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Update: 10.09.2018, 19:26 Uhr

Finanzbranche

Rüsten für den Tag X








Von Karl Leban

  • Wie gut sind Österreichs Banken aktuell auf künftige Finanzkrisen vorbereitet?

Die Pleitebank Hypo Alpe Adria - ein

Die Pleitebank Hypo Alpe Adria - ein© APA/BARBARA GINDL Die Pleitebank Hypo Alpe Adria - ein© APA/BARBARA GINDL

Wien. Knapp zehn Jahre ist es her, da hat Österreichs Regierung unter dem Eindruck der globalen Finanzkrise ein 100 Milliarden Euro schweres Bankenhilfspaket geschnürt. Josef Pröll, dazumal Finanzminister, verkündete, der Republik winke damit ein feines Geschäft. Wie bekannt, kam es freilich ganz anders. Für Kapitalhilfen oder Haftungszusagen ließen zwar große Geldhäuser wie Erste Group, Raiffeisen Bank International und Bawag die Staatskassen tatsächlich klingeln. Doch die Ausgaben für die Pleitebanken Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit und ÖVAG fielen regelmäßig weit höher aus als die Einnahmen. Unter dem Strich prangte schon bald ein dickes Minus.

Auch wenn sich der finanzielle Aufwand des Steuerzahlers für die Rettung des heimischen Banksektors vorerst nicht exakt beziffern lässt, da die Abwicklung der Pleitebanken, die Verwertung von deren Assets, noch läuft: Klar ist jedenfalls, dass das Einspringen am Ende viele Milliarden Euro - bis zu zehn oder vielleicht mehr - gekostet haben wird.


Ob dem Steuerzahler derlei bei der nächsten großen Krise wieder droht? Thomas Url, Bankenexperte beim Wifo, will das nicht ausschließen, solange der von Politik und Regulatoren im Rahmen der Europäischen Bankenunion vorgeschriebene Abwicklungsfonds von den Banken "noch nicht voll dotiert" ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Steuerzahler wieder bluten muss, ist nach Einschätzung Urls heute aber "wesentlich kleiner, weil die Aufsichtsbehörden alarmierter und die Eigenkapitalvorschriften strenger sind und es auch eine ständige systemische Marktbeobachtung durch die Europäische Zentralbank gibt".

Italienische Krisenbank Monte
dei Paschi als Negativbeispiel

Auch Lukas Sustala von der Denkfabrik Agenda Austria sieht die heimischen Banken jetzt - zehn Jahre nach Lehman - viel besser aufgestellt als damals. Die inzwischen verfügbaren Mechanismen zur Bankenabwicklung und Beteiligung von Aktionären und Gläubigern an aufgelaufenen Verlusten sollten für die Bewältigung großer systemischer Krisen grundsätzlich ausreichen, meint der Experte. Die zentrale Frage aus Sicht des Steuerzahlers sei jedoch, ob die Kriseninstrumente dann auch wirklich exekutiert und durchgezogen werden.

Zu denken gibt in diesem Zusammenhang das Beispiel der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena. Dort ist der Staat vor gut einem Jahr mit einer Kapitalspritze von 3,85 Milliarden Euro rettend eingesprungen, wobei die Europäische Zentralbank (EZB) die Erlaubnis gab. Der Grund für den Bruch der neuen EU-Regeln zur Bankenabwicklung: Da in Italien viele private Kleinanleger den Banken des Landes Geld über Anleihen geliehen haben, wollte die Regierung verhindern, dass diese Anleger im Fall der Monte dei Paschi Verluste erleiden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-10 16:24:06
Letzte Änderung am 2018-09-10 19:26:19


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