• vom 13.09.2018, 16:59 Uhr

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Franco

Es ist so weit




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Von Konstanze Walther

  • Spaniens Parlament beschließt ein Dekret für die Exhumierung von Franco. Konservative und Ciudadanos enthalten sich.

Diese Platte wird nun bald aufgestemmt werden. - © afp/del pozo

Diese Platte wird nun bald aufgestemmt werden. © afp/del pozo

Das "Tal der Gefallenen": Mausoleum mit Basilika und Kreuz.

Das "Tal der Gefallenen": Mausoleum mit Basilika und Kreuz.© afp Das "Tal der Gefallenen": Mausoleum mit Basilika und Kreuz.© afp

Madrid. Er war ein General, ein Monarchist und der am längsten dienende Diktator Europas, der 1975 im Alter von 82 Jahren, noch immer an der Spitze der Macht, das Zeitliche segnete.

Begraben wurde Francisco Franco in jenem Mausoleum, das er als Siegerdenkmal errichten ließ: Im Tal der Gefallenen steht ein Monument für über rund 40.000 im Bürgerkrieg gestorbene Spaniern. Es liegen dort Nationalisten, die für Franco gekämpft hatten, wie Republikaner, die gegen ihn waren, begraben. Das Denkmal selbst wurde unter anderem in Zwangsarbeit von den politischen - republikanischen - Gefangenen errichtet. So sah die Siegerjustiz aus. Francisco Franco wollte seinen Erfolg im Spanischen Bürgerkrieg in Stein meißeln. Zusätzlich wurde dort der Gründer der faschistischen Franco-Partei Falange, José Antonio, dort begraben, der am Anfang des Bürgerkriegs von den Republikanern erschossen wurde. Dass Franco selbst im Mausoleum beigesetzt wurde, war damals nur eine Notlösung, man wusste nicht wohin. Franco hatte alles an seiner Nachfolge geregelt - eine Wiedereinsetzung der Monarchie nach seinem Ableben sowie eine Übergangsverfassung für den Zeitpunkt nach seinem Tod -, als auf einmal wieder mehr als nur seine Partei erlaubt war. Nur der Ort seiner Bestattung war offen. Und so behalf man sich mit dem Gedanken, dass Franco doch quasi die Basilika beim Siegesdenkmal gestiftet hatte und Kirchenstifter doch traditionell in ihren Kirchen zur letzten Ruhe gebettet werden.

Faschistischer Gruß mit Franco-Adler auf Flagge.

Faschistischer Gruß mit Franco-Adler auf Flagge.© ap/Fernandez Faschistischer Gruß mit Franco-Adler auf Flagge.© ap/Fernandez

Es sollte aber nicht die letzte Ruhe bleiben. Am Donnerstag beschloss das spanische Parlament per Dekret, dass Francos Überreste exhumiert werden. Das von der sozialistischen Regierung eingebrachte Vorhaben wurde mit 172 Ja-Stimmen angenommen. Zwei Abgeordnete stimmten dagegen, 164 Enthaltungen wurden gezählt - und zwar vor allem von dem konservativen Partido Popular und den liberalen Ciudadanos. Erst Ende August hatte das sozialistische Kabinett die Exhumierung beschlossen.


Die Familie von Franco hat 15 Tage Zeit, um einen Ort für die Überreste vorzuschlagen, ansonsten wird der Staat darüber entscheiden.

Pilgerstätte für Faschisten, Gedenkort für Angehörige
Für viele ist das Franco-Grab im Tal der Gefallenen ein faschistoides Denkmal. Tatsächlich pilgern noch immer Franco-Fans dort hin, eingewickelt in die Fahnen der Franco-Zeit (mit dem schwarzen Adler auf dem bekannten rot-gelben Untergrund) und zünden Kerzen an. Sehr zum Missfallen von jenen, die ebenfalls im Tal der Gefallenen ihren toten Verwandten, die wegen Franco ihr Leben verloren hatten, einen Besuch abstatten wollen. Diese 40.000 Toten können übrigens nur schwer woanders hintransportiert werden. Wasser ist in die Krypta eingedrungen und hat die Särge aufgebrochen, die Gebeine durcheinandergemischt.

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Dokument erstellt am 2018-09-13 17:09:18


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