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Update: 14.08.2018, 12:48 Uhr

Afrika

"Das postkoloniale Zeitalter ist vorbei"




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Von Klaus Huhold

  • In der Entwicklungspolitik haben sich die Verhältnisse geändert, erklärt der Politologe Jan Pospisil.

Der moderne Sitz der Afrikanischen Union . . . - © afp/Zacharias Abubeker

Der moderne Sitz der Afrikanischen Union . . . © afp/Zacharias Abubeker



. . . und ein bettelarmes Dorf: Äthiopien hat zwei Gesichter.

. . . und ein bettelarmes Dorf: Äthiopien hat zwei Gesichter.© reuters/Katy Migiro . . . und ein bettelarmes Dorf: Äthiopien hat zwei Gesichter.© reuters/Katy Migiro

Wien. Es waren zwei vollkommen unterschiedliche Wahrnehmungen. "Ihr habt eine Hungersnot", sagten vor rund drei Jahren die NGOs der äthiopischen Regierung. "Nein, haben wir nicht", sagten die äthiopischen Offiziellen, die mit den Hilfsorganisationen verhandelten.

Anfänglich sperrten sich die örtlichen Autoritäten sogar dagegen, dass die internationalen Hilfsnetzwerke in ihrem Land aktiv werden. "Wir sind in der Lage, uns selbst zu versorgen", sagte Redwan Hussein, einer der Regierungssprecher. Schließlich ließen Äthiopiens Machthaber aber, nach starkem internationalen Druck, die internationalen Helfer doch in ihr Land.

Geänderte Rahmenbedingungen

Dieser Fall zeigt bis heute am deutlichsten, mit welch geänderten Rahmenbedingungen Entwicklungspolitik mittlerweile konfrontiert ist. Viele einstige Empfängerländer wollen nicht mehr Bittsteller sein, sondern betrachten sich als selbstbewusste globale Akteure. "Äthiopien etwa sieht sich als ein Player, der mit seinen Partnern auf Augenhöhe agieren kann", erklärt der Politologe Jan Pospisil, der das Wiener Büro des "Austrian Study Centre for Peace and Conflict Resolution" leitet.



Der autoritär regierte, ostafrikanische 95-Millionen-Einwohner-
Staat zieht, etwa in der Textilbranche, internationale Investoren an, in der Hauptstadt Addis Abeba entstehen Industriecluster und moderne Bürogebäude, und die Wirtschaft ist über Jahre im zweistelligen Bereich gewachsen. Äthiopien "definiert sich als aufsteigende Ökonomie und Regionalmacht", sagt Pospisil der "Wiener Zeitung".

Er ist einer der Sprecher bei einem Seminar des "Europäischen Forum Alpbach", das diese Woche über mehrere Tage stattfindet und das Thema "Entwicklungspolitik und Resilienz" behandelt. Und Resilienz ist auch das entscheidende Schlagwort bei dem politischen Streit um die Hungerkrise in Äthiopien.

Denn die äthiopische Regierung argumentierte damals, dass sie selber resilient, sprich widerstandsfähig und robust genug sei, um die Krise zu bewältigen. Nicht nur verwiesen die Offiziellen darauf, dass das Land selbst Lebensmittelexporteur sei. Sie nahmen zudem für sich in Anspruch, ausreichend Infrastruktur und Notfallskonzepte zu besitzen.

Widerstandsfähigkeit als Ziel

Äthiopien schrieb sich damit selbst zu, ein Ziel erreicht zu haben, das Vereinte Nationen und westliche Geber den Empfängerländern gerne vorgeben. Die EU definiert Resilienz als "die Fähigkeit eines Individuums, eines Haushalts, einer Gemeinschaft, eines Landes oder einer Region, Belastungen und Schocks (...) standzuhalten, sich diesen anzupassen und sich rasch wieder von ihnen zu erholen."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-13 17:17:44
Letzte Änderung am 2018-08-14 12:48:28


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