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Update: 18.08.2018, 16:07 Uhr

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"Es geht um eine Neugründung der EU"




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Von Konstanze Walther

  • Ex-Spitzendiplomat Pierre Vimont über Trumps Politik und warum die EU mehr Verantwortung übernehmen muss.

Pierre Vimont beim Interview in Alpbach. - © Laurent Ziegler

Pierre Vimont beim Interview in Alpbach. © Laurent Ziegler

"Wiener Zeitung": Sie waren lange so etwas wie der Chefdiplomat der EU. Mit der Wahl von Donald Trump 2017 hat sich die Welt gewaltig verändert. Sind Sie froh, sich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen, oder finden Sie es schade, dass Sie nicht mehr in der ersten Reihe dabei sein können?

Pierre Vimont: Ich bin grundsätzlich froh, in Pension zu sein. Aber eine neue Situation ist auch aufregend. Sie zwingt einen, kreativer zu werden. Es gab aber immer schon etwas Neues in der internationalen Politik. Russland unter Wladimir Putin heute ist nicht so, wie es unter Putin 2001 war, als Russland sich noch viel mehr um konstruktive Partnerschaften bemüht hat. Wir müssen uns anpassen. Darum geht es schließlich in der Diplomatie.

Information

Zur Person

Pierre Vimont war fünf Jahre als Chefdiplomat der EU tätig. Er arbeitete in der Zeit von Catherine Ashton als Generalsekretär des Europäischen Auswärtigen Dienst. Formell ging er 2015 in Pension, blieb der EU aber bis 2017 als externer Mitarbeiter erhalten. Vor seiner Zeit bei der EU war er im französischen Diplomatischen Dienst. Heute ist er Senior Fellow im prestigeträchtigen Thinktank Carnegie Europe in Brüssel.

Pierre Vimont leitet derzeit zusammen mit Tobias Schumacher das Seminar "Die EU und ihre östlichen und südlichen Nachbarn: Resilienz als strategische Priorität" beim Europäischen Forum Alpbach.

Wie hat sich die transatlantische Beziehung unter Donald Trump verändert? Wie muss sich die EU anpassen?

Der US-Präsident scheint alle internationalen Player auf dieselbe Stufe zu stellen. Egal, ob es Verbündete sind oder Feinde. Er behandelt sie alle gleich. Das macht einen großen Unterschied. Die EU und die USA hat eine lange Partnerschaft verbunden. Wir haben daran seit 1945 gebaut und dazu auch starke Institutionen wie die Nato erschaffen. Die EU ist in ihrem Anfangskonzept sehr stark aus der US-amerikanischen Vision entstanden, wie denn Westeuropa aussehen soll. Ein enger Partner der USA, dem Druck der Sowjetunion widerstehend. Aber es ist nicht nur Trump, der einen Unterschied macht. Die Sache ist komplex, wegen der Veränderung auf dem europäischen Kontinent. Der sowjetische Block war einer der raisons d’etre der Europäischen Union. Und ich bin mir nicht sicher, ob die EU diese neue Gegebenheit, nämlich den Zerfall dieses Blockes, richtig realisiert hat. Dagegen ist Trump nur eine vergleichsweise kurzfristige Realität. Aber er zwingt die EU, nun noch mehr darüber nachzudenken, was sie eigentlich sein will oder tun möchte. Es geht in gewisser Weise um nichts Geringeres als eine Neugründung der EU. Vielleicht muss es mehr Verantwortung auf der Seite der EU geben, was die Verteidigung und Sicherheit der EU betrifft. Das ist ja auch das, was Trump will: dass die EU ihre Militärausgaben erhöht. Ich glaube, dass er da recht hat. Aber wir sollten uns neue Konzepte für die Arbeitsaufteilung in Sicherheitsfragen überlegen. Wenn in Afrika etwas passiert, oder im Mittleren Osten, oder wo auch immer. Dass wir mit unseren US-Partnern darüber reden, wer dafür verantwortlich ist, etwas zu tun.

Gibt es diese Koordination nicht schon jetzt?




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-17 18:38:39
Letzte Änderung am 2018-08-18 16:07:40


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