• vom 12.09.2018, 08:00 Uhr

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Punkt! .




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Von Edwin Baumgartner

  • Am 15. September ist der Internationale Tag des Punktes - zu Recht, denn ohne Punkt geht es nicht.

Das ist ein Punkt.

Das ist ein Punkt.

Der Punkt in der Malerei: Das Gemälde "La Seine à La Grande Jatte" von Georges Seurat, einem der wichtigsten Vertreter des Pointillismus.

Der Punkt in der Malerei: Das Gemälde "La Seine à La Grande Jatte" von Georges Seurat, einem der wichtigsten Vertreter des Pointillismus. Der Punkt in der Malerei: Das Gemälde "La Seine à La Grande Jatte" von Georges Seurat, einem der wichtigsten Vertreter des Pointillismus.

Ein Punkt ist ein Garnichts.


Also, mathematisch gesprochen zumindest. Die Definition lautet nämlich (laut dem Web-Lexikon Wikipedia, dem in naturwissenschaftlichen Dingen einige Kompetenz nachgerühmt wird): "Unter einem Punkt stellt man sich ein Objekt ohne jede Ausdehnung vor."

Bitte ans Werk! Stellen Sie sich "ein Objekt ohne Ausdehnung" vor, am besten bildlich. Und seien Sie so gut und informieren Sie mich, wie es Ihnen gelungen ist.

Nun ja, die Mathematiker . . . Das Fach der Punkte - Schnittpunkte berechnen und so weiter, für eine größere Bevölkerungsschicht gerade wieder aktuell geworden nach dem Ferienende.

Die Sprache hat aus dem Objekt ohne Ausdehnung längst das kleine runde schwarze Ding gemacht, ohne das, nebenbei, die Mathematik auch nicht auskommt, etwa beim Schreiben einer vielstelligen Zahl. Na, welche haben wir denn hier: 10020100? Auf einen Blick erfasst? - Das Gleiche nochmals, jetzt mit Punkten: 10.020.100. Stellen wir uns albtraumhalber noch vor, die Zahl auszuschreiben. Aber wer würde das mit zehnmillionenzwanzigtausendeinhundert schon machen? Ein Lob den Punkten, die den Zahlen beigesprungen sind, so ist es doch am leichtesten lesbar. Und weil die Punkte so wichtig und nützlich und auch aus der Sprache nicht mehr wegzudenken sind, muss man sie gebührend feiern: Am 15. September ist der Internationale Tag des Punktes. Bitte nicht lachen, Punkt für Punkt wollen wir in Sachen Punkt auf den Punkt kommen.

Zum Beispiel die erwähnte leichte Lesbarkeit: Es gibt ja Autoren die den ununterbrochenen Gedankenfluss auch im Text selbst abbilden wollen das sieht dann so aus wie diese Sätze die kommen ganz ohne Punkt und Beistrich daher nur zugegeben ein Schlusspunkt wird folgen irgendwie muss man schließlich signalisieren wo die interpunktionslose Quälerei endet also.

James Joyce hat damit angefangen, und auch H. C. Artmann hat in seinen "Nachrichten aus Nord und Süd" ohne Punkt geschrieben. Der Text ist kaum lesbar.

Eigentlich interessant, dass man zur Not auf die Beistriche und die anderen Satzzeichen verzichten kann, aber nicht auf die Punkte. Das Auge will einfach wissen, wo der eine Satz endet und der nächste beginnt. Sonst verliert es sich im Chaos der

Wörter.

Wobei . . . - also: Dank SMS, WhatsApp und so weiter hört sich ja heutzutag’ die Interpunktion sowieso auf. Wie kommt man schließlich dazu, in einen anderen Modus umzuschalten, wenn sowieso beide Daumen mit dem Tippen befasst sind? Nur kommt beim Simsen in den seltensten Fällen ein "Ulysses" heraus. Nicht jeder punktlose Text ist schließlich Literatur. In den meisten Fällen ist er schlicht schlechtes Deutsch.

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Schlagwörter

Punkte, Kulturgeschichte, Sprache

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-11 16:24:04
Letzte Änderung am 2018-09-11 18:34:44


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