• vom 12.09.2018, 16:38 Uhr

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Update: 12.09.2018, 17:35 Uhr

Religion

Papst beruft Kirchengipfel zu Missbrauchsvorwürfen ein




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  • Alle nationalen Bischofskonferenzen wurden nach Rom beordert.

Vor fünf Jahren feierte Franziskus mit den Gläubigen. Nun muss er sich mit den dunklen Seiten der Kirche befassen.

Vor fünf Jahren feierte Franziskus mit den Gläubigen. Nun muss er sich mit den dunklen Seiten der Kirche befassen.© Edgar Jiménez - CC 2.0 Vor fünf Jahren feierte Franziskus mit den Gläubigen. Nun muss er sich mit den dunklen Seiten der Kirche befassen.© Edgar Jiménez - CC 2.0

Vatikanstadt. Der Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche und weitet sich immer mehr aus. Papst Franziskus zieht nun die Reißleine und beordert die Chefs aller nationalen Bischofskonferenzen zu einem Gipfeltreffen in den Vatikan. Der Kirchengipfel wird von 21. bis 24. Februar in Rom stattfinden, kündigte die vatikanische Vizesprecherin Paloma Garcia Ovejero am Mittwoch an.

Es ist das erste Mal, dass Franziskus die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema Missbrauch versammelt. Mehrere Bischöfe hatten ihn bereits Ende August wegen der Skandale zur Einberufung einer Sondersynode aufgefordert. Der Papst habe nun nach seinen Beratungen mit dem Kardinalsrat ("K9") entschieden, eine internationale Versammlung der Spitzen der katholischen Bischofskonferenzen einzuberufen, um "über die Vorbeugung von Missbrauch verletzlicher Minderjähriger und Erwachsener" zu sprechen, erklärte die Sprecherin. Sie verlas eine entsprechende Mitteilung des Kardinalsrates zum Ende der dreitätigen Beratungsrunde an diesem Mittwoch.

Demnach war beim 26. Treffen des Rates gemeinsam mit dem Papst das Thema Missbrauch "ausführlich" besprochen worden. Der Bostoner Kardinal Sean Patrick O’Malley, Vorsitzender der päpstlichen Kinderschutzkommission und Mitglied im Kardinalsrat, informierte über die Arbeiten der Kommission. Vatikansprecherin Ovejero betonte erneut, die Kardinäle hätten dem Papst in der aktuellen Krise ihre Unterstützung zugesichert.

Im August war der bisher umfassendste Bericht zu sexueller Gewalt in der katholischen Kirche der USA erschienen. Die Dokumentation belegt allein für den Bundesstaat Pennsylvania den Missbrauch an mindestens 1000 Minderjährigen durch rund 300 Priester in den vergangenen 70 Jahren. Zuvor war bekannt geworden, dass der emeritierte Erzbischof von Washington, Kardinal Theodore McCarrick, offenbar regelmäßig Seminaristen und junge Priester sexuell schikaniert hatte. Dass Stellen im Vatikan darüber informiert gewesen sein sollen, war Gegenstand eines offenen Briefes, den der frühere Apostolische Nuntius in den USA, Carlo Maria Vigano, während der jüngsten Papstreise nach Irland veröffentlicht hatte. Darin warf er sogar Franziskus Mitwisserschaft vor und forderte dessen Rücktritt.

Wegen des Missbrauchsskandals stehen auch zwei "K9"-Mitglieder unter besonderem öffentlichen Druck: George Pell, beurlaubter Leiter des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, steht in seinem Heimatland Australien wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht. Und dem Chilenen Francisco Javier Errazuriz werfen Missbrauchsopfer vor, als Erzbischof von Santiago die Strafverfolgung sexueller Vergehen behindert zu haben. Beide Kardinäle bestreiten ein Fehlverhalten. Als Vertreter Europas sitzt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, im Kardinalsrat.

Auch für ihn gab es am Mittwoch unerfreuliche Nachrichten. In Deutschland wurden durch "Spiegel" und "Zeit" Zahlen zum Ausmaß von sexuellem Missbrauch unter dem Dach der katholischen Kirche bekannt, die die Bischofskonferenz eigentlich erst am 25. September veröffentlichen wollte. Demnach wurden in den Jahren von 1946 bis 2014 in Deutschland insgesamt 3677 Opfer von mindestens 1670 Priestern und Ordensleuten missbraucht. Die Opfer waren überwiegend männliche Minderjährige, mehr als die Hälfte von ihnen zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre. In jedem sechsten Fall soll es zu Vergewaltigung gekommen sein. Drei Viertel der Betroffenen seien mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden, heißt es.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-12 16:48:05
Letzte Änderung am 2018-09-12 17:35:32


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