• vom 13.07.2018, 16:56 Uhr

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Update: 13.07.2018, 17:59 Uhr

Gesundheit

Die Suche der Süchtigen




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Von Alexandra Grass

  • Psychiater Reinhard Haller über die permanente Gier nach neuen Eindrücken.

Das Smartphone hat Suchtpotenzial - vor allem bei Jugendlichen.

Das Smartphone hat Suchtpotenzial - vor allem bei Jugendlichen.© StockAdobe/bildschoenes Das Smartphone hat Suchtpotenzial - vor allem bei Jugendlichen.© StockAdobe/bildschoenes

Lech. Sie wirkt auf alle Bereiche des Lebens ein und wandelt zudem ständig ihr Gesicht - die Sucht. Waren es gestern Drogen, so sind es heute vor allem Internet und Co., die dabei im Fokus stehen. Die permanente Gier nach neuen Eindrücken und Sensationen kann den Menschen auf direktem Weg in eine Suchterkrankung führen. Aufgrund veränderter Zugänge und vermehrter Angebote stehen auch die Therapeuten vor einer neuen Situation, skizzierte der Psychiater Reinhard Haller im Rahmen des diesjährigen Medicinicum Lech, das vergangenes Wochenende am Arlberg stattgefunden hat, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Bis zum Jahr 2050 wird die Sucht neben depressiven Erkrankungen und Infektionen zu den drei wichtigsten Krankheiten zählen, so der Experte. Heute steht sie in dieser Reihung immerhin schon an fünfter Stelle. Die Krankheit des "Nicht-Genug-Kriegens" und des "Nicht-Aufhören-Könnens" scheint deshalb aktueller denn je - ist allerdings auch wohl so alt wie der Mensch selbst.


Der Quell der Fröhlichkeit
Die Grenzwertigkeit zwischen noch normal und gestört war nachweislich schon im Mittelalter ein Thema. Berauschende Pilze, Met, Cannabis oder Stechäpfel gehörten schon damals zum Alltag. In alttestamentarischen Zeiten sprach man vom Quell der Fröhlichkeit. Bis hinein ins Mittelalter galt der Rausch mit seinen ritualisierten Saufgelagen als völlig normal, erklärt Haller. Mit dem aufkommenden 17. Jahrhundert hat sich das Blatt jedoch gewendet. Rausch wurde geächtet, er galt als Krankheit. Seit dem 20. Jahrhundert hat er allerdings auch die Funktion als Therapeutikum inne.

Möglichkeiten, süchtig zu werden, gibt es heutzutage zur Genüge. Neben Angeboten in Folge neuer technischer Errungenschaften wie dem Smartphone ist jedes menschliche Verhalten dazu geeignet. Das sei nicht per se krankhaft oder schlecht, betonte der Experte. "Viele Süchte - etwa die Arbeitssucht oder die Sportsucht - limitieren sich selbst." Doch werden liebe Gewohnheiten tatsächlich zur Sucht, ist Handlungsbedarf gegeben.

Süchtige richten ihr ganzes Leben auf ein Verhalten oder eine bestimmte Wirkung aus. Das reicht vom Online-Gaming bis hin zum Rauchen. Während die Internetabhängigkeit schon Jugendliche heraus aus dem Alltag in andere, verlockende Welten entführt, sie Tag und Nacht vergessen lässt, Kummer beiseite geschoben und die Teilhabe an einem funktionierenden sozialen Leben vorgegaukelt wird, liegt die eigentliche Suchtproblematik bei den Erwachsenen, betonte der Experte. Bei Medikamenten und Alkohol sei eine kontinuierliche Zunahme zu verzeichnen. Rauchen wäre gar die häufigste vermeidbare Todesursache in den Industrielängern. Aber auch die Computerspielsucht wurde von der Weltgesundheitsorganisation mittlerweile als Krankheit gelistet und greift immer mehr um sich.

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Dokument erstellt am 2018-07-13 17:04:57
Letzte Änderung am 2018-07-13 17:59:20


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