu sparen", erklärte dazu Wiens ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec am Dienstag. Wien sei schließlich eine junge Stadt, die einen großen Zuzug vor allem durch Jungfamilien erlebe.

Situation zusätzlich verschärft

"Um dem gerecht zu werden, müssen auch die gesundheitsrelevanten Strukturen angepasst werden", so Korosec weiter. Denn es handle sich hier um keinen Einzelfall. Diese Engpässe gebe es laufend, weil es zu wenig Kinderärzte in Wien gebe. "50 Prozent der Kinderärzte arbeiten viel lieber ohne Krankenkasse, weil sie dann mehr verdienen können", so die Gesundheitssprecherin.

Eine weitere Insiderin, die nicht namentlich genannt werden will, kritisiert, dass es schon seit Jahren Engpässe in der Kindernotfallmedizin gibt. Aber die Stadt habe bis dato nichts dagegen getan. Zwar wurde im AKH 2012 eine eigene Kinderchirurgie geöffnet, aber ohne 24-Stunden-Dienst - was dazu geführt habe, dass immer wieder Kinder in der Erwachsenenchirurgie gelandet sind. Es herrsche in diesem Bereich nach wie vor dasselbe Problem wie in der Kinderpsychiatrie: Es werde kaum Personal aufgenommen.

Im AKH gibt es etwa laut dem Gesundheitssprecher der Bundes-FPÖ, David Lasar, derzeit nur einen Kinderherzchirurgen, der pro Jahr 250 bis 300 Operationen absolvieren muss. Verschärft wurde das Problem nicht zuletzt durch das noch von Ex-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely umgesetzte neue Ärztearbeitszeitgesetz, das keine Überstunden mehr erlaubt.

Sogar der neue Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hatte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" eingeräumt, dass seine Vor-Vorgängerin in dieser Sache zu spät reagiert habe. Denn dass es eine EU-Richtlinie zu neuen Arbeitszeitregelungen gibt, habe man schon seit 20 Jahren gewusst. "Ich habe dieses Thema für die Kollektivverträge, für die ich verantwortlich war, schon vor 15 Jahren bereinigt", meinte Hacker vor zwei Wochen. Er bezog sich damit auf seine frühere Rolle als Chef des Fonds Soziales Wien.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-12 17:46:21
Letzte Änderung am 2018-06-12 22:12:51


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