• vom 13.07.2018, 18:16 Uhr

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Update: 13.07.2018, 18:41 Uhr

Großbritannien

Auf die englische Art




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Von WZ-Korrespondent Peter Nonnenmacher

  • Der britischen Premierministerin Theresa May verlangte Donald Trump, der Gast aus den USA, höchste Zurückhaltung ab.

Erst Kritik, dann Lob: Trump düpierte May, um sie später als "herausragend" zu bezeichnen.

Erst Kritik, dann Lob: Trump düpierte May, um sie später als "herausragend" zu bezeichnen.© Reuters Erst Kritik, dann Lob: Trump düpierte May, um sie später als "herausragend" zu bezeichnen.© Reuters

London. Sie tat ihr Äußerstes, um ihn freundlich oder wenigstens gnädig zu stimmen. Sie schwor, dass beider Länder "nicht nur die engsten Verbündeten, sondern die besten Freunde" seien auf der Welt. Sie ließ ihn, um es zu beweisen, erneut für ein paar Augenblicke ihre Hand halten. Ein ganzes englisches Schloss, die Wiege Winston Churchills, schenkte sie ihm als TV-Kulisse im Abendsonnenschein.

Theresa May zog buchstäblich alle Register, um US-Präsident Donald Trump für sich einzunehmen. Mit dem Dinner in Blenheim Palace, für das sich Melania Trump als Disney-Prinzessin Belle verkleiden durfte, bot die britische Premierministerin ihren amerikanischen Gästen bei deren erster England-Visite seit Trumps Amtsübernahme einen bemerkenswerten zeremoniellen Aperitif. Das gemeinsame Arbeitsessen mit dem US-Präsidenten im feudalen Regierungs-Landsitz Chequers am Freitag sollte den zweiten Gang im diplomatischen Menü darstellen. Danach war die Queen aufgeboten, um in Windsor Castle Tee auszuschenken - ob Elizabeth II. das gefiel oder nicht.


Alles setzte May daran, Trump in ein Land aristokratischen Zaubers und tausend kommerzieller Möglichkeiten zu entführen. "Beispiellose Gelegenheit" biete sich im Zuge des kommenden britischen EU-Austritts den Amerikanern, versicherte sie ihrem Gast aus Washington. "Die Zukunft der Welt gestalten" wolle sie, an der Seite Donald Trumps.

Aber der Zauber verfing nicht. Trump verfiel keiner Sirenenstimme. Er hielt es, wie es so seine Art ist, nicht mal für nötig, für die Dauer des Gastmahls die übliche diplomatische Zurückhaltung zu wahren. Während Theresa May in Oxfordshire noch von der "besonderen Beziehung" schwärmte, rollten drunten in London schon, mit finsterem Gerumpel, Rupert Murdochs Druckerpressen an.

Zehntausende Menschen protestierten gegen den Besuch.

Zehntausende Menschen protestierten gegen den Besuch.© afp Zehntausende Menschen protestierten gegen den Besuch.© afp

Murdochs Boulevardblatt "The Sun" nämlich hatte, wie sich herausstellte, ein Interview mit Trump erhalten, in welchem dieser die Gastgeberin auf übelste Weise traktierte. Mays neuester Plan für einen abgemilderten Brexit, warnte der Präsident, schließe einen Handelsvertrag mit den USA so gut wie aus.

Zank um Handelsvertrag
"May hat den Brexit ruiniert", fasste die "Sun" Trumps Grobheiten am Freitag auf ihrer Titelseite zusammen. Einer bereits wankenden Regierungschefin habe der Präsident der Vereinigten Staaten einen enormen Stoß versetzt, deuteten andere Blätter die Trump-Aktion. Ausgerechnet am bislang heikelsten Punkt des Ringens um den Brexit in London stellte Trump den zentralen Handelsvertrag in Frage, mit dem die Brexiteers zum Ausgleich für mögliche Verluste in Europa nach dem EU-Austritt fest gerechnet hatten.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-13 18:23:02
Letzte Änderung am 2018-07-13 18:41:14


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