• vom 13.06.2018, 17:39 Uhr

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Update: 13.06.2018, 17:57 Uhr

Steueroasen

EU leidet am meisten unter Steuervermeidung




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  • Laut einer Studie entgeht Österreich durch Steuertricks jährlich eine knappe Milliarde Euro.


© M. Hirsch © M. Hirsch

Wien. (red/apa) Trotz gigantischer Daten-Leaks in den letzten Jahren, wie etwa bei den Panama Papers oder den Lux Leaks und der bekannten Berichte über prominente Steuerflüchtlinge wie Amazon, Google, Apple, Facebook oder Starbucks verlagern multinationale Unternehmen nach wie vor ihre Gewinne geschickt in Steueroasen - und das ordentlich.

620 Milliarden US-Dollar weltweit und bis zu 900 Millionen Euro allein aus Österreich sollen einer Studie zufolge jährlich am Fiskus vorbei in Steueroasen fließen. Das hat laut einem Bericht des "Standard" vom Mittwoch eine Gruppe von Wirtschaftsforschern unter Leitung des Berkeley-Ökonomen Gabriel Zucman bezogen aufs Jahr 2015 errechnet.

Demnach fließen 40 Prozent der erwirtschafteten Konzerngewinne in Niedrigsteuerländer und Steueroasen, wo die Unternehmen keine oder nur sehr geringe Abgaben bezahlen müssen.

Der größte Einnahmenverlust durch Steueroasen entsteht der Studie zufolge in der Europäischen Union und in Entwicklungsländern. Aus den USA verlagern die meisten Multis ihre Gewinne in Steueroasen.

Auf die 900 Millionen Euro, die dem Austro-Fiskus 2015 entgangen sein sollen, kommen die Studienautoren auf Basis von rund 3,6 Milliarden Euro an unversteuerten Gewinnen, die multinationale Firmen ins Ausland transferiert hätten.

Auch Schweiz, Luxemburg und Irland sind Steueroasen

Die Untersuchung mit dem Titel "The Missing Profits of Nations" verfolgte einen neuen Ansatz. Anstatt wie bisher nur auf Daten zu einzelnen Unternehmen zurückzugreifen und daraus hochzurechnen, wie viel Geld in Steueroasen abfließt, nutzen Zucman und Co. neue volkswirtschaftliche Datenbanken.

Als Steueroasen gelten laut ihrer Definition nicht nur Karibikinseln wie die Caymans, sondern auch die Schweiz sowie die EU-Länder Luxemburg und Irland.

Das Vorgehen der Konzerne gilt allerdings nicht als illegal. Gerne werden etwa konzernintern hohe Lizenzgebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum verrechnet, um Gewinne rechtmäßig aus einem Hochsteuerland in eine ausländische Steueroase zu schaffen. Als Grund für diese fortwährende Praxis nennen die Studienautoren Politikversagen.

So würden Länder mit höheren Steuern die Transaktionen in Steuerparadiese weitgehend ignorieren - wo der Hauptteil der Steuervermeidung passiert - und sich auf Verlagerungen in andere Länder mit hoher Besteuerung konzentrieren. Gerade in der EU würden auch Anreize falsch gesetzt.

Gewinne sind nicht sichtbar

Ein weiteres Problem besteht in der fehlenden Sichtbarkeit der Profite. Die Gewinne etwa von Google und Apple beliefen sich laut Studie 2016 global auf mehr als 20 Milliarden beziehungsweise rund 55 Milliarden Euro - der Gewinn, der ausgewiesen wurde, beträgt jedoch nur einen Bruchteil und erreicht bei beiden Konzernen laut Finanzdaten keine fünf Milliarden Euro.

Bei Facebook sind gar keine Gewinne in den Finanzkonten ausgewiesen - die Studienautoren schätzen den Gewinn des US-Unternehmens allein für 2016 auf knapp zwölf Milliarden Euro. Insgesamt sind nur 17 Prozent der Gewinne von multinationalen Konzernen überhaupt in den Finanzdaten sichtbar.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-13 17:46:23
Letzte Änderung am 2018-06-13 17:57:15


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