• vom 30.06.2018, 10:30 Uhr

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Update: 30.06.2018, 13:17 Uhr

EU-Vorsitz

Brüssels Blick auf die Alpenrepublik




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Von Walter Hämmerle aus Brüssel

  • In der EU-Hauptstadt herrscht seit jeher eine gewisse Skepsis gegenüber Österreich. Zugleich schätzt man den Pragmatismus des neuen Vorsitzlandes.

Bei einem "Gipfeltreffen" auf der Planai in Schladming findet am Samstag im Beisein von Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem bulgarischen Premierminister Bojko Borissow die symbolische Übergabe des EU-Ratsvorsitzes von Bulgarien an Österreich statt. - © By JAn [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons

Bei einem "Gipfeltreffen" auf der Planai in Schladming findet am Samstag im Beisein von Bundeskanzler Sebastian Kurz und dem bulgarischen Premierminister Bojko Borissow die symbolische Übergabe des EU-Ratsvorsitzes von Bulgarien an Österreich statt. © By JAn [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons



Szenen einer langen Beziehung (von links oben im Uhrzeigensinn): Sebastian Kurz mit Jean-Claude Juncker. Christian Kern mit Juncker.Viktor Klima herzt Romano Prodi. Wolfgang Schüssel spielt mit Barroso Fußball. Alfred Gusenbauer mit Barroso. Und nochmals Barroso mit Werner Faymann.

Szenen einer langen Beziehung (von links oben im Uhrzeigensinn): 
Sebastian Kurz mit Jean-Claude Juncker. Christian Kern mit Juncker.
Viktor Klima herzt Romano Prodi. Wolfgang Schüssel spielt mit Barroso Fußball. Alfred Gusenbauer mit Barroso. Und nochmals Barroso mit Werner Faymann.
© Reuters/Lenoir - apa/BKA/Wenzel - apa/Spiola - apa/Artinger - afp/Cerles - afp/Klein
Szenen einer langen Beziehung (von links oben im Uhrzeigensinn): 
Sebastian Kurz mit Jean-Claude Juncker. Christian Kern mit Juncker.
Viktor Klima herzt Romano Prodi. Wolfgang Schüssel spielt mit Barroso Fußball. Alfred Gusenbauer mit Barroso. Und nochmals Barroso mit Werner Faymann.
© Reuters/Lenoir - apa/BKA/Wenzel - apa/Spiola - apa/Artinger - afp/Cerles - afp/Klein

Brüssel. An der Wiege Europas standen Revolutionen. Bei manchen rollten die Köpfe, bei anderen stampften und dampften die Maschinen, und fast jedes Mal entstand dabei auch ein neues Bewusstsein. So jedenfalls erzählt das 2017 eröffnete "Haus der Europäischen Geschichte" in Brüssel das Zusammenwachsen des Kontinents.

Von Revolutionen ist aktuell wieder viel die Rede. Von tatsächlichen, behaupteten, beschworenen und befürchteten. Je nach Thema, Standpunkt und Temperament. In Brüssel ist man längst skeptischer geworden, was Revolutionen betrifft, vor allem wenn die Schlachtrufe aus den nationalen Hauptstädten ertönen. Man fürchtet um das Erreichte, kein Wunder, schließlich arbeiten und leben hier Menschen aus allen 28 Mitgliedstaaten. Und fast alle beobachten mit Argusaugen, wenn irgendwo auf dem Kontinent der Unmut über "Brüssel" Richtung bekommt - und auch noch Fahrt aufnimmt.

Ausgerechnet in dieser Situation übernimmt Österreich die EU-Ratspräsidentschaft. Die Alpenrepublik, das muss man an dieser Stelle wissen, wird von Brüssel aus mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Den EU-Aficionados, die im europäischen Quartier den Ton vorgeben, ist dieses Land zwischen Nord und Süd, zwischen West und Ost vor allem eines: ein großes Rätsel. Für Ewigkeiten suchte man hier ein eigenständiges europapolitisches Profil vergebens, von einem Ex-Kanzler hieß es gar, er gehe ohne eigene Meinung in den EU-Rat hinein und mit Angela Merkels Meinung wieder heraus.

Respekt und Unsicherheit

Das ist natürlich gemein und auch so gemeint, wobei man schon auch von allein auf diese Idee kommen konnte. Schließlich passte über Jahrzehnte kein Blatt Papier zwischen Berlin und Wien. Davon ist heute keine Rede mehr. Und obwohl sich in der Vergangenheit viele in Brüssel gewünscht hätten, die Österreicher wären da und dort aus dem großen deutschen Schatten getreten, überfällt manche jetzt, da dies der Fall ist, ein mulmiges Gefühl. Schließlich ist zwischen Merkel und Sebastian Kurz mittlerweile durchaus Platz, so viel sogar, dass man sich bequem bewegen kann. Und da ist das Atmosphärische noch gar nicht miteingerechnet.

Kurz hat es ungeachtet seines Alters zu einer erstaunlichen Rolle in Europa gebracht. Spricht man in Brüssel über den österreichischen Kanzler, so trifft man auf eine interessante Mischung politischer Gefühlswelten. Da ist zum einen der Respekt vor dem Geschick des erst 31-Jährigen. Den spürt man sogar bei jenen, die nicht mit ihm übereinstimmen. Dann ist da aber auch ein Gefühl der Unsicherheit. Unsicherheit darüber, wohin eine Koalition mit einer rechtspopulistischen europakritischen Partei wie der FPÖ eine etablierte christdemokratische Europapartei wie die ÖVP führen könnte.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-29 18:22:57
Letzte Änderung am 2018-06-30 13:17:03


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