Neben Bundespräsident Alexander Van der Bellen und FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz stehen heuer fünf Vertreter kleiner Parteien oder Privatpersonen am Stimmzettel. Ihnen ist es immerhin schon gelungen, die Hürde von 6.000 Unterstützungserklärungen zu nehmen. Chancen auf den Einzug in die Hofburg haben sie allerdings so gut wie keine. Auch in früheren Wahlen landeten die "Unabhängigen" in der Regel in der unteren Hälfte der Ergebnisliste.

Sieht man von Van der Bellen ab (der schon 2016 als Parteiunabhängiger in die Wahl zog, aber als früherer Parteichef von den Grünen kräftig unterstützt wurde),  kamen nur zwei "Unabhängige" über die Zehn-Prozent-Marke. Und das waren zwei Frauen: Gertraud Knoll hob im Jahr 1998 den Unabhängigen-Rekord auf 13,59 Prozent - und 2016 holte Irmgard Griss noch deutlich mehr, nämlich 18,94 Prozent. Sie schnitt damit deutlich besser ab als die Kandidaten der Traditionsparteien, Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP), die ein Debakel mit jeweils nur rund elf Prozent einfuhren.

Der Minusrekord blieb seit der ersten Direktwahl im Jahr 1951 bei einer der wenigen Frauen, die bisher antraten: Die Frauenrechtlerin Ludovica Hainisch machte mit 2.132 Stimmen gerade einmal 0,05 Prozent. Der Privatmann Johannes Ude kam in der gleichen Wahl auf 5.413 Stimmen bzw. 0,13 Prozent, das bisher zweitschlechteste Ergebnis. Damals brauchte man allerdings nur 2.000 Unterstützungserklärungen für die Kandidatur, erst seit 1982 sind 6.000 nötig.

Negative Hitliste

Auf Platz drei in der negativen Hitliste steht der aus der FPÖ ausgetretene Otto Scrinci, der 1986 von der NDP unterstützt auf 1,18 Prozent kam. Karl Walter Nowak von den "Neutralen" musste sich 1998 mit 1,93 Prozent begnügen. Unter fünf Prozent blieben auch Norbert Burger von der NDP 1980 (3,18 Prozent) und Josef Kimmel (Europäische Föderative Partei) 1963 (3,96 Prozent).

Günstige Voraussetzungen für Parteifreie gab es 1998, als bei der Wiederwahl Thomas Klestils die SPÖ keinen Kandidaten ins Rennen schickte. So kam Richard Lugner bei seinem ersten Antreten auf 9,91 Prozent - und Gertraud Knoll gelang der Unabhängigen-Rekord. Sie ging allerdings nicht ganz ohne Parteiunterstützung in die Wahl: Abgeordnete dreier Nationalratsparteien - SPÖ, Grüne und LIF - hatten ihre "überparteiliche" Kandidatur mit Unterschriften unterstützt (das war damals noch möglich); offizielle Wahlempfehlungen gab es aber keine.

Die Partei-Kandidaten schnitten in der Regel besser ab - mit einer Ausnahme: Der Grünen-Bewerber Robert Jungk bekam 1992 nur 5,75 Prozent Zuspruch. Das war etwas mehr als Parteigründerin Freda Meissner-Blau, die 1986 noch als Unabhängige - kurz vor dem Einzug der Grünen ins Parlament - 5,50 Prozent machte.

Die mit Abstand schwächsten Ergebnisse von Kandidaten mit Parlamentsparteien im Rücken mussten Hundstorfer und Khol 2016 hinnehmen. Erstmals zogen da ein unabhängiger Ex-Grüner, Van der Bellen, und ein FPÖ-Kandidat, Norbert Hofer, in die Stichwahl ein. Hofer hob die Latte für die FPÖ-Kandidaten - die bis dahin immer 15 bis 16 Prozent schafften - damit sehr hoch, auf 35,05 Prozent (erster Wahlgang) bzw. sogar 46,21 Prozent in der Stichwahl. Die gewann freilich Van der Bellen (nach zunächst 21,34 Prozent) klar mit 53,79 Prozent.

Stichwahl laut Umfragen nicht nötig

Für heuer gehen die Meinungsforscher davon aus, dass Van der Bellen schon im ersten Wahlgang über 50 Prozent kommt - und somit keine Stichwahl nötig ist. Mit Platz 2 - aber einem deutlich niedrigeren Ergebnis als Hofer - kann FPÖ-Kandidat Rosenkranz rechnen. MFG-Chef Michael Brunner, Blogger Gerald Grosz (früher FPÖ bzw. BZÖ), der Schuhfabrikant Heinrich Staudinger, Ex-"Krone"-Kolumnist und Rechtsanwalt Tassilo Wallentin und Bierpartei-Gründer Dominik Wlazny werden in den Umfragen mit Ergebnissen zwischen drei bis etwas über zehn Prozent ausgewiesen. (apa)