• vom 10.09.2018, 16:14 Uhr

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Update: 10.09.2018, 19:26 Uhr

Finanzbranche

Rüsten für den Tag X









Nationalbank-Vizechef Andreas Ittner, der unter anderem für die Bankenaufsicht zuständig ist, will sich nicht festlegen, ob der österreichische Staat im Fall einer besonders schlimmen Finanzkrise abermals zur Kasse gebeten werden könnte. Ittner betont, dass es nun die rechtlichen Voraussetzungen gebe, "um künftig die Verwendung von Steuergeldern für Bankenrettungen zu vermeiden". Somit würden Eigentümer und Gläubiger der Bank im Zuge einer Abwicklung zur Verlusttragung herangezogen ("Bail-in"), anstatt die Bank mit Steuergeldern zu stabilisieren ("Bail-out").

Aus Sicht von Ittner hat die Regulierung des Banksektors "enorme Veränderungen" bewirkt. "Die Aufseher wissen nicht nur mehr über die beaufsichtigten Banken, sie können auch viel früher einschreiten und die Banken auffordern, mehr Kapital vorzuhalten", erklärt der Notenbanker. Sein Fazit: "Die Banken sind heute deutlich stabiler und krisenresistenter als vor der der Krise 2008 und daher besser gewappnet, einer Finanzkrise zu widerstehen."

Neue Herausforderungen
durch die Digitalisierung

Laut Ittner halten die Banken in Österreich mittlerweile im Durchschnitt "doppelt so viel Kapital und noch dazu in besserer Qualität wie vor der Krise". Zuletzt belief sich die harte Kernkapitalquote in der Branche bereits auf 15,1 Prozent (Mittelwert). In absoluten Zahlen hätten die hiesigen Institute ihre Eigenkapitaldecke seit 2008 um insgesamt rund 18 Milliarden Euro aufgepolstert, sagt Ittner. Dies erfolgte über Kapitalerhöhungen, vor allem aber auch über die Gewinne, die in den vergangenen Jahren dank Umstrukturierungen, dem Abbau von Altlasten, anziehender Kreditvergabe sowie konjunkturbedingt deutlich rückläufiger Risikokosten stark nach oben gingen. 2017 verdienten Österreichs Banken in Summe 6,6 Milliarden Euro netto und damit so viel wie noch nie.

Neben der wesentlich besseren Kapitalisierung weist Ittner auch auf die "deutlich stabilere Refinanzierungsstruktur" der Geldhäuser hin. Ein weiterer Punkt in Sachen Krisenresistenz: Die Banken "sind verpflichtet, Sanierungspläne für Krisenfälle auszuarbeiten".

Indes sieht Ittner neue Herausforderungen durch die Digitalisierung. Diese "eröffnet dem Banksektor viele neue Möglichkeiten, birgt aber auch neue Risiken". Vor allem das Thema Daten- und IT-Sicherheit werde künftig nicht nur für die Banken, sondern auch für die Aufsicht ein Kernthema.

Was Ittner unabhängig davon ebenfalls betont: "Die Lehren der Krise dürfen nicht vergessen werden." Die Ursachen von Finanzkrisen entstünden meist in einem günstigen konjunkturellen Umfeld, wenn Kreditrisikostandards sinken würden und hohe Kreditwachstumsraten zu beobachten seien. "Notenbanken und Aufsicht müssen vor allem in guten Zeiten wachsam bleiben", so Ittner. "Nur durch rechtzeitiges Erkennen und frühzeitiges Entgegenwirken bei Schwachpunkten im Finanzsystem können künftige Krisensituationen vermieden werden."

Gleichzeitig plädiert Ittner aber auch für eine Vereinfachung des Bankenregelwerks. Dieses sei inzwischen "so komplex geworden, dass es Banken und Aufsehern immer schwerer fällt, einen Überblick zu bewahren - was zu neuen Risiken und vor allem Kosten führt". Insbesondere für kleinere Banken, so Ittner, sollten die Regeln vereinfacht werden.

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Dokument erstellt am 2018-09-10 16:24:06
Letzte Änderung am 2018-09-10 19:26:19


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