• vom 18.07.2018, 18:08 Uhr

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Update: 18.07.2018, 18:26 Uhr

Mamma Mia Here we go again

Schlag auf Schlaghose




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Von Christina Böck

  • Narrative Flausen bei der tolldreisten ABBA-Aufguss-Sause: "Mamma Mia - Here We Go Again".

Sieht traurig aus, wird aber gleich wieder lustig: Christine Baranski (v. l.), Amanda Seyfried, Julie Walters in Hommage-Pose. - © Universal Pictures

Sieht traurig aus, wird aber gleich wieder lustig: Christine Baranski (v. l.), Amanda Seyfried, Julie Walters in Hommage-Pose. © Universal Pictures

Meryl-Streep-Fans müssen jetzt sehr stark sein. In der Fortsetzung des Filmerfolgs "Mamma Mia" ist sie nämlich nur wenig zu sehen. Denn die von ihr gespielte Donna, zentrale Figur des verfilmten ABBA-Musicals, ist in "Mamma Mia - Here We Go Again" tot. Für die Dramaturgie schamlos hingemeuchelt. Nur um Amanda Seyfried als ihrer Tochter Sophie die Möglichkeit zu geben, traurig "Thank You For The Music" in die griechische Morgensonne zu summen. Und Rückblenden in Gang zu setzen, die in jenem 70er-Jahre-Sommer spielen, in dem Donna drei Männer und deren Genmaterial so gut kennengelernt hat, dass sie als Väter für Sophie in Frage kommen. Lily James kann als junge Donna die muntere Latzhosen-Quirligkeit von Meryl Streep sympathisch herüberretten.

Das kleine Wunder dieses Films ist: Der Todesfall tut der guten Laune keinen Abbruch. Aber es zählen ohnehin andere Regeln in Filmen, in denen im Pariser Restaurant Menschen zwischen Suppe und Hauptgang haltlos in eine aufgeweckte Choreografie von ABBAs "Waterloo" kippen und der Crepe-Suzette-Kellner sich in Napoleon verwandelt.

Information

Musical-Komödie
Mamma Mia - Here We Go Again
Regie: Ol Parker

In Paris lernt Donna, nachdem sie ihre Oxford-Abschlussfeier mit goldenen Plateaustiefeln und ihren Bandkolleginnen Tanya und Rosie aufgemischt hat, Harry (Harry Skinner) kennen - Nummer eins der drei Väter. Die anderen folgen flugs in ihr Bett, Sam (Jeremy Irvine) trifft sie auf jener griechischen Insel, die sie, ganz Aussteiger-Hippie, als ihren Schicksalsort auserkoren hat. Als sie das Foto seiner Verlobten findet, zerbricht die Liebe im "Knowing Me, Knowing You"-Duett. Wie man schon aus Teil eins weiß, ist das beste Instrument gegen Liebeskummer eine turbulente Tanzeinlage zur Filmhymne "Mamma Mia" in Ganzkörperschlaghosen. Der Mensch lebt aber nicht von Musik allein, daher: Auftritt Bill, der Schwede (Josh Dylan).

In der Gegenwart lebt Sophie den Boho-Traum der Mutter, aber in edel: Das Hotel, das schon eine bröselnde Ruine war und am Ende mit einem beträchtlichen Wasserschaden dastand, der immerhin Pierce Brosnans Oberkörper freilegte, hat sie katalogtauglich renoviert und steht kurz vor der Eröffnungsparty. Die alle beliebten Charaktere wieder vereint.

Cher, Großmutter ohne Mimik

Dabei ist am erquicklichsten das Wiedersehen mit Christine Baranski und Julie Walters als Donnas Freundinnen - sowohl in reifem Alter als auch in Jungversion (Jessica Keenan Wynn, Alexa Davies) mit schneidigen Dialogen gesegnet. Die drei Männer, Brosnan, Colin Firth und Stellan Skarsgård, sind kaum mehr als Zaungäste, dafür gibt es einen Stargast zu bejohlen: Cher erscheint als mimikbefreite Großmutter und sorgt für die tolldreisteste Unwahrscheinlichkeit des an narrativen Flausen eh nicht armen Plots. Kleiner Hinweis: Es muss noch der Hit "Fernando" untergebracht werden. Dass diese Großmutter, die in Teil eins als katholische Spießerin beschrieben wurde, nun eine Las-Vegas-Diva "mit Flitter in den Adern" ist, ist nur eine von ein paar Inkongruenzen, die aber letztlich lässlich sind. Denn ansonsten sind die Zitate, von ähnlich geschnittenen Liebeskummerduetten bis zur Reisig tragenden Griechin, die von der Tanzmeute überwältigt wird, liebevoll gesetzt. Die bekannten Hits folgen Schlag auf Schlaghose. Wieder singen alle Schauspieler selbst, was einen beachtlichen Spaßfaktor ergibt. Nicht nur Fans, und davon gibt es genug, können diesen Film als gelungene Sommerunterhaltung empfinden. Und dass man auch lange nach dem Kinobesuch etwas davon hat, dafür sorgen die gnadenlosen Ohrwürmer von ABBA. My, my, how can I resist you?





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-18 16:17:06
Letzte Änderung am 2018-07-18 18:26:55


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